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„Campus-Ansichten“: Keller des ZHG der Uni Göttingen

Bizarr verwinkeltes Reich „Campus-Ansichten“: Keller des ZHG der Uni Göttingen

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Keller des Zentralen Hörsaalgebäudes dreht sich Folge 14.

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Thomas Fritsch in den Räumen unter dem Zentralen Hörsaalgebäude.

Quelle: EF

Göttingen. Tausende Studierende sind täglich im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität unterwegs. Kaum einer wird allerdings etwas von den zum Teil zehn Meter hohen Kellern unter seinen Füßen ahnen. Der Raum unter den ansteigenden Hörsaalreihen ist nämlich nicht verfüllt. Die gegossene Betonkonstruktion lässt sich auch von unten bewundern.

Nur wenige haben Zugang zu diesem bizarr verwinkelten Reich. Einer davon ist der Universitätsmitarbeiter Thomas Fritsch, der den Bereich Multimediatechnik leitet. Er muss von Zeit zu Zeit dort unten nach dem Rechten sehen. Seit einigen Jahren verlaufen nämlich in den Kellern, die über Treppen und Gänge miteinander verbunden sind, die Kabel der Hörsaal-Multimediatechnik. Sie enden jeweils in hohen Serverschränken mit grün leuchtenden LED-Lämpchen.

Zwei der Zugänge zu dieser Welt führen durch die Damentoiletten unter den Hörsälen 08 und 09. „Während des Semesters oder bei Kongressen ist es nicht besonders angenehm, da hindurch zu müssen“, räumt Fritsch ein. Ihm bleibt aber keine andere Wahl, wenn die Technik nicht funktioniert. Der Universitätsmitarbeiter zieht dann seinen dicken Schlüsselbund und sperrt die unscheinbare, blaue Tür gleich hinterm Eingang auf.

Über eine Treppe geht es hinab in einen riesigen Kellerraum. An den grauen Betonwänden hängen Neonröhren, die für fahles Licht sorgen. Es ist warm und trocken hier unten. Auf einem großen, braunen Läufer steht ein verstaubter Tisch mit zwei Stühlen. „Da sitzen die Heizungs- und Lüftungstechniker, wenn sie Wartungsarbeiten durchführen müssen“, erklärt Fritsch. Die Decke steigt mit den Hörsaalreihen, die einen Halbkreis bilden, an. Es gibt tote Winkel und kleinere Gänge, die nicht beleuchtet sind.

Durch eine Tür und über eine Treppe geht es zu dem großen, breiten Verbindungsgang, der alle Hörsaalkeller miteinander verbindet. Der Besucher geht auf einem Stahlrost. Darunter sind dicke Versorgungsleitungen zu sehen. Der Gang knickt an einer Stelle ab. „Von hier aus geht es zum Blauen Turm“, erläutert Fritsch. Die Decke wird immer niedriger. Anfangs kann man doch geduckt gehen. Am Schluss heißt es dann aber auf allen Vieren kriechen. Also wieder zurück.

Der Universitätsmitarbeiter zeigt noch den Keller des größten Hörsaals, des Null-Elfers. Dort befindet sich die Lüftungszentrale, die für frische Luft im ganzen Gebäude sorgt. Und was ist, wenn hier einmal ein großes Teil ausgetauscht werden muss? Wie bekommen die Techniker Ersatzteile nach unten? „Es gibt Betonplatten im Fußboden des ZHG, die sich abheben lassen“, erläutert Fritsch. Durch diese Öffnung ließen sich sperrige Teile bequem nach unten transportieren.

Der große Kellerraum unter dem Null-Elfer ist besonders verwinkelt. Es gibt verschiedene Gänge. Fritsch kennt sie selbst nicht genau. Er kommt zum Arbeiten, nicht für Entdeckungsreisen nach unten. Eine der verschlossenen Stahltüren führt in ein Treppenhaus, einen der Fluchtwege für Studierende aus den Hörsälen. Er führt in den ZHG-Innenhof, der vom Blauen Turm überragt wird. Damit wäre eine Alternative zum Gang durch die Damentoilette gefunden.

Von Michael Caspar

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