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„Kein dunkles Loch“

„Campus-Ansichten“: Prüfungszimmer der Juristen „Kein dunkles Loch“

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Prüfungszimmer der Juristen im Landgericht dreht sich Folge 40.

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Eine angenehme Atmosphäre bei der mündlichen Prüfung des ersten juristischen Staatsexamens versprechen André Lüth, Georg Lemmer und Dirk Beulshausen (von links).

Quelle: mic

Göttingen. Hell und freundlich wirkt der Raum. An dem großen, ovalen Tisch in der Mitte nehmen jeweils drei Prüfer und vier Jura-Studierende Platz. Im zweiten Stock des Landgerichts Göttingen befindet sich das Zimmer, in dem angehende Juristen die mündlichen Prüfungen ihres ersten Staatsexamens ablegen.

Gesetzestexte werden in Rollkoffern herbeigeschafft

Vier Stapel Papier liegen auf dem Tisch. „Auf ihnen können sich die Kandidaten Notizen machen“, erläutert Georg Lemmer, Referent der Juristischen Fakultät Göttingen. Der promovierte Jurist ist Vorsitzender Prüfer. Die Gesetzestexte, ständig zu aktualisierende Loseblattsammlungen zwischen zwei roten Buchdeckeln, schaffen die Studierenden in Rollkoffern herbei. Drei mal 50 Minuten lang werden die Kandidaten geprüft. In den Fächern Straf- und Zivilrecht sowie öffentliches Recht müssen sie Rede und Antwort stehen.

„Ich führe vorab mit allen ein Gespräch“, sagt Lemmer. Da könnten die Studierenden zum Beispiel Bescheid sagen, wenn sie unter extremer Prüfungsangst litten. Jeder dürfe vorab einmal bei einer Prüfung im Landgericht zusehen. Im hinteren Bereich des Raumes stehen ein paar Stühle für Zuschauer. Zudem, so der Referent, biete die Juristische Fakultät Kandidaten an, eine Probeprüfung zu absolvieren.

Stundenlange Prüfungen erfordern Konzentration

„Die stundenlangen Prüfungen sind anstrengend und fordern die ganze Zeit über Konzentration“, weiß Lemmer. Das jemand durchfalle, sei aber „sehr unwahrscheinlich“. Bei den vorangehenden schriftlichen Prüfungen sei das Risiko um ein Vielfaches höher. Je nach Jahr und Bundesland bestände ein Fünftel bis ein Drittel der Prüflinge das Staatsexamen nicht.

„Um den Studierenden die Angst zu nehmen, ist das 40 Quadratmeter große Prüfungszimmer bei der Sanierung 2012 bewusst freundlich gestaltet worden“, sagt Lemmer. Die Prüfer hätten „kein dunkles Loch“ gewollt. Damals sei der Raum frisch gestrichen worden. Die Fichtenmöbel hätten Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in Sehnde gebaut. „Da brauchen wir keine Mehrwertsteuer zu zahlen und die Lohnkosten sind nicht so hoch“, erklärt der Fakultätsreferent. „Die Kosten für die Sanierung übernahmen das Landgericht, die Juristische Fakultät sowie das niedersächsische Justizministerium“, berichtet Dirk Beulshausen Richter am Landgericht und stellvertretender Pressesprecher.

Eine Uhr im Blickfeld der Prüfer, eine in dem der Prüflinge

An den beiden Stirnseiten des Zimmers hängt jeweils eine Uhr, eine im Blickfeld der Prüfer, eine in dem der Prüflinge. Außerdem gibt es einen Schrank für die Garderobe. Auf der Fensterbank steht ein Telefon. Einmal erschien eine Prüferin nicht. Lemmer musste hinter ihr her telefonieren. „Ihr Zug hatte Verspätung, stellte sich heraus“, erzählt er. Am Ende saßen die Prüfer zu dritt vier Kandidaten gegenüber.

Gut 300 Kandidaten im Jahr 2015

Viermal im Jahr gibt es im Landgericht Göttingen einen Durchgang mit einer Reihe von Prüfungstagen. Das Staatsexamen ist eine Staatsprüfung gemäß den Vorgaben des Landesjustizprüfungsamtes. Deshalb findet es in einem Gerichtsgebäude statt. Geprüft wird jeweils eine Gruppe vormittags und eine nachmittags. Prüfer, neben Professoren auch Praktiker (Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte) sowie Prüflinge stammen nicht nur aus Göttingen. Prüfer André Lüth etwa arbeitet bei der Staatsanwaltschaft in Bückeburg. Die gut 300 Göttinger Studierenden, die 2015 ihre Prüfung ablegten, mussten zum Teil auch nach Hannover, Osnabrück oder Celle fahren.

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