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„Campus-Ansichten“: Zentralarchiv des Göttinger Klinikums

Zwischen den Regalen sind nur Roboter unterwegs „Campus-Ansichten“: Zentralarchiv des Göttinger Klinikums

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Zentralarchiv des Klinikums geht es in Folge 10.

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Quelle: Heller

Göttingen. Die Türen sind verschlossen, das Licht gelöscht. Mitarbeiter des Klinikums betreten nur bei Störungen und Wartungsarbeiten das Zentralarchiv. Anstelle von Lagerarbeitern holen dort seit 1994 Roboter vollautomatisch Krankenakten und Röntgenbilder aus elf Meter hohen und 27 Meter langen Regalen.

Die sieben, mit Elektromotoren betriebenen Roboter jagen auf Schienen mit 1,4 Metern pro Sekunde zwischen den Regalen hin und her. „Problemlos erreichen sie in jeder Höhe die in den Regalen lagernden Blechkassetten“, berichtet Elektriker Sebastian Kerl (32). Er ist mit seinen sieben Kollegen von der Abteilung Fördertechnik für das reibungslose Funktionieren der Anlage verantwortlich.

„In den unteren Fächern der Hochregale befinden sich drei Millionen Röntgenbilder, die zehn Jahre lang aufbewahrt werden“, weiß Kerl. Die Bilder verteilen sich auf 5320 Metallkisten. Fünf Millionen Krankenakten, die 30 Jahre lang zu archivieren sind, lagern in 11.300 Kassetten. Den Überblick, wo was liegt, besitzt nur der Lagerverwaltungsrechner. Er schickt die Roboter werktags zwischen 7 und 20 Uhr und an Wochenenden zwischen 7 bis 14 Uhr los, wenn Ärzte Bilder oder Akten anfordern.

Die Roboter ziehen dann jeweils die richtige Kassette heraus und legen sie auf ein Transportband. Es befördert die großen Kisten zum Kommissionierungsraum im Stockwerk über dem Archivraum. Dort holen Mitarbeiter die benötigten Dinge heraus. Der Rest kommt zurück ins Archiv. Die Ärzte erhalten das angeforderte Material durch eine Kleinförderanlage. Sie ähnelt einer Modelleisenbahn und steuert zahlreiche Haltepunkte im Klinikum an. In den Bettenhäusern fahren die Behälter senkrecht mehr als 40 Mehr nach oben, um auch die obersten Stationen zu versorgen.

„Die Förderanlagen arbeiten zuverlässig“, betont Kerl. Manchmal gebe es im Archiv Probleme, weil eine Akte nicht richtig in die Kassette hineingesteckt sei. Dann geht in Kerls Abteilung ein Notruf ein. Die Mitarbeiter klettern an Seilen gegebenenfalls bis unter die Decke. „Wir sind in solchen Fällen immer zu zweit im Einsatz, damit der eine dem anderen im Falle eines Unfalls sofort helfen kan“, so der Elektriker. Auch kaputte Kugellager oder Hydraulikzylinder sorgen für Störmeldungen.

Kerls Abteilung ist nicht nur für die Roboter im Archiv und für die Kleinförderanlage zuständig, sondern auch für mehrere andere Anlagen. Eine transportiert zum Beispiel die Wagen mit dem Essen oder der Wäsche durchs Haus. „Bis ein neuer Mitarbeiter mit allen Systemen vertraut ist, vergeht ein Jahr“, sagt der Elektriker. Erst dann werden Neue für die Rufbereitschaft eingeteilt. Sie beheben dann nachts und am Wochenende auftretende Störungen umgehend.

Von Michael Caspar

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