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Kämpfen nur, wenn das Individuum profitiert

Affenforschung Kämpfen nur, wenn das Individuum profitiert

Die Gründe für Konflikte zwischen Gruppen sozial lebender Tiere sind vielfältig. Auch bei Affen gibt es Auseinandersetzungen. Doch nicht alle Mitglieder beteiligen sich immer. Um herauszufinden, welche Faktoren das Austragen von Konflikten beeinflussen, haben Göttinger Forscher Verreaux’s Sifakas beobachtet.

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Opportunistische Kämpfer: Verreaux’s Sifakas greifen nicht immer in Konflikte ein.  

Quelle: Pyritz

Göttingen. Dabei konnten die Wisswenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) und der Universität einerseits zeigen, dass diese Lemuren ihre Beteiligung in Konfliktsituationen opportunistisch von individuellen Interessen und den gegebenen Umständen abhängig machen, andererseits die Gewinnchancen einer Gruppe nicht von deren Größe, wohl aber vom Heimvorteil beeinflusst werden.

Die Wissenschaftler begleiteten acht benachbarte Gruppen der Verreaux’s Sifakas regelmäßig über ein Jahr lang im westlichen Madagaskar.

Auch weibliche Tiere an Auseinandersetzungen beteiligt

Im Gegensatz zu vielen anderen Affenarten beteiligen sich bei den Sifakas nicht nur männliche, sondern auch weibliche Tiere an den Auseinandersetzungen. Dabei bestimmt die Anzahl der kämpfenden Individuen des Gegners die Anzahl der eigenen Teilnehmer: Je mehr Individuen in der einen Gruppe kämpfen, desto mehr beteiligen sich auch in der anderen Gruppe. Allerdings nehmen nicht immer alle Gruppenmitglieder an diesen Auseinandersetzungen teil. Weibchen halten sich von kämpferischen Auseinandersetzungen nur dann zurück, wenn sie noch kleine, abhängige Jungtiere versorgen müssen. Männchen hingegen kämpfen weniger, wenn sie kaum Fortpflanzungs­chancen in der Gruppe haben.

„Sifakas beteiligen sich eher opportunistisch an Auseinandersetzungen mit Nachbargruppen“, sagt Claudia Fichtel, Wissenschaftlerin in der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ und Senior-Autorin der Studie. „Die Tiere bringen sich je nach individueller Interessenslage und in Abhängigkeit von aktuellen Umständen ein, wie beispielsweise die Anzahl der aktiven Teilnehmer der gegnerischen Gruppe.“

Welche Faktoren erhöhen Gewinnchancen einer Gruppe?

Außerdem untersuchten die Verhaltensforscher, welche Faktoren die Gewinnchancen einer Gruppe erhöhen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass zahlenmäßige Überlegenheit einer Gruppe nicht dazu gehört, der Heimvorteil hingegen schon. Findet der Konflikt in der Nähe eines Gebietes statt, das eine Gruppe in letzter Zeit intensiv genutzt hat, so erhöht sich deren Gewinnchance. Ortsansässige haben also eine höhere Motivation, das Gebiet zu verteidigen und gewinnen dementsprechend häufiger.

„Die Gewinner profitieren davon, da sie das Gebiet im folgenden Monat häufiger nutzen können als die Verlierer“, erklärt Flávia Koch, Erstautorin der Studie.

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