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Carrie Bradshaw zur Analyse auf die Couch

Filmfiguren und ihre psychischen Störungen Carrie Bradshaw zur Analyse auf die Couch

Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, bipolare Störungen und soziale Phobien – in Kino- und Fernsehfilmen ist es wie im richtigen Leben, hier wie dort gibt es psychische Störungen leichterer oder schwererer Art.

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Vom Bett auf die Couch: Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) plagen Depressionen.

Quelle: ddp

Für Filmfans oder Psychologie-Interessierte hat die Psychologieprofessorin Heidi Möller von der Universität Kassel ein Buch herausgegeben, das sich mit 30 Filmcharakteren und ihren psychischen Störungen befasst.

Ob Carrie Bradshaw („Sex and the City“) und Ed Tom Bell („No Country for Old Men“) an schwerer Depression leiden, die junge Mörderin und furiose Pianistin Jenny von Loeben in „Vier Minuten“ die erfahrene Demütigungen und Missbrauch in Gewaltausbrüchen auslebt und an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung des impulsiven Typs leidet oder Frank Knöpfel in „So glücklich war ich noch nie“ eine dissoziale und narzisstische Persönlichkeitsstörung umtreibt: Für Laien wie für Fachleute gleichermaßen spannend haben rund 40 Fachautoren im kürzlich von der Heidi Möller gemeinsam mit Medizinprofessor Stephan Doering, Münster, herausgegebenen Sammelband „Batman und andere himmlische Kreaturen“ Filmcharaktere diagnostiziert und entsprechend der Internationalen Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für psychische Störungen eingeordnet.

Nach dem Erfolg des im Jahr 2008 erschienenen Buches „Frankenstein und Belle de Jour“ nehmen die an der Universität Kassel am Fachgebiet Theorie und Methodik der Beratung forschende Psychologin Heidi Möller und der Psychoanalytiker und Professor für Psychosomatik in der Zahnheilkunde an der Universität Münster, Stephan Döring und ihre Fachkolleginnen und Fachkollegen aus ganz Deutschland erneut psychische Macken bekannter Filmgestalten unter die Lupe.

Im Mittelpunkt der 30 Beiträge zu Batman und Co. stehen zumeist Intimität, Sexualität und zwischenmenschliche Nähe. Denn sehr schnell seien diese betroffen, wenn psychische Probleme auftreten, begründet das Herausgeberduo Möller/Doering im Vorwort. Für Filme, und zwar nicht nur die in Hollywood produzierten, sind Liebe, Verlust und die häufig damit verbundenen Störungen ein thematischer Brennpunkt seit eh und je. Ein perfekter Stoff also für die psychiatrische Analyse: So etwa die Zwangsstörungen von Melvin Udall alias Jack Nicholson in „Besser geht’s nicht“: Sie machen sein Beziehungsleben zu einer mehr als harten Arbeit. Oder die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die in dem Film „Match Point“ Chris Wilton, dargestellt von Jonathan Rhys Meyers, attestiert wird: Diese Störung führt bei Wilton zum Schluss dazu, dass er die von ihm geliebte Frau umbringt.
Auch die Hauptfigur aus „Sex and the City“ muss auf die Couch. Sechs Jahre lang hat Carrie Bradshaw auf den Satz „Du bist die Eine“ gewartet. Was folgt, ruft die Psychoanalytikerin und Soziologin Dr. Sieglinde Eva Tömmel sowie Tatjana Noemi Tömmel, Promovendin an der Freien Universität Berlin auf den Plan: Die kurzfristige Beziehungsunsicherheit von „Mr. Big“, Carries künftigem Mann, sorgt dafür, dass die Hochzeit platzt und das New Yorker „last single girl“ in eine lang anhaltende Depression stürzt.

Tiefgründig analysieren die Autorinnen Ursachen für Bradshaws schwere depressive Episode nach der Internationalen Klassifizierung und kommen zum Schluss, dass die auf den ersten Blick banale und schrill erscheinende Liebeskomödie deutlich mehr zu bieten hat. Die Mischung aus Tragik, Komik und ebenso Pädagogik erkläre den unbestrittenen Erfolg der Serie und des Film.

Kinoliebhaber mit und ohne psychiatrische Vorkenntnisse können sich folglich wieder auf eine spannende und fachlich qualifizierte Auseinandersetzung mit den Film- „Patienten“ verlassen.

Stephan Doering, Heidi Möller (Hrsg.): „Batman und andere himmlische Kreaturen – Nochmal 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen“. Heidelberg 2010, Springer Medizin, 39,95 Euro.

jes/ukp

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