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„Christentum für den Neuanfang“

Schavan spricht über Gottesbezug „Christentum für den Neuanfang“

Der Zug war nicht pünktlich, Schneewehen hielten ihn auf und in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz warteten rund 130 Zuhörer auf Bundesbildungsministerin Annette Schavan und ihren Abschlussvortrag zur Ringvorlesung „Wozu Theologie?“. Auch außerhalb des Gebäudes wurde Schavan erwartet – von rund 50 demonstrierenden Studenten.

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Spricht über den Gottesbezug im Grundgesetz: Annette Schavan.

Quelle: Pförtner

Da das Gebäude nur nach vorheriger Anmeldung zu betreten war, blieben die trillerpfeifenden Studenten draußen. Doch die Ministerin betrat die Aula durch die Hintertür und der Vortrag konnte ungestört gehalten werden – die mit zugeklebten Mündern still demonstrierenden Studenten fielen nicht weiter auf.

„‚In Verantwortung vor Gott und den Menschen‘ – Gottesbezug als Freiheitsimpuls“ war das Thema ihres Vortrags. Schavan – studierte Theologin – bezog sich auf die Präambel des 1949 verfassten Grundgesetzes der Deutschen. In dieser heißt es: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“

„Ein Gottesbezug in der Verfassung ist kein deutscher Einzelfall“, sagte Schavan. Dabei nutzen einige Länder – Schavan nennt hier die Schweiz und Griechenland – eine „invocatio dei“ (Anrufung Gottes), andere, wie Deutschland, „begnügen sich mit der ,nominatio dei‘“ (Nennung Gottes). Während bei letzterer in der Verfassung lediglich ein Gott genannt wird, wird im Falle einer „invocatio dei“ die Verfassung im Namen Gottes erlassen.

Schavan erklärt die Präambel mit der Entstehungszeit des Grundgesetzes: „Die Verfassungsväter standen unter dem unmittelbaren Eindruck eines Staates, der einen tiefen Zivilisationsbruch bedeutete.“ Und so sei bei ihnen die Überzeugung entstanden, dass nur das „Christentum die wirksame Kraft für einen Neuanfang in Freiheit sei“. Dies sei ein „Lebensgefühl aus Lebenserfahrung“ gewesen. Zudem sei eine Nennung Gottes das Eingeständnis, „dass der Staat Menschenwerk und fehlerhaft“ sei.

Eine derartige Präambel sei auch vereinbar mit der Trennung von Staat und Kirche, so Schavan, da es sich nicht explizit auf einen christlichen Gott beziehe und das Grundgesetz dem Bürger das Recht zustehe, zu glauben oder nicht zu glauben, an wen er wolle: „Der Gottesbezug erinnert an menschliche Bedürfnisse, ist aber keine Identifikation auf eine spezifische Religion.“
Das Christentum sei, da Europa aus ihm, der griechischen Philosophie und dem römischen Recht seine Kultur entwickelt habe, trotzdem sehr wichtig für die Zukunft des Kontinents, ist sich Schavan sicher. „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen,“ zitierte die Ministerin Heinrich Böll.

Nach dem Vortrag sprach Schavan mit Universitätspräsident Kurt von Figura über den Stand der Bologna-Reformen. Dabei sagte sie laut der Pressestelle der Universität, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern und den Hochschulen einen „Bologna-Qualitäts- und Mobilitätspakt“ schnüren werde, „um die Qualität des Studiums und die Mobilität der Studierenden weiter zu verbessern.“ Ein Treffen mit Vertretern des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Göttingen (AStA) hatte die Bundesbildungsministerin nach Angaben des AStA aus „terminlichen Gründen“ abgelehnt.

Von Corinna Berghahn

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