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Master oder Meister?

Christian Lindner in der Aula der Universität Master oder Meister?

Am Ende gab es Pralinen für Christian Lindner, den Bundesvorsitzenden der FDP. Die Liberale Hochschulgruppe hatte den Auftritt organisiert. Thema war „Aufstieg durch Bildung“. Proteste in der voll besetzten Aula der Universität wie gerade bei einem Auftritt Lindners an der Uni Bochum gab es nicht.

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Charismatisch und nah am Publikum: FDP-Parteivorsitzender Christian Lindner.  

Quelle: Richter

Göttingen. Um 15.30 Uhr sollten sich die Türen zu dem Gebäude im Waldweg öffnen, um 15.40 Uhr ging nichts mehr, das Saal war voll. Rund 550 Besucher wollten den Auftritt Lindners erleben, vor der Tür strandeten noch einmal so viele. Lindner kam nur wenige Minuten zu spät. Das Publikum applaudierte, Lindner zeigte sich gerührt. „Vielen Dank für den freundlichen Empfang. Das ist man ja gar nicht mehr gewohnt, dass es noch Hochschulen gibt, wo man so gesittet empfangen wird.“ Und dann legte er los und redete sich schnell in den Wahlkampfmodus. „Der Wohlstand der Gesellschaft entscheidet sich in der Bildung“, sagte Lindner. Und Aufstiegschancen gebe es nur durch Bildung. Theoretisch könne eine Migrantin aus Berlin Marzahn Vorstandsvorsitzende bei der Deutschen Bank werden. Aber: „Das passiert nie“, sagte Lindner.

Die Herkunft entscheide trotz einer Gebührenfreiheit des Studiums.  Lindner und die FDP wollen eine Förderung schon in der Kita. Und die soll ebenso wie Schulbildung kostenlos sein. Lindner bringt Zahlen. Im Jahr 2016 seien 50000 Jugendliche ohne Schulabschluss abgegangen. „Von denen hat jeder ein Talent.“ Davon ist der Parteichef überzeugt. Mehr noch: „Mein liberales Weltbild sagt: Jeder kann etwas.“ Laut Lindner sei die große Aufgabe „Kita und Schulen besser machen, nicht die Unis kostenlos.“

Lindner wendete sich auch gegen „die Akademisierung der Gesellschaft. Abitur für alle ist kein Ziel“. Er brach eine Lanze für die „großartige duale Ausbildung im Handwerk“. Talente würden von der Uni abgeworben und im Leben unglücklich. Sein Beispiel: Mit einem schlechten Abschluss eines Jurastudiums lande der Absolvent vielleicht bei einer Versicherung und Schäden bearbeiten. Dieser Arbeitsplatz sei dann in zehn Jahren durch die Digitalisierung weg. Das würde einem Stuckateur nicht passieren. Lindners Fazit: „Vorsicht an der Bahnkante bei der Berufswahl.“ Und: „Warum ist der Master mehr wert als der Meister?“

Nachholbedarf in Deutschland konstatierte der FDP-Chef bei den Inhalten. „Wir brauchen dringend digitale Ausbildung auf allen Ebenen.“ Er schilderte das Beispiel einer normalen Schule in New York, in der Schüler individuell am Computer lernen und Lehrer dabei nur Hilfestellung geben. Unterschiedliche Lehrformen in verschiedenen Gruppen würden dort umgesetzt. Dort sei der Lehrplan von eineinhalb Jahren in einem Jahr bewältigt worden, so Lindner: Die Digitalisierung muss endlich auch in deutschen Klassenzimmern und Hörsälen ankommen.“

Das allerdings müsse auch finanziert werden, konstatierte Lindner – und nicht nur die Inhalte. Toiletten seien in Schulen und Universitäten manchmal nicht mehr zu gebrauchen, in Erlangen sie in dem Raum für wissenschaftliche Mitarbeiter die Decke herabgestürzt. Auch dafür sei Geld notwendig. Es solle nicht für Rüstung ausgegeben werden, sondern für Bildung, sagte Lindner mit Blick auf die Forderung Donald Trumps an die EU-Staaten.

Der FDP-Vorsitzende wendete sich schließlich noch gegen den Bildungsföderalismus und gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Er forderte eine Unterstützung für Gründer, mehr Autonomie für Schulen und die Investition in Qualifikation und Motivation von Lehrern. Bürokratieabbau streifte er ebenso wie die Vereinfachung von Steuererklärungen. „Das Kostbarste, was wir haben, ist Lebenszeit.“

Viel Beifall bekam Lindner nach seiner ausführlichen Fragerunde, die er sehr locker und souverän bewältigte. Und nach einem Foto mit der liberalen Hochschulgruppe ging’s weiter zum nächsten Termin.

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