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Göttingen Wettrennen gegen Unkrautresistenzen
Campus Göttingen Wettrennen gegen Unkrautresistenzen
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08:31 27.07.2018
Ein Landwirt fährt mit einem Spezialgerät über ein Roggenfeld und versprüht Pflanzenschutzmittel. Quelle: ZB
Göttingen

Was einen nicht umbringt, macht einen härter – das Motto gilt auch für Unkräuter. Diese entwickeln zunehmend Toleranzen gegenüber Herbiziden, ähnlich wie Bakterien gegen Antibiotika widerstandsfähiger werden. In der Pflanze geschieht das im Wesentlichen auf zwei Arten: durch genetische Mutationen oder einen beschleunigten Stoffwechsel, mit dem das Herbizid besser und schneller abgebaut werden kann.

Diese Stoffwechselvorgänge, die für Herbizidresistenzen verantwortlich sind, hat sich die Iranerin Setareh Jamali Jaghdani in ihrer Master-Arbeit näher angeschaut – im Ackerfuchsschwanz und im Weidelgras, zwei sehr gängigen Unkräutern: „Am Herbizid-Abbau sind verschiedene Enzyme beteiligt. Ich wollte herausfinden, welche Systeme in der Unkrautpflanze daran beteiligt sind.“ Dazu verwendete sie eine Chemikalie, die auch als Insektizid verwendet wird und bestimmte Pflanzenenzyme hemmt, die am Herbizidabbau beteiligt sind. „Mit diesem Hemmstoff konnte ich zeigen, dass der Wirkungsverlust des Herbizids von der Aktivität mehrerer Enzyme in den Unkrautpflanzen abhängt und dies bei verschiedenen Herbizidwirkstoffen unterschiedlich ist.“

Die Arbeit führte Setareh Jamali Jaghdani in den Laboren der BayerCrop-Science in Frankfurt durch. Dort geht die Arbeit mit ihren Befunden weiter. „Die Ergebnisse der Master-Arbeit mögen nicht direkt industriell umsetzbar sein, aber sie tragen zum grundlegenden Verständnis bei, worauf diese Resistenzen beruhen“, so Prof. Andreas von Tiedemann von der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen. Er hat die Arbeit betreut. „Wenn man die Ergebnisse der Arbeit weiterdenkt, dann kann die Industrie lernen, eine neue Generation von Herbiziden zu entwickeln.“

Hoch relevantes Thema

Diese Möglichkeit sei sehr wichtig, denn das Thema Resistenzen sei in der Landwirtschaft hoch relevant, so von Tiedemann. „Wir haben bei allen Pestiziden Probleme mit Resistenzen, vor allem bei den Herbiziden. Die Kontrolle von Unkräutern ist eine ganz grundlegende Notwendigkeit für den weltweiten landwirtschaftlichen Anbau, ohne die starke Ernteverluste drohen.“

Weil die Master-Arbeit inhaltlich relevant war, aber insbesondere auch qualitativ höchsten Ansprüchen genügte, schlug er sie für den renommierten Wilhelm-Rimpau-Preis der DLG vor. Setareh Jamali Jaghdani erhielt die eins mit Auszeichnung, eine Note, die von Tiedemann überhaupt erst zum zweiten Mal vergab. „Das ist noch zusätzlich außergewöhnlich, weil wir ohnehin ein sehr hohes Leistungsniveau unserer Studierenden haben“, so von Tiedemann. Grund dafür ist die hohe Konkurrenz der Bewerber um einen Studienplatz – zuletzt kamen auf die 20 Plätze 150 Bewerber, etwa 90 Prozent stammen aus dem Ausland.

Erstmalig Gewinner aus dem Ausland

In ihrer Begründung für die Preisvergabe betont die DLG ebenfalls die „hohe wissenschaftlich-inhaltliche und formale Qualität“ der Arbeit. Es sei überhaupt das erste Mal, dass der Preis an einen ausländischen Studierenden vergeben worden sei und entsprechend groß sei das Ausrufezeichen, das Setareh Jamali Jaghdani damit für den internationalen Göttinger Master-Studiengang Crop Protection gesetzt habe.

„Ich habe die Nachricht per E-Mail bekommen, als ich im Deutsch-Unterricht saß“, erzählt Setareh Jamali Jaghdani. „Ich war schockiert, auf eine gute Art und Weise. Von den letzten 20 Minuten des Unterrichts habe ich dann gar nichts mehr mitbekommen, weil ich die Nachricht wieder und wieder gelesen habe.“ Seit Anfang 2018 ist Setareh Jamali Jaghdani als Doktorandin tätig und hat sich ein weiteres wichtiges Thema vorgenommen: Die Auswirkungen eines Magnesiummangels auf die Photosynthese von Nutzpflanzen, der ebenfalls zu großen Ernteverlusten führen kann.

Von Sven Grünewald

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