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Warentest für die Zuckerrübe

Das Institut für Zuckerrübenforschung Warentest für die Zuckerrübe

Es ist einer der Motoren für mehr Effizienz im Zuckerrübenanbau: das Göttinger Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ). Hier treffen Grundlagenforschung auf Entwicklungen mit Züchtungsunternehmen und eine umfassende Sortentestung – die Entscheidungsgrundlage für die Branche ist.

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Zuckerrüben werden abgeladen zur Weiterverarbeitung in einer Zuckerfabrik

Quelle: dpa

Göttingen. Der Zuckerrübenanbau in Deutschland hat fünf Akteure: Auf der einen Seite stehen Landwirte, Saatgutzüchtungsunternehmen und die Zuckerfabriken, auf der anderen das Bundessortenamt, das über die Zulassung neuer Sorten entscheidet, sowie das IfZ, das im Auftrag des Amtes die Sorten testet, eigene Forschung betreibt sowie in Projekten mit Züchtungsunternehmen zusammenarbeitet.

Vor der Zulassung müssen neue Sorten über zwei Jahre angebaut und begutachtet werden. Maximal 72 neue Sorten dürfen die Züchter pro Jahr anmelden, die vom IfZ an etwa 20 verschiedenen Standorten in Deutschland angebaut werden. Pro Standort wächst jede Sorte auf vier verschiedenen Parzellen. Nach der Ernte werden die Rüben nach Göttingen gebracht, analysiert und anhand von etwa 20 Kriterien bewertet. „Pro Jahr übermitteln wir dem Bundessortenamt 150000 bis 200000 Datensätze“, sagt Prof. Bernward Märländer, Leiter des IfZ. Nur, wenn eine Sorte deutlich verbesserte Leistungswerte hat, wird sie zugelassen – 2016 waren es drei.

Darüber hinaus führt das IfZ jedes Jahr einen Sortenleistungsvergleich durch, in dem alle am Markt verfügbaren Sorten getestet werden, 2016 waren es 26. „Dabei sind wir strikt neutral“, betont Märländer. Alle drei Jahre sitzt man zudem mit den Zuckerrüben-Akteuren an einem runden Tisch und bespricht die Weiterentwicklung der Testbedingungen.

Neutralität und Praxisnähe bescheinigt auch Heiner Braband dem IfZ. Der Landwirt aus Niedernjesa war lange Zeit im Zuckerrüben-Anbauerverband aktiv. „Wir schauen uns die Zahlen des Sortenleistungsvergleichs genau an, um danach unser Sorten auszusuchen. Wichtig ist für uns auch, dass die Daten regional ausgewertet sind.“

„Das IfZ befasst sich vorausschauend mit Themen, die für uns erst in einigen Jahren wichtig werden. Sie hinken den Problemen nicht hinterher“, so Braband. Krankheiten, die durch den Klimawandel auftreten können, sind ein Beispiel. Oder auch Auswirkungen von Lager- und Rodungsbedingungen auf den Zuckergehalt.

Alexander Coenen, für KWS seit 17 Jahren im Vertrieb von Zuckerrüben-Saatgut in Österreich und Deutschland tätig, spricht beim IfZ von einem europaweit einmaligen System, „das wir seitens der Züchter sehr schätzen. Es gibt kein besseres System: neutral, wissenschaftlich hervorragend abgesichert und man kann sich auf die Zahlen wirklich verlassen.“

Das IfZ, das nach dem Krieg von Halle nach Göttingen übersiedelte, ist eigenständig, aber der Universität Göttingen als wissenschaftliches Institut angeschlossen. Getragen wird es hingegen vom Verein der Zuckerindustrie, hinter dem die deutschen Zuckerfabriken stehen. Diese stellen etwa die Hälfte des Etats zur Verfügung, die andere Hälfte stammt aus Drittmittelprojekten. Rund 50 Mitarbeiter sind am IfZ beschäftigt.

Langer Atem und der richtige Riecher

Im Markt für Zuckerrüben ist „wahnsinnig viel Bewegung“, so Prof. Bernward Märländer, Leiter des Instituts für Zuckerrübenforschung in Göttingen. „Das ganze Sortiment hat einen jährlichen Leistungszuwachs von einem Prozent. Es gibt kaum Sorten, die älter als fünf Jahre sind.“ Das andere Extrem sei etwa die Kartoffel, bei der es eine hohe Sortenkontinuität gebe.

Innerhalb der letzten 40 Jahre habe sich der Zuckerertrag verdoppelt, so Märländer. Der Zuckergehalt in der Rübe liegt allerdings schon lange konstant bei 16 bis 20 Prozent; wäre er höher, würde die Rübe nicht mehr wachsen, da Zucker in zu hoher Konzentration ein Zellgift ist. Auch in den Zuckerfabriken lässt sich der Ertrag verfahrenstechnisch nicht mehr steigern. „Aber was auf dem Feld passiert, wird immer besser“, sagt Märländer. Die Rüben werden größer.

Bis eine neue Sorte es tatsächlich schafft, zugelassen zu werden, dauere es zehn bis 15 Jahre. Ausdauer, aber vor allem auch der richtige Riecher, auf welche Merkmale es in der Zukunft ankommt, sind für den späteren Markterfolg wichtig – Stichwort Krankheiten. „Die Schaffung einer neuen Sorte wird in der Größenordnung von zwei bis drei Millionen Euro liegen“, sagt Märländer. „Das ist eine Hausnummer.“ Von den gegenwärtig 26 am Markt erhältlichen Sorten machten etwa zehn ein Marktvolumen von 80 Prozent aus.

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