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Göttingen Streit ums Ende der Amtszeit von Beisiegel
Campus Göttingen Streit ums Ende der Amtszeit von Beisiegel
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19:59 22.10.2018
Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Quelle: r
Göttingen

Die Ankündigung der Göttinger Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel, im Jahr 2020 vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln, geht den Mitgliedern des Senats der Georgia Augusta nicht weit genug. Will das Hochschulparlament Beisiegels Amtszeit verkürzen, muss es die Abwahl der Präsidentin durchsetzen. Ein Streit um einige Monate Amtszeit.

Nach Angaben des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ist es Sache der Präsidentin, zu entscheiden, ob und wann ihre Amtszeit vorzeitig endet. MWK-Sprecherin Margit Kautenburger erklärte den Sachverhalt und wies darauf hin, dass anderenfalls der Senat eine Abwahl durchführen müsse.

Anerkennung von Wissenschaftsminister Thümler

Unterdessen hat Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) die Verdienste von Beisiegel gewürdigt. „Prof. Ulrike Beisiegel hat in den vergangenen Jahren großartige Arbeit geleistet. Ihr Engagement für die Zukunft der Universität Göttingen und damit auch für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Niedersachsen ist herausragend. Ihre Entscheidung, vorzeitig in den Ruhestand einzutreten, verdient großen Respekt. Sie stellt sich damit erneut in den Dienst der Universität, der sie es mit diesem frühzeitigen Entschluss ermöglicht, in einem regulären Verfahren eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden.“

Die Mitglieder des 13-köpfigen Senats hatten sich einstimmig auf eine Erklärung geeinigt, die sie am Mittwoch in der nichtöffentlichen Sitzung des universitären Parlaments unter Vorsitz der Präsidentin bekannt gaben. Beisiegel hat zu dem Satz „Der Senat wünscht eine Neubesetzung des Leitungsamtes zum 1. Oktober 2019“ eine andere Position. Diese teilte sie in der Sitzung mit und erklärte auch am Freitag im Tageblatt-Interview, dass sie Anfang 2020 das Präsidentenamt aufgeben werde. Am Sonnabend wurde die Erklärung des Senats mit weiteren Vorgaben für das Präsidium dem Tageblatt bekannt. Darin wird auch gefordert, dass die Stellungnahme über die Pressestelle der Universität zu verbreiten sei.

Grundsätzlich keine Veröffentlichung aus nichtöffentlicher Sitzungen

Dazu hat die Universitätspräsidentin sich am Montag nach Tageblatt-Anfrage folgendermaßen geäußert: „Zur Nachfrage, warum die Pressestelle der Universität die Erklärung des Senats nicht veröffentlicht hat: Dokumente aus nichtöffentlichen Gremiensitzungen veröffentlicht das Präsidium – und damit auch die Pressestelle der Universität – grundsätzlich nicht. Dies gilt im Übrigen auch für die von der Präsidentin in der gleichen nichtöffentlichen Sitzung abgegebenen Stellungnahme.“

Die Forderung nach einem früheren Dienstende von Präsidiumsmitgliedern kann der Senat verlautbaren. Durchsetzen kann er sie nur durch Abwahl. „Der Stiftungsrat ist Dienstvorgesetzter der hauptberuflichen Mitglieder des Präsidiums sowie der nebenberuflichen Mitglieder des Präsidiums, soweit deren Tätigkeit als Mitglied des Präsidiums betroffen ist“, heißt es im Niedersächsischen Hochschulgesetz.

Zeitplan durch Ausschreibung vorgegeben

Vorsitzender von Stiftungsrat und Stiftungsausschuss der Universität ist Dr. Wilhelm Krull. Gegenüber dem Tageblatt erklärte er am Montag, für ihn sei es „schwer verständlich, was die Senatoren da gerade vom Zaun gebrochen haben.“ Würde Beisiegel „jetzt panikartig ihr Amt niederlegen“, so Krull, sei der Schaden für die Georgia Augusta groß.

Dr. Wilhelm Krull ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität Göttingen und des Stiftungsausschusses der Universität Göttingen Quelle: VW-Stiftung

Der Zeitplan von Stellenausschreibung, Findungskommission und Besetzung gebe schon vor, dass eine Neubesetzung frühestens Anfang 2020 möglich sei, betonte Krull. Komme eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger von außen, sei damit zu rechnen, dass die neue Stelle nicht umgehend angetreten werden könne aufgrund von Verpflichtungen am bisherigen Arbeitsplatz.

Exzellenzstrategie: Ergebnis analysieren

Krull verwies auf die Entscheidung zur Exzellenzstrategie. „Für die Situation kann die Präsidentin nur wenig“, betonte der Stiftungsratsvorsitzende. Das Ergebnis sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer nachvollziehbar. Das zu analysieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen, sei richtig. Es gebe aber andererseits keinen Grund, jetzt die international hoch angesehene Universität durch Personaldebatten zu beschädigen. Wichtiger sei es, alles zu tun, um einen positiven Zug in die Zukunft zu starten. „Es ist viel besser, jetzt gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln“, meinte Krull.

Für das Präsidium erklärte Beisiegel: „In Bezug auf die Erklärung des Senats haben wir Vertreterinnen und Vertreter des Senats und des Dekanekonzils noch in dieser Woche zu einem Gespräch eingeladen. Wir halten es jetzt für wichtig, die unterschiedlichen Positionen intern zu klären.“ Am Montag war bereits eines dieser Gespräche, das nächste soll am Mittwoch folgen.

Von Angela Brünjes

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