Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Berliner gewinnen Rhetorik-Wettbewerb

Nordostdeutsche Debattiermeisterschaft Berliner gewinnen Rhetorik-Wettbewerb

Hier ist der Streit programmiert: Im Finale der Nordostdeutschen Debattiermeisterschaft haben sich in der Paulinerkirche die Debattierteams aus Hamburg und Berlin gegenüber gestanden. Wortgewandt und pointiert gewannen die Berliner den Rhetorik-Wettbewerb mit knappem Vorsprung.

Voriger Artikel
Flechten aus dem Bernsteinwald
Nächster Artikel
Abschiedsvorlesung von Friedrich A. Schöndube

Lara Tarbuk (Berlin)

Quelle: Heller

Göttingen. Gina Konietzky merkt man nicht an, dass sie gerade ins kalte Wasser geworfen wird. Nur wenige Minuten hat sie sich vorbereitet und hält fast aus dem Stand ein flammendes Plädoyer für ihre Fraktion, die „Regierung“. Konietzky spricht für ihr Team aus Hamburg zum Thema „Gesellschaftliche Pflichten oder individuelle Selbstverwirklichung?“. Ihre Position wurde ihr zugelost, und trotzdem fallen ihr spontan Sätze wie dieser ein: „Wir sehen nicht nur, dass der Individualismus schade ist, sondern auch, dass er schadet.“

Bester Finalredner: Nicolas Garz

Zur Bildergalerie

Nach der ersten Rednerin folgt die „Opposition“ bestehend aus drei Mitgliedern des Debattierclubs aus Berlin. Tobias Münch hält die Gegenrede, greift Argumente von Konietzky auf und versucht, sie zu widerlegen. Im Wechsel kommen Regierung und Opposition am Rednerpult zu Wort. Zwischenfragen sind erlaubt und werden von den Rednern teils abgewunken, teils souverän eingebunden und zur Profilierung der eigenen Position genutzt. Besonders gelungen ist das Nicolas Garz aus Hamburg, so urteilt am Ende der Redezeit die Ehrenjury, in der die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Journalist Harald Martenstein sitzen.
Nach dem Schlagabtausch der beiden großen Fraktionen von Regierung und Opposition kommen drei freie Redner zu Wort. Sie positionieren sich auf einer der beiden Seiten und liefern zusätzliche Argumente. Janni Hinselmann (Göttingen) und Christof Kebschull schlagen sich auf die Seite der Opposition. Regah Mahan unterstützt hingegen die Regierung.
Hinselmann brilliert in seiner Rede mit Wortwitz: „Schöpfung dauert in den wenigsten Fällen sechs Tage“, sagt der Göttinger Student und leitet über zu einer langfristigen Perspektive auf das gestellte Problem. Und er kritisiert: „Das 21. Jahrhundert hat eine Kultur des Sofortismus. Wir wollen alles auf Knopfdruck.“
Kebschull sticht hervor, weil er das Gespräch auf eine persönliche Ebene bringt und damit überzeugt. Er stellt seinen Vater, der Handwerker ist, einem Arzt gegenüber. „Man muss die moralischen Metriken an die Lebenssituation der Menschen anpassen“, fordert er. Dabei ist es unerheblich, ob Kebschulls Vater wirklich Geringverdiener ist. In dem Debattenwettstreit ist die persönliche Meinung nicht wichtig, immerhin wird das Thema zugelost. Auch ein tischlernder Vater ist deshalb womöglich ein Kunstgriff von Kebschull. Was zählt, ist, dass er den beispielhaften Arzt seiner Vorredner aufgreift und sein Argument in der Gegenüberstellung mit dem Handwerks-Papa zuspitzt.
Die Opposition fährt am Ende einen knappen Sieg ein. 1,2 Punkte Vorsprung hat das Debattierteam aus Berlin gegenüber seinen Hamburger Kollegen, so urteilt die Studierendenjury. Im Sonnenschein vor der Paulinerkirche gibt es dann noch gläserne Trophäen, mit der ein Gewinner dann schnell Richtung Bahnhof eilt.

Von Jorid Engler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Amnesty-Protest auf dem Campus