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Den Lernmarathon bewältigen

Fachleute geben Tipps für die Prüfungsphase Den Lernmarathon bewältigen

An der Universität Göttingen naht das Ende der Vorlesungszeit - und damit der Auftakt der Prüfungsphase in den meisten Fächern. Für viele Studierende markiert das auch den Beginn eines Lernmarathons. Für diesen haben Fachleute einige Tipps.

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Quelle: Archiv

Göttingen. 1) Prüfungsvorbereitung in Phasen

Vier bis sechs Wochen vor den Prüfungen sollten Studenten eine Basis geschaffen haben und ihre Vorlesungsunterlagen sowie relevante Literatur kennen, sagt Kerstin Harg von der Psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks. In der eigentlich Lernphase können dann Inhalte zusammengefasst und strukturiert aufgearbeitet werden. Zwei bis drei Tage vor der Prüfung sollte die Wiederholung des Gelernten im Vordergrund stehen: "Kein neuer Stoff", rät die Psychologin dann. Danach biete sich eine Erholungsphase an - einschließlich einer Belohnung für das Geleistete.

 

2) Den Tag richtig strukturieren

"Mehr als sechs bis sieben Stunden täglich zu lernen bringt meist nicht viel", sagt Harg. Um die Aufmerksamkeitsspanne auszureizen, böten sich

90- bis 120-minütige Einheiten mit anschließender kurzer Pause an. Nach zwei solchen Einheiten sollten Studierende eine längere Pause machen.

Dem durchschnittlichen Lerner legt sie nahe, jeweils vormittags zwischen

9 und 12 Uhr sowie nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr zu büffeln. Wann die Konzentration am größten ist, könne aber von Student zu Student variieren, weshalb es wichtig sei, einen eigenen Rythmus zu entwickeln.

Außerdem sagt Harg: "Auch wenn das eigentlich Lernen vorbei ist, memoriert das Gehirn weiterhin."

 

3) Lerntechniken

Je nach individueller Präferenz empfiehlt Harg, Wissen beispielsweise mit Mindmaps zu strukturieren, mit Karteikarten zu lernen oder sich mit Kommilitonen gegenseitig abzufragen. Und auch wenn manche glauben würden, sich beispielsweise Inhalte besonders gut visuell merken zu können, seien die meisten Studierenden beim Lernen Mischtypen. Auch deshalb schlägt Harg vor, auf abwechslungsreiche Lerntechniken zu setzen.

 

4) Auf den Körper achten

Nicht selten begegnen Harg in Lernphasen Studierende mit Kopfschmerzen - wofür Harg zufolge oft Flüssigkeitsmangel verantwortlich ist. Auch regelmäßige Mahlzeiten seien wichtig, wobei Studierende eine Verdauungspause einplanen sollten: "Ein voller Bauch lernt nicht gerne."

Genauso wichtig ist allerdings ein Ausgleich zum Lernen: Bewegung, inbesondere Sport, tue dabei gut, sagt Harg. Sie rät außerdem dringend zu ausreichend Schlaf.

 

5) Aufschieben und Ablenken

Beim Lernen stehen sich Studierende oft selbst im Weg, indem sie sich zu hohe Ziele setzen. Harg empfiehlt deshalb sich erreichbare Teilziele zu setzen, denn "viele kleine Schritte führen auch zum Ziel". Gleichzeitig gelte es, Ablenkungsmanöver zu vermeiden. Ein Trick dazu: Die fünf beliebtesten Ablenkungen aufschreiben und den Zettel sichtbar platzieren. Diese "no goes" seien dann erst nach getaner Arbeit erlaubt.

Von Christoph Höland

 

Umgang mit Prüfungsangst Bauchschmerzen, Schlafmangel, Konzentrationsprobleme:

Sowohl die PSB als auch die Psychotherapeutische Ambulanz (PAS) an der Universitätsmedizin verzeichnen in Klausurenphase eine höhere Zahl an Klienten, die über Prüfungsangst klagen. "Ist was dran an den Zweifeln oder ist die Angst neurotisch" sei dann die erste Frage, die es zu klären gelte, erklärt Günter Reich, Leiter der PAS. Bei Ersterem rät er zu adequater Klausurvorbereitung, bei Letzterem empfehlen sich Entspannungsübungen wie Atemtechniken. Sofern ausreichend Zeit ist, böten sich außerdem Methoden wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga an. "Das kann man alles trainieren", sagt Reich. Die PAS, die PSB und der Hochschulsport bieten dazu Kurse an - die allerdings schon deutlich vor der Klausurenphase beginnen.

Nicht zu Hause lernen

In der Bibliothek statt zuhausen lernen Die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) verzeichne steigende Nutzerzahlen, berichtet Silke Glitsch von der SUB. Für sie ist der Trend klar: "Studentischen Lernräumen – etwa in der Zentralbibliothek, in den Bereichsbibliotheken oder im Lern- und Studiengebäude kommt eine außerordentlich hohe Bedeutung zu". Die SUB habe darauf mit einer deutlichen Erhöhung der Einzel- und Gruppen-Arbeitsplätze reagiert. Außerdem haben die Bereichsbibliotheken Kulturwissenschaften und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in der Klausurenphase zusätzlich sonntags geöffnet.

Elektronische Prüfungen:

Als Prüfungsform werden elektronische Prüfungen immer wichtiger: Deren Anzahl habe seit der Einführung 2013 stetig zugenommen, mittlerweile gebe es mehr als 200 pro Jahr, berichtet Gabriele Bartolomaeus von der Universtität Göttingen. Ihr zufolge berät die Universtität Prüfende, wie sie die verschiedenen Frageformate optimal einsetzen können. Denn neben Multiple-Choice und Freitext-Aufgaben sei so auch die Nutzung von Multimedia oder Statistik-Anwendungen in Prüfungen möglich, erklärt Bartolomaeus. Nach ihren Angaben kommt das Konzept gut an, weil so direkt erlernte Kompetenzen wie Hörverstehen oder die Anwendung bestimmter Software abgeprüft werden. Außerdem profitierten sowohl Studierende als auch Dozenten von der deutlich schnelleren Auswertung - und bei Freitext-Aufgaben würden Probleme beim Entziffern mancher Handschriften wegfallen.

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