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Göttingen Cannabis-Konsum im Jugendalter erhöht Risiko für Psychosen
Campus Göttingen Cannabis-Konsum im Jugendalter erhöht Risiko für Psychosen
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14:47 31.10.2018
Wie wirkt Cannabis auf das Gehirn und auf die Psyche? Quelle: dpa
Göttingen

Mit dem Thema hatten die Veranstalter vom Göttinger Exzellenzcluster für Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns (CNMPB) offenbar ins Schwarze getroffen: So schnell wie diesmal war noch keine Veranstaltung der DenkBAR-Reihe ausgebucht gewesen.

Die beiden Referenten – Professor Ursula Havemann-Reinecke von der Universitätsmedizin Göttingen und Professor Ulrich Preuss von der Universität Halle-Wittenberg und Leiter der Vitos-Klinik Herborn – wissen aus langjähriger Forschung und Behandlung von Suchtpatienten, was der Konsum von Drogen mit unserem Gehirn anrichtet. Havemann-Reinecke leitete viele Jahre den Bereich Suchtmedizin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen. Aktuell betreut sie die Substitutionsambulanz der Universitätsmedizin zur Behandlung Opiatabhängiger, die häufig auch an einer Cannabisabhängigkeit leiden.

Psychosozialer Stress

Bei der Entwicklung einer Cannabissucht spiele häufig psychosozialer Stress eine Rolle, berichtete Havemann-Reinecke. Cannabisabhängigkeit sei eine Cluster-Erkrankung. Studien hätten gezeigt, dass viele Menschen, die im Erwachsenenalter cannabisabhängig wurden, an Kindheitstraumata litten. Der Konsum von Cannabis habe die Funktion, die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu vermeiden.

Prof. Dr. Ursula Havemann-Reinecke erläutert, wie Cannabis auf Gehirn und Psyche wirkt. Quelle: Heidi Niemann

Das Problem dabei: Cannabis entfaltet seine Wirkung im Gehirn nicht nur bei der Stressverarbeitung, sondern auch bei der Suchtentwicklung. Vor allem bei jungen Menschen kann Cannabis-Konsum gravierende Auswirkungen haben, weil im jugendlichen Alter das Gehirn umgebaut wird. Dabei spielt das so genannte Endocannabinoid-System eine große Rolle. Endocannabiniode sind körpereigene Substanzen, die an denselben Rezeptoren im Gehirn andocken wie pflanzliche Cannabiniode. Studien hätten gezeigt, dass der frühere Einstieg in den Cannabis-Konsum nicht nur zu schlechteren kognitiven Leistungen führe, sondern auch die Anfälligkeit für psychiatrische Erkrankungen erhöhe, erläuterte Havemann-Reinecke. Junges Alter und psychosozialer Stress seien daher Risikofaktoren dafür, dass Cannabis-Konsum zu einer Suchterkrankung und einer Psychose führen könne. Bei der Therapie einer Cannabisabhängigkeit müsse gleichzeitig auch immer die psychiatrische Erkrankung mitbehandelt werden.

1,7 Millionen Alkoholabhängige

Bei der Alkoholabhängigkeit kommen auch genetische Faktoren ins Spiel, wie Professor Ulrich Preuss berichtete. Seinen Angaben zufolge gibt es 1,7 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland. 2,7 Millionen Menschen konsumierten Alkohol in schädlichem Maße, geschätzt 10,4 Millionen Menschen praktizierten einen „riskanten Konsum“. Familienstudien hätten gezeigt, dass bei der Alkoholabhängigkeit offenbar bestimmte Gene eine Rolle spielen. Damit können im Rahmen einer umfassenden Therapie zusätzlich auch pharmakogenetische Medikamente zum Einsatz kommen. So sei Naltrexon häufig besonders gut wirksam, wenn es in der Familie bereits andere Alkoholabhängige gegeben habe. Ebenso wie Cannabis wirke sich auch Alkohol auf das Gehirn aus, erläuterte Preuss. Alkoholabhängigkeit habe Einfluss auf die epigenetischen Muster: „Die Protein-Ausstattung ist deutlich verändert.“

Von Heidi Niemann

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