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Der Hellenismus im Recht

Rechtsgeschichte Der Hellenismus im Recht

Einen präzisen Einblick in das kulturelle Erbe der heutigen Gerichte hat Nadine Grotkamp an der Universität Göttingen gegeben. Die Rechtshistorikerin von der Universität Jena sprach über hellenistische Grundzüge in der Rechtsprechung.

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„Was kann einen an hellenistischer Rechtsprechung interessieren? Warum übernimmt der Staat die Rechtsprechung?“ Eigentlich seien das einfache Fragen, meinte Privatdozentin Grotkamp im Auditorium der Universität Göttingen. Den rund 50 Zuhörern ihres Vortrages „Warum Recht sprechen? Hellenistische Perspektiven“, organisiert von der Göttinger Vereinigung zur Pflege der Rechtsgeschichte, erklärte sie weiter, zunächst lapidar: „Irgendwer muss es ja tun“. In den folgenden 45 Minuten gab sie einen präziseren Einblick in das kulturelle Erbe unserer heutigen Gerichte.

Der Staat müsse sein Recht durchsetzen, weil er das Gewaltmonopol inne habe. Gleichzeitig solle jeder Bürger auf friedlichem Wege zu seinem Recht kommen.

Doch ein genauerer Blick auf private Institutionen wie die Deutsche Bahn mit ihren Ombudsmännern oder die Schiedsgerichte internationaler Bündnisse wie die des Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) weisen darauf hin, dass auch in nicht-staatlichen Bereichen Recht gesprochen wird.

Durch einen Blick auf die Antike könne man, so Grotkamp, den Gründen für die Bereiterklärung zur Rechtsprechung auf die Spur kommen. Schiedsrichter werde man nicht aufgrund der Bezahlung, oder weil man der Pflicht zur Erfüllung des Gesellschaftsvertrages nachkommen will.

Grotkamp schilderte aus drei unterschiedlichen Perspektiven heraus, dass Rechtsprechung den Gerichten vor allem Prestige und Macht verleihe und somit ihre eigene Verhandlungsposition im nationalen oder internationalen Gefüge stärke.

Dazu gab sie Einblicke in die Klassiker der Staatstheorie und beschrieb die Lehre des Aristoteles, der die Rechtsprechung als Funktion der Verfassung, nicht aber als staatliche Pflicht ansah. Am Beispiel von Erzählungen Plutarchs über Demetrios Poliorketes von Makedonien zeigte Grotkamp aus der literarischen Perspektive, dass für Machthaber eine enge Verbindung zwischen dem Herrschen an sich und dem Anhören der Nöte der Regierten bestanden habe. Jene zeigten sich zutiefst beleidigt, als Demetrios ihre Bittstellungen in einen Fluss warf.

Eine dritte Perspektive boten Korrespondenzen zwischen Herrschern und Strategen. Aus den drei Blickwinkeln wurde an diesem Abend deutlich, dass Rechtsprechung damals wie heute kein freiwilliges Zugeständnis seitens der Regierenden ist, sondern dass auch die breite Masse eine Erwartungshaltung hat, die an die Bereitschaft zur Rechtsprechung der Herrscher appelliert.

Von Katharina Kilburger

Die Vortragsreihe der Göttinger Vereinigung zur Pflege der Rechtsgeschichte wird am Montag, 11. Januar, fortgesetzt. Um 20.15 Uhr beginnt der Vortrag „Der Vorrang der Verfassung als juristische Revolution“ von Prof. Ulrike Müßig, Passau, im Auditorium, Weender Landstraße 1.

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