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Der Sturm auf die Bastille 1789

Ferien nach dem Feiertag Der Sturm auf die Bastille 1789

Als „welthistorischer Umbruch“ wird der Sturm auf die Bastille von Anhängern und Gegnern der Französischen Revolution betrachtet. Dabei war der 14. Juli 1789 kein „glorreiches Ereignis“, meint die Kölner Historikerin Prof. Gudrun Gersmann (54). Der Befehlshaber des französischen Staatsgefängnisses kapitulierte und ließ die wütenden Bürger selbst herein.

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Feuerwerk über Paris im Juli 2014: Der Nationalfeiertag  Frankreichs geht zurück auf den Sturm auf die Bastille.

Quelle: dpa

Göttingen. Es kam zu keiner spektakulären Gefangenenbefreiung, weil nur noch sieben Häftlinge in der „Zwingburg des Despotismus“ einsaßen. Und das einzige Folterinstrument, welches die Aufständischen in den Kellern entdeckten, entpuppte sich als Druckerpresse, spottet die Wissenschaftlerin.

Trotzdem blieb der Tag als Auftakt der Französischen Revolution in Erinnerung, führt Gersmann aus. Die dritte Republik erhob den 14. Juli im Jahr 1880 zum Nationalfeiertag. Er wird heute mit Militärparaden begangen. Der Präsident hält eine Fernsehansprache. Abends gibt es Musikveranstaltungen. Am kommenden Tag beginnen die Sommerferien. Doch trotz dieses eingespielten Ablaufs haben nicht alle Franzosen ihren Frieden mit dem 14. Juli gemacht, stellt die Wissenschaftlerin klar.

„Die Wunden, die die Revolution geschlagen hat, bluten noch immer“, betont sie. So gedenkt der Hochadel alljährlich während einer Abendmesse in einer Pariser Kapelle des Cimetière de Picpus nahe des Place de la Nation der Revolutionsopfer. Dort sind in Massengräbern 1300 Guillotine-Opfer beigesetzt, zum großen Teil Adlige. Eine Trauerprozession zieht im Anschluss mit Fackeln auf den mit Kerzen beleuchteten Friedhof, der nur einmal im Jahr geöffnet wird.

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“

Des 14. Juli 1789 wurde bereits am ersten Jahrestag mit dem sogenannten Föderationsfest gedacht, führt Gersmann aus. König Ludwig XVI. musste während der Feier einen Eid auf die Nation ablegen. Napoleon und die Bourbonen versuchten dann jede Erinnerung an den Tag zu tilgen. Napoleon ließ die Menschen stattdessen seinen Geburtstag, den 15. August, feiern.

Erst die dritte Republik, die für sich das Erbe der Revolution in Anspruch nahm, machte mit Bezug auf das Förderationsfest von 1790 den 14. Juli gegen erhebliche Widerstände zum Nationalfeiertag. Damals wurde auch das Revolutionslied Marseillaise zur Nationalhymne. Seither muss auf der Vorderseite aller öffentlichen Gebäude der Revolutionsslogan „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ stehen.

Doch gibt es bis heute kein offizielles republikanisches Denkmal in Paris, erklärt Gersmann. Stattdessen hat der aus dem Exil zurückgekehrte Adel im 19. Jahrhundert viele Gedenkorte für die Opfer der Revolution geschaffen. Wie uneins sich die Franzosen sind, zeigt Gersmann am Beispiel der Jubiläumsfeiern.

1889 führte Frankreich statt einer Revolutionsfeier lieber eine Weltausstellung durch, bei der das Land seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit demonstrierte. 1989 entschied sich die damalige sozialistische Regierung nach jahrelangem Streit für ein multimediales Spektakel ohne politische Botschaft.

Gersmann sprach im Rahmen der Vorlesungsreihe „Umbrüche – Auslöser für Evolution und Fortschritt“ in der vollbesetzten Aula der Universität. Den nächsten Vortrag hält Prof. Renate Ohr am Dienstag, 6. Januar, über „EU-Osterweiterung und Euro – Umbrüche im europäischen Integrationsprozess der Nachkriegszeit“ um 18.15 Uhr in der Aula, Wilhelmsplatz 1.

Von Michael Caspar

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