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Die Rolle des Juristen Gustav Hugo

Göttinger Studentenrevolte von 1809 Die Rolle des Juristen Gustav Hugo

Studentenrevolten waren in Göttingen keine Besonderheit. Juraprofessorin Inge Kroppenberg hat den Aufstand der Studierendenschaft im Jahr 1809 und die Rolle des Göttinger Juristen Gustav Hugo untersucht.

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Jurist Gustav von Hugo (1764 bis 1844)

Quelle: EF

Göttingen. Unter dem Titel „,Als große Unruhen wegen der Gend'armen Statt fanden...‘ Gustav Hugo in der Gendarmen-Affäre 1809/10“ stellte Kroppenberg den rund 50 Gästen im Auditorium Gustav Hugo nicht nur als Juristen und Philosophen, sondern auch als politischen Akteur und Repräsentanten der Universität vor.

Hugo (1764 bis 1844) sei zu seinem ersten Prorektorats-Semester 1809/10 zu einer für die Universität wie für das Königreich Westphalen schwierigen Zeit angetreten. Es habe eine „moralische Eroberung“ des Königreichs durch Frankreich stattgefunden, das nunmehr geltende Recht des Code Napoleon und die damit um sich greifenden Reformen in Justiz- und Schulwesen stürzten den Staat und die Universität in eine finanzielle Krise. Gleichermaßen, so Kroppenberg, sanken die Studierendenzahlen durch harsches Vorgehen gegen Landsmannschaften beträchtlich. Unmut machte sich unter den Studierenden breit, als auf Veranlassung von Hugos Vorgänger Justus C. Leist studentische Verbindungen und das Tragen von „Couleur, Schnurrbärten und Waffen“ verboten wurden.

Dazu kam, dass nur noch zwei Gendarmen der Präfekturgarde für die öffentliche Sicherheit zuständig waren. Zu wenige, um den Protest von etwa 100 Studenten mit Schnurrbärten, Schlafmützen und Tabakpfeifen in der Göttinger Innenstadt zu unterbinden. Der „institutionelle Totalumbau des Gemeinwesens“ habe auch das Schuld- und Vollstreckungsrecht zu Ungunsten der Studierenden geändert, sodass sich ein französischer Aufständischer alsbald im Karzer wiedergefunden habe. Dies habe die Revolten allerdings bloß noch verstärkt, so Kroppenberg.

Hugo habe sich in diesem Konflikt durch die Loslösung vom spätabsolutistischen Regierungsstil Leists und der Hinwendung zu einem dezidiert zivilistischen Standpunkt hervorgetan. „Er ging auf die Studenten zu“, habe Änderungen ohne große Absprachen mit der damaligen Landeshauptstadt Kassel erwirkt und sich somit um eine administrativ gesteigerte Autorität der Universität verdient gemacht.

Für die Universität, so schlussfolgert Kroppenberg anhand von Aussagen von Präfekten und aus Schriften Hugos, sei er als Prorektor so wertvoll gewesen, weil er als Jurist und auch in der Lehre sämtliche Gesetze zunächst einer Konsistenzprüfung in Praxis, Philosophie und Geschichte unterzogen habe. Er habe geltendes Recht akzeptiert, aber immer eine Optimierung angestrebt. So konnte er schließlich auch dem studentenfeindlichen „Schnurrbart-Edikt“ Leists entgegensetzen, dass ein Verbot von Verkleidungen und Clubs allein schon wegen der historischen Tradition in der Universitätsstadt nicht zulässig sein sollte. 

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