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Die Sonne im Blick

Steinzeit-Astronomie Die Sonne im Blick

Die Astronomie gilt als die älteste Wissenschaft der Welt. Vor vielen tausend Jahren begannen Menschen in der Steinzeit, Monumente aus großen Megalith-Blöcken zu errichten. Ob als erste Sternwarten, Kalendersysteme, Kult- oder Grabstätten, über die Motivation, die riesigen Steine aufzutürmen und auszurichten wird ebenso viel gerätselt wie geforscht. Einen Einblick in aktuelle Erkenntnisse gab Dr. Andreas Hänel in der Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ des Göttinger Planetarium-Förderkreises, die im nächsten Wintersemester fortgesetzt wird.

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Englands bekanntes Steinzeit-Monument Stonehenge im Rücken: Dr. Andreas Hänel vor seinem Vortrag im Hörsaalgebäude.

Quelle: Vetter

Hänel, Leiter des Planetariums im Museum am Schölerberg in Osnabrück, attestierte der Archäologie eine ähnlich starke Faszination wie der Astronomie, nämlich „aus gegebenen Befunden erklärende Modelle zu entwickeln.“ Vergleichende Untersuchungen an verschiedensten Fundorten der Erde, wie beispielsweise der Hünengräberstraße auf dem Hümmling im Emsland (Nordwestdeutschland), der französischen Bretagne, Newgrange in Irland oder Stonehenge in England, ergaben eine weitestgehend einheitliche Ausrichtung der Anlagen entlang einer Ost-West-Linie.

Als Ursache für diese Orientierung sei das Ereignis der Wintersonnenwende, bei der der lebensspendende Himmelskörper die geringste Mittagshöhe über dem Horizont erreicht und die Tage wieder länger werden, also unser heutiges Weihnachtsfest, eine mögliche Interpretation, so Hänel. Im Zentrum dieser nach der neolithischen Revolution um 3500 vor Christus einsetzenden Beobachtungen stand vor allem die Sonne und ihre relativ leicht feststellbaren Auf- und Untergangspunkte. Die Sterne dürften für die Konzeption der Monumente eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben, klärte Hänel auf, da eine Auswertung ihrer Bewegung, wie sie heute möglich ist, damals technisch schlicht nicht nachzuvollziehen war.

„Als mögliche Erklärungen für die Funktion von Megalithkulturen kommen aber auch andere Überlegungen in Frage“, informierte Hänel. So könnte die Ausrichtung der Gräber auch abhängig sein von damals benutzten Wegen und Straßen, territorialen Merkmalen oder von Sichtbarkeitslinien zwischen verschiedenen anderen Gräbern. Die Wahrscheinlichkeit solcher Interpretationen sei derzeit noch Gegenstand des wissenschaftlichen Diskurses.

Neben den Erkenntnissen stellte Hänel auch „Irrungen und Wirrungen“ unter den erklärenden Theorien vor. So sei es genauso „an den Haaren herbeigezogen“, dass die Hinkelsteine und Findlinge nur von Riesen hätten bewegt werden können, wie die Annahme, dass ein einzelner Fundort Aufschluss über seine Bestimmung geben könne, was immer wieder engagierte „Hobbywissenschaftler“ zu Spekulationen verleite. „Man muss immer mehrere Gräber und Samples betrachten, um etwas beweisen zu können“, gab der Astronom und Physiker zu bedenken.

  Magalithkultur
  Für interessierte archäoastronomische Entdecker hat die Arbeitsgemeinschaft „Straße der Megalithkultur“ im Internet einen touristischen Routenplan mit nordwestdeutschen Steinzeit-Monumenten entwickelt: www.strassedermegalithkultur.de

Von Anna Kleimann

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