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Die forschenden Schwestern

Universitätsmedizin Göttingen Die forschenden Schwestern

An der Universitätsmedizin Göttingen gibt es ein ungewöhnli­ches Forscher­team: Schwestern arbeiten an einem Projekt. Die 34-jährige Biotechno­login Yvonne Bouter und die 30-jährige Nuklearmedizi­nerin Caroline Bouter wollen einen neuen Ansatz zur Diagnose und Behandlung von Alzheimer entwickeln.

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Die forschenden Schwestern Caroline (links) und Yvonne Bouter.

Quelle: Heidi Niemann

Göttingen. Dass Forscher im Team arbeiten, ist insbesondere in den Naturwissenschaften und in der Medizin gang und gäbe. An der Universitätsmedizin Göttingen gibt es derzeit ein ungewöhnliches interdisziplinäres Wissenschaftlerteam: Dort arbeiten zwei Schwestern an einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Die 34-jährige Biotechnologin Yvonne Bouter und die 30-jährige Nuklearmedizinerin Caroline Bouter haben sich zusammengetan, um einen neuen Ansatz zur frühzeitigen Diagnose und Behandlung der Alzheimer Krankheit zu entwickeln. Für ihr Projekt haben sie jetzt den mit 50 000 Euro dotierten Inge-und-Fritz-Kleemann-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeit erhalten.

Eher zufällig

Dass die Schwestern an der Göttinger Uni-Medizin forschen, hat sich eher zufällig so ergeben. Beide verbrachten ihre Kindheit und Jugend in Groß-Ilsede bei Peine. Nach dem Abitur schlugen sie dann unterschiedliche Wege ein. Yvonne Bouter studierte Biotechnologie in Braunschweig, Cork (Irland) und an der Yale University (USA). Danach nahm sie an dem Promotionsprogramm Molekulare Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie teil. Dort arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie des Alzheimer-Forschers Professor Thomas Bayer.

Ihre vier Jahre jüngere Schwester Caroline ist schon länger in Göttingen ansässig. Sie studierte Humanmedizin in Gießen und Göttingen, absolvierte den praktischen Teil ihrer Promotion an der Yale School of Medicine (USA) und wurde dann 2012 an der UMG promoviert. Als in der dortigen Nuklearmedizin eine Stelle zu besetzen war, griff sie zu. „Ich wollte gerne mit bildgebenden Verfahren arbeiten, und hier ergaben sich interessante Forschungsmöglichkeiten.“ Dies war auch für ihre Schwester Yvonne der entscheidende Grund, nach Göttingen zu wechseln. Sie hatte sich nach dem Studium an zahlreichen Forschungseinrichtungen beworben. „Göttingen hatte von allen das beste Angebot“, sagt sie.

Gemeinsam forschen, gemeinsam wohnen

Seit mehr als vier Jahren teilen sich die beiden Schwestern eine Wohnung in der Universitätsstadt, seit rund einem Jahr forschen sie auch gemeinsam. „Wir haben unsere ergänzende Expertise zusammengetan“, sagt Caroline Bouter. Die Nuklearmedizinerin hat in ihrer täglichen Arbeit regelmäßig mit Alzheimer-Patienten zu tun. Vor allem aber kennt sie sich mit den bildgebenden Verfahren aus. Bei der Alzheimer-Forschung ist vor allem die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ein wichtiges Diagnose-Instrument. Aus den Abbildungen lassen sich Rückschlüsse auf die Aktivität der Nervenzellen und damit eine mögliche Schädigung des Gehirns ziehen oder bestimmte Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten nachweisen.

Yvonne Bouter forscht dagegen präklinisch. 2015 hat sie einen Promotionspreis für die Entwicklung eines Tiermodells für die Alzheimer Krankheit erhalten. In dem Mausmodell wird ein bestimmtes Eiweiß in jenem Teil des Gehirns produziert, das für Gedächtnis und Lernen zuständig ist. Dies führt dazu, dass Nervenzellen absterben und die Mäuse eine alzheimertypische Orientierungs- und Gedächtnisstörung entwickeln. Jetzt möchten Caroline und Yvonne Bouter einen Biomarker entwickeln, um möglichst früh eine Demenzerkrankung diagnostizieren zu können. Daraus könne sich dann ein neuer Therapieansatz ergeben.

Vielversprechende Versuche an Mäusen

Die Wissenschaftlerinnen setzen auf einen Wirkstoff aus dem so genannten Cannabinoid-System. Bei Alzheimer-Patienten ist dieser Rezeptor bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung hoch reguliert. „Dies können wir als Entzündungsmarker nutzen“, sagt die Molekularbiologin. Die ersten Versuche mit Alzheimer-Mäusen waren jedenfalls vielversprechend: Durch die Cannabinoid-Behandlung verbesserten sich die Lern- und Orientierungsfähigkeit deutlich.

Um ihr aufwendiges Forschungsprojekt in Angriff nehmen zu können, mussten die Wissenschaftlerinnen jede Menge Anträge schreiben. Dank des mit 50 000 Euro dotierten Forschungspreises können sie es nun auch finanziell realisieren. „Die Messungen sind sehr teuer“, sagt Caroline Bouter.

Die Schwestern verbindet aber nicht nur die Arbeit, sondern auch eine private Leidenschaft: Beide sind Fußballfans und begeisterte Anhängerinnen von Borussia Dortmund. „Das ist bei uns Thema Nummer eins“, sagt Yvonne Bouter lachend.

Von Heidi Niemann

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