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Discobesuch verursacht Sturm im Innenohr

Zusammenspiel Gehör-Gehirn Discobesuch verursacht Sturm im Innenohr

"Ich könnte ihm stundenlang zusehen“, sagt Prof. Birger Kollmeier. Auf der Leinwand ist ein kleines Haar aus dem Innenohr zu sehen, das zur Musik aus dem Lautsprecher rockt.

6000 solcher Härchen befinden sich im Innenohr und bewegen sich durch den Schall, erläutert der Physiker und Mediziner von der Universität Oldenburg. Die Aussteuerung des Haares wird in Nervenimpulse umgesetzt, die das Gehirn dann auswertet. So hört der Mensch. Kollmeier war vergangene Woche einer der sieben Referenten des Science Festivals 2011. Das wurde zum siebten Mal vom Göttinger Experimentallabor für junge Leute, Xlab, ausgerichtet und hatte in diesem Jahr zu den Vorträgen im Geowissenschaftlichen Zentrum und in der Aula der Universität insgesamt 1738 Zuhörer.

Kollmeier zeigte seinem Publikum, Schülern aus Göttingen, Wolfhagen, Karlsruhe und Goslar, wie die Innenohr-Härchen nach einem Discobesuch aussehen. Wie vom Sturm umgeknickt liegen sie kreuz und quer darnieder. Dass dann etwas mit dem Gehör nicht stimmt, wissen Discobesucher aus eigener Erfahrung. Alles klingt dumpf. Ein Klingeln ist zu hören. „Tinitus“, erklärt der Arzt. In der Regel gibt sich das nach einiger Zeit. Wer sich jedoch immer wieder lauter Musik aussetzt, bei dem fallen einzelne Härchen aus.

Sie fehlen dann im Alter, wenn das Gehör von ganz alleine nachlässt. 60 Prozent der mehr als 70 Jahre alten Menschen leiden unter Schwerhörigkeit, berichtet der Professor. Die Betroffenen hören nur noch verzerrt, demonstriert er anhand von Hörbeispielen. Die hohen Töne sind weg. Lauter sprechen ist nicht hilfreich, da der Schwerhörige das dann übermäßig laut hört, es aber trotzdem nicht richtig versteht. Wer schlechter sieht, verliert den Kontakt zu den Dingen, wer schlechter hört verliert den Konktat zu Menschen, zitiert Kollmeier den Philosophen Immanuel Kant.

Mit Hörgeräten lässt sich gegensteuern. „Die Wiedergabe ist nicht ganz natürlich, aber bringt eine deutliche Verbesserung“, so der Arzt. Kommen allerdings Störfaktoren wie das Stimmengewirr auf einer Cocktail-Party oder der Nachhall etwa in einem Kirchengebäude hinzu, gelangen die Hörgeräte an ihre Grenzen. Akustiker arbeiten an ihrer Verbesserung, führt Kollmeier aus und erwähnt binaurale Hörgeräte.
Das Ohr ist in gewisser Weise ein sehr unzulängliches Organ, meint der Professor. Das Gehirn gleicht jedoch vieles aus. Das Wissen darum machen sich die Entwickler von Handys zunutze. Mobiltelefone übertragen nur einen Bruchteil der tatsächlich gesprochenen Frequenzen. Durch bestimmte Verfahren lassen sich die zum Verstehen unbedingt notwendigen Informationen bestimmen. Sie kommen auch in der mp3-Technik zum Tragen.

Von Michael Caspar

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