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Göttingen Diskussion über freie Wissenschaft in Nikolaikirche
Campus Göttingen Diskussion über freie Wissenschaft in Nikolaikirche
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00:26 11.04.2018
Diskutieren in der Nikolaikirche: María Ximena Ordóñez, Prof. Tanja Gabriele Baudsen, Prof. Stephan Herminghaus, Prof. Ulrike Beisiegel und Aneke Dornbusch (v.l.). Quelle: Lisa Hausmann
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Göttingen

Die Wissenschaft brauche vollkommene Freiheit. Selbst gut gemeinte Förderungsmaßnahmen vonseiten der Politik, könnten als störend empfunden werden, unterstrich Prof. Stephan Herminghaus, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Die Schwierigkeit bestehe also darin, dass dennoch das Vertrauen der Öffentlichkeit gewährleistet sei. „Es muss das Gefühl vermittelt werden, dass die Wissenschaft das Gute für die Gesellschaft erreichen möchte“, betonte auch Prof. Tanja Gabriele Baudsen, Vertreterin der Professur für Entwicklungs- und Allgemeine Psychologie an der Universität Luxemburg.

Die Georg-August-Universität Göttingen ist zum zweiten Mal Co-Organisator des am Sonnabend, 14. April, geplanten „March for Science“. Der Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel gehe es immer mehr um Qualität als um Quantität. Es muss sich die Zeit für begründete Fakten genommen werden, erklärte sie den mehr als 30 Interessierten.

„Vokabularproblem“ eines der größten Schwierigkeiten

Baudsen war Impulsgeberin zum „March for Science“ in Deutschland. Im November 2017 wurde sie für ihr Engagement vom Deutschen Hochschulverband (DHV) zur „Hochschullehrerin des Jahres“ ausgezeichnet. Ausschlaggebend sei die politische Situation um Donald Trump gewesen. Die Bewegung habe sich allerdings sehr schnell verselbstständigt. Deutschland sei, anders als andere Länder, nicht so stark und extrem von der Beschränkung der Wissenschaft betroffen. Aber: „Es gibt ein immer stärkeres Vertrauen in die Meinung des kleinen Mannes“, sagte Baudsen. Das sei erst mal nichts Schlechtes. Es würde allerdings zu einer immer größeren Lücke zwischen der fachlichen Meinung der Wissenschaft und den oftmals unbegründeten Aussagen entstehen. Dies sei nach Angaben von Baudsen auch eine Gefahr für die Demokratie.

Die Kommunikation der Wissenschaft mit der Öffentlichkeit war eine der Baustellen, bei denen sich die Wissenschaftler einig waren, dass Verbesserungsbedarf bestehe. Fachliteratur sei häufig mit derartig vielen Fachbegriffen versetzt, dass der sogenannte „normale Bürger“ die Aussage des Textes nicht verstehe. Das „Vokabularproblem“ sei eines der größten Schwierigkeiten in der Wissenschaft, erklärte Herminghaus. Es müsse sich möglichst einfach ausgedrückt werden, ohne die Aussage letztendlich falsch zu vermitteln. Eine für den Experten falsche Aussage, könnte dem Leser dennoch die richtige Aussage übermittelt.

Kompetenz der Fachrichtung Theologie wird häufig angezweifelt

Entscheidend sei, laut Herminghaus, dass eine Zusammenarbeit der einzelnen Fachrichtungen bestehe. Innerhalb einer Institution wie der Universität Göttingen müsse das Vertrauen in das Fachwissen der einzelnen Fakultäten bestehen. Die promovierende Theologiestudentin Aneke Dornbus spricht ebenfalls positiv zu diesem Thema. Innerhalb der Universität würde die Kompetenz ihrer Fachrichtung Theologie häufig angezweifelt werden. Aber auch außerhalb des universitären Rahmens herrsche Kritik und Zweifel an der Wissenschaft. Dies käme hauptsächlich von der Unkenntnis der Bürger über die Art und Weise wie an einer Universität geforscht werde.

Die komplette Freiheit für Forschungsprojekte kann es also nicht geben. Die Bürger bräuchten Transparenz um den Forschungsverlauf nachvollziehen und ihren Sinn verstehen zu können. Herminghaus argumentierte bereits in diese Richtung. Forscher müssten bei ihren Projekten immer den Überblick behalten und sich die Frage stellen: Handele ich im Interesse des Allgemeinwohls? Ein Beispiel-Projekt könne sein, dass der Personennahverkehr mit Bus und Bahn perfektioniert werde, sodass Autos überflüssig würden. So könne dem Klimawandel entgegengewirkt werden, erläuterte Herminghaus.

Von Lisa Hausmann

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