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Göttingen „Was sollen unsere Kinder lernen?“
Campus Göttingen „Was sollen unsere Kinder lernen?“
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10:17 25.11.2018
Diskussion zwischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Didaktikerin Ingrid Hemmer zum Thema „Perspektiven: Was sollen unsere Kinder lernen?“ ging die zweitägige Konferenz am Sonnabend zu Ende. Ulrike Bosse (Mitte) moderierte das Gespräch. Quelle: r
Göttingen

Was sollen unsere Kinder lernen? – Um diese Frage drehte sich die Abschlussdiskussion der zweitägigen Konferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ an der Universität Göttingen. Didaktikprofessorin Ingrid Hemmer von der Universität Eichstädt-Ingolstadt und Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) stimmten in vielen Punkten überein und verabredeten eine Kooperation: Hemmer soll am niedersächsischen Projekt „Bildung 2040“ mitwirken.

Lesen, Schreiben und Rechnen, später Deutsch, Englisch, Mathe, Informatik und noch mehr – das sollen Schulkinder lernen, wenn es nach den gängigen Vorstellungen geht. Wie passt dazu die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“? Moderatorin Ulrike Bosse leitete damit das Gespräch in der Aula der Universität ein und verwies darauf, dass BNE, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung abgekürzt wird, von der Unesco bis zur deutschen Kultusministerkonferenz als Ziel angesagt ist.

Zukunft des Lernens

Es gehe darum, die Menschen „zu befähigen, sich an nachhaltigen und sozialverträglichen Entwicklungen zu beteiligen“, erklärte Hemmer. Kultusminister Tonne wollte sich nicht mit Definitionen aufhalten, sondern klären, „was und wie Kinder in Zukunft lernen sollen“. BNE könne nicht als ein Fach mit diesem einem Thema gesehen werden. Es sei möglich, es auf nahezu alle Fächer zu übertragen. Tonne: „Es gibt kein Fach, bei dem ich überhaupt keinen Bezugspunkt erkennen kann.“ Und die Präambel der Curricula in Niedersachsen, den Kernvoraussetzungen für den Unterricht, beinhalte den Bezug zu BNE. Wichtig sei, betonte Tonne, auf die Curricula nicht mehr Inhalte draufsatteln, sondern im Gegenzug auch abzubauen, um Freiraum zu geben.

Im Unterricht müsse auf Umwelt- und Entwicklungsprobleme eingegangen werden, so Hemmer. Dabei sollten die nicht nur als globale Schwierigkeiten thematisiert, sondern auch mit Beispielen in der direkten Umgebung vermittelt werden. Auch die Didaktikforscherin zeigte sich überzeugt: „Ja, es geht in jedem Fach.“ Wichtig sei ihr, die Lehrpläne wirklich zu entrümpeln und Fächer wie Biologie, Geologie, Poltik, aber auch Chemie und Physik zu stärken.

„Dass ausgerechnet diese Fächer nicht Pflichtfächer sind in der Oberstufe und nur mit zwei Stunden pro Woche vorgesehen sind“, muss geändert werden, meint Hemmer. Sie forderte auch, „für BNE müssen wir die Schulen zu Orten nachhaltiger Entwicklung machen.“

Vorgaben an die Studienseminare

Noch, da waren sich Hemmer und Tonne einig, sind die Lehrkräfte kaum ausgebildet beziehungsweise fortgebildet. „Das muss passieren“, sagte Tonne und verwies auf entsprechende Vorgaben an die Studienseminare. Als „ein großer Befürworter von außerschulischen Lernorten“ verwies der Kultusminister auf die Angebote dieser Einrichtungen. „Eine gute Idee“, lobte Hemmer, die dann die oftmals unzureichende Ausstattung der Lernorte kritisierte. „Wir müssen diese Einrichtungen stärken“, so Hemmer. Sie forderte zusätzlich, Lehrkräfte im Referendardienst sollten eine Woche in so einer Einrichtung tätig sein.

In Niedersachsen soll das Projekt „Bildung 2040“ die Frage beantworten, was sollen Kinder und Jugendliche in Zukunft lernen, wie sollen Kindergarten, Schule und Bildung in Zukunft aussehen. Kultusminister Tonne lud Didaktikprofessorin Hemmer ein, daran mitzuwirken. Hemmer liegt viel daran, das Moment der Selbstwirksamkeit zu vermitteln: „Daran mangelt es unseren Kindern und Jugendlichen“, sagte sie. Sie stelle auch als Professorin fest, dass die Studierenden, „die Erfahrung, selbst etwas zu bewirken“, zu wenig machten. Die in Kitas, Schulen und Hochschulen zu vermitteln, sei notwendig für das Verständnis von nachhaltiger Entwicklung.

Umgang mit digitalen Medien

Bildung für nachhaltige Entwicklung soll es jedem Einzelnen ermöglichen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Bildungseinrichtungen seien für diese Vermittlung wichtig, aber nicht allein dafür zuständig, erklärte Tonne. Anders sah er das mit Blick auf digitale Medien. Er wolle vom Lernen mit digitalen Medien sprechen und nicht von der Digitalisierung des Unterrichts. Das Lernen mit digitalen Medien sei auch mit Blick auf BNE empfehlenswert.

„Die Schule ist der einzige Orte, wo wir den Umgang mit digitalen Medien pädagogisch sinnvoll schulen können“, sagte der Kultusminister. Beide Lernfelder, BNE und digitale Medien, seien als Prozess in einer sich schnell wandelnden Welt zu verstehen, es sei unmöglich, einen Schalter umzulegen und festzustellen, damit sei das Ziel erreicht.

Der Radiosender NDR-Info hat das Gespräch aufgezeichnet. Es wird am Montag, 26. November, ab 20.30 Uhr gesendet.

Von Angela Brünjes

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