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Göttingen Diskussion über den Einfluss von Falschmeldungen
Campus Göttingen Diskussion über den Einfluss von Falschmeldungen
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00:34 30.04.2018
Diskussion über den Einfluss von Falschmeldungen. Karolin Schwarz, Bernd Lange, Aljoscha Dalkner und Henrik Buschmann (v. l.). Quelle: Lisa Hausmann
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Göttingen

Die Maßnahmen gegen Fake-News, die die EU erst vor Kurzem beschloss, sind den Diskussionsteilnehmern zu wenig. Werden softe Maßnahmen wirklich reichen, um das Problem einzuschränken?

„Es gibt die Schwelle zwischen dem Weglassen von Fakten und bewusster Täuschung“, meinte Aljoscha Dalkner vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen. Diese sei erst im Zuge der Migrationswelle wirklich deutlich geworden. Doch Fake-News an sich seien überhaupt nicht neu, nur aktueller und vor allem gefährlicher. Durch die technische Ausstattung, die heute alltäglich ist, ist die Veröffentlichung von Nachrichten für jeden Menschen machbar und wird in einer Schnelligkeit genutzt, dass es kaum möglich ist, den Überblick zu behalten, stellte der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange fest.

Fake-News verschieben die Werteorientierung

„Mit Fake-News kann die gesellschaftliche Werteorientierung verschoben werden“, sagte der Abgeordnete. Die deutschen Bürger, die zunächst sehr offen und freundlich gegenüber den Flüchtlingen gewesen seien, seien aufgrund der falschen Berichterstattung heute verschlossener.

Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung über den Einfluss von Falschmeldungen.  Quelle: Lisa Hausmann

„Ich kann die Meldung, dass Flüchtlinge zum Einzug nach Deutschland ein iPhone geschenkt bekommen nicht mehr sehen. Aber es gibt sie immer wieder“, kommentierte die freie Journalistin Karolin Schwarz. Die Falschmeldungen über Flüchtlinge seien ihrer Meinung nach von der Politik zunächst nicht ernst genommen worden.

Stimmung fern der Realität

Lange stimmt der Journalistin zu: Es sei zu lange zugelassen worden, dass das Feindbild des Flüchtlings aufgebaut wurde. Mit einer Mischung aus falschen und wahren Meldungen werde eine Stimmung erzeugt, die nichts mehr mit der Realität zu tun habe. „Es kann nicht sein, dass wir nur am 1. April die Nachrichten hinterfragen“, brachte es Moderator und Sprecher der Hochschulgruppe für FES-Stipendiaten der Universität Göttingen, Henrik Buschmann, auf den Punkt.

100 Accounts pro Person

Heute gebe es Menschen, die bei Facebook, Instagram und Twitter bis zu 100 Accounts haben, erklärte Lange. Da sei es kein Wunder, wenn die Meinung „Merkel muss weg“ plötzlich zu 80 Prozent unterstützt werde. Die Werteorientierung werde dabei verschoben. „Das ist in den Vereinigten Staaten und beim Brexit passiert“, meinte Lange. „Da müssen wir sehr klare Gegenmaßnahmen starten.“

Regeln für Medienkompetenz

Was macht allerdings gute journalistische Arbeit aus? Es müssten zunächst Qualitätskriterien festgelegt werden, meinte Dalkner. Dies sei nach Angaben von Lange ein Anliegen des europäischen Parlaments. „Ja, wir brauchen mehr Medienkompetenz.“ Er wolle den Internetplattformen ungern vorschreiben, was sie zu zensieren haben. Eine enttarnte Falschmeldung erhalte 80 Prozent weniger Aufmerksamkeit als vorher. Doch bis es soweit sei, würden bis zu drei Tagen vergehen, erklärte Lange. Außerdem müsse unterschieden werden zwischen schlechten Journalismus und Fake-News.

Doch nicht nur politisch seien Fake-News ein Problem. Selbst Testberichten könne man heute nicht mehr vertrauen. Grundsätzlich werde das Produkt gekauft, unter dem die meisten positiven Bewertungen sind. Doch jetzt könne sich niemand mehr sicher sein, ob der Kühlschrank mit den 200 Rückmeldungen zufriedener Kunden überhaupt schon einmal getestet wurde. Aus diesem Grund forderte Lange die Transparenz der Online-Plattformen. „Scheinkonten müssen verboten werden. Das machen die Plattformen nicht alleine. Wir brauchen ein Plattformregelungsgesetz“, forderte Lange.

Bildungslücke Digitalisierung?

Dalkner sieht die Ursache unter anderem in den Schulen. Die Digitalisierung sei noch nicht im Lernplan verankert. Wie sollen Lehrer den Schülern etwas beibringen, was sie selbst noch nicht gelernt haben? „Da fehlt aus meiner Sicht der Ansatz auf Förderung aus politischer Sicht“, meinte Dalkner. Doch auch, wenn noch viel zu tun sei, egeb es bereits Ansätze, um mit dem Thema Fake-News sensibler umgehen zu können. Zuschauer Torben Mau meldete sich und stellte kurz sein eigenes Seminar an der Zentralen Einrichtung für Lehrerbildung (ZELB) an der Universität Göttingen vor. Dort beschäftigten sich angehende Lehramtsstudierende an lokalen Schulen zusammen mit den Schülern mit dem Thema Fake-News.

Wichtig sei allerdings auch, dass die älteren Generationen weitergebildet werden, meinte Schwarz. Diese Personen würden schließlich auch noch einige Wahlen mitentscheiden.

Die Podiumsdiskussion wurde vom Landesbüro Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) veranstaltet.

Leitfaden um Fake-News zu erkennen

1. Identifikation der Quelle

2. Informationen über die Internetseite herausfinden

3. Autor prüfen

4. Impressum prüfen

5. Kein gesponserter Text?

6. Kann man die Aussage auch auf anderen Websites finden? (Vergleich)

Von Lisa Hausmann

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