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Doku-Theater zum Grenzdurchgangslager Friedland

Aus den Akten auf die Bühne Doku-Theater zum Grenzdurchgangslager Friedland

Wer die Resultate seiner Forschungsarbeit publikumswirksam veröffentlichen will, entscheidet sich meist für die Klassiker Buch oder Ausstellung. Ein Theaterstück ist noch ein ungewöhnliches Format, das die Historikerinnen Dr. Regina Löneke und Dr. Ira Spieker am Beispiel des Grenzdurchlagers Friedland einsetzten.

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Die Baracke des Deutschen Rotes Kreuzes im Grenzdurchgangslager Friedland in der Nachkriegszeit.

Quelle: r

Göttingen. In ihrem Vortrag in der Reihe „Wissenschaft und Öffentlichkeit: Neue Wege zur Geschichte“ stellten die Göttinger Kulturhistorikerin Löneke und die Volkskundlerin Spieker, Dresden, ihr Projekt zum Grenzdurchgangslager Friedland vor. Zusammen mit dem Jungen Theater (JT) Göttingen haben die beiden Forscherinnen ein Dokumentar-Theaterstück entwickelt, das im Herbst 2015  zwölf Vorstellungen am JT hatte. Als Regisseur war Kai Tuchmann engagiert.

Menschen sichtbar machen

Friedland, so Löneke, sei im Bewusstsein der Deutschen absolut positiv besetzt, als „Tor zur Freiheit“ inszeniert als Teil der Geschichte der Bundesrepublik. Auch in den späteren Jahren repräsentierte es die gute helfende Bundesrepublik. Durch das Dokumentar-Theater wollten Löneke und Spieker hinter diese Inszenierung schauen, die Menschen sichtbar machen, die Friedland prägen: ehemalige und aktuelle Bewohner, Mitarbeiter, Helfer, aber auch die Friedlander Bürger. Sie führten Interviews, sichteten Akten und Archive.

Stellt das Tor zur Freiheit dar: das Heimkehrerdenkmal oberhalb von Friedland.

Quelle: JR

Wenn die Grabplatten sich öffnen

Den nächsten Vortrag in der Reihe „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ hält am Mittwoch, 22. Juni, um 14 Uhr im Hörsaal 104 im Zentralen Hörsaalgebäude die Historikerin und Autorin Barbara Beuys. Unter dem Titel „Wenn die Grabplatten sich öffnen“ spricht sie darüber, wie Sachbücher Menschen und Zeiten lebendig machen können. Beuys hat eine Vielzahl historischer Sachbücher veröffentlicht, unter anderem 2007 über Paula Modersohn-Becker und 2010 über Sophie Scholl. 2014 erschien ihr Band über „Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich 1900–1914“.

Die Arbeit mit Regisseur und Schauspielern sei ein enorm großer Zeitaufwand, so Löneke. Auch für die Schauspieler. Es gebe viel Text, die intensive Mitarbeit sei gefragt. Für die Akteure sei es aber eine mangelnde Herausforderung beim Spiel. Denn sie sollten nicht übertrieben agieren. „Bloß keine Ironie oder die Leute lächerlich machen“, beschreibt Löneke.

Die Wissenschaftlerinnen taten sich schwer damit, etwas freizugeben, aus ihrem Verantwortungsbereich zu lassen. Ein Wagnis, so beschreibt es Spieker. „Bei Inhalt und Aussage sind wir die Experten, bei Rhythmus und Leidenschaft, bei der Frage der Wirkung einer Aussage mussten wir uns auf die Fachleute vom Theater verlassen.“

Kontakt zum Publikum

Problematisch bleibe für sie, dass ein Dokumentar-Theaterstück nicht objektiv sein kann. Die sinnlichen Komponenten, die die Schauspieler hereinbringen, verstärken den Kontakt zum Publikum, seien aber auch immer schon Interpretation. Der Vorteil sei die große Reichweite. „Wir konnten 3000 Menschen für Relevanz der wissenschaftlichen Arbeit  sensibilisieren“, erklärt Spieker.

Ihrem Bedürfnis nach Kontrolle haben die beiden Frauen mit einem Begleitband zum Projekt nachgegeben. Außerdem wird es einen Dokumentarfilm zum Entstehungsprozess des Theaterstücks geben.

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