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Drei Gymnasiasten entwickeln ein neues soziales Netzwerk: „Sociax“

Abiturienten, Unternehmer und Innovateure Drei Gymnasiasten entwickeln ein neues soziales Netzwerk: „Sociax“

Weil sie keine Lust mehr hatten, Social-Media-Giganten wie Facebook und Instagram ihre Daten preiszugeben, und großen Wert auf Privatspähre auch bei digitaler Kommunikation legen, haben Lennart Knisch (17), Lukas Becker (18) und Laura Beuthien (18) selbst getüftelt. Das Resultat: Sociax. Für ihr neues soziales Netzwerk werben die drei Gymnasiasten mit dem Slogan „Mit Sicherheit privat“. Praktisch nebenbei sind die drei damit auch Unternehmer geworden und betreiben die „Sociax Unternehmergesellschaft (UG)“.

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„Großburgwedel ist nicht Palo Alto.“ Lukas Becker (links) und Lennart Knisch wollen im Internet selbst über ihre Daten bestimmen – und haben ein eigenes soziales Netzwerk konzipiert: Sociax.

Quelle: pr

Region Hannover. Den riesigen Datenhunger von Netzwerkgiganten wie Facebook, Pinterest, Instagram muss man nicht mögen. Die Alternativen: digitale Kommunikationsverweigerung – oder selbst machen.

Lennart Knisch (17), Lukas Becker (18) und Laura Beuthien (18) haben es selbst gemacht: ihr eigenes soziales Netzwerk. Mehr als ein Jahr lang haben die drei an Sociax getüftelt, seit wenigen Tagen ist das neue soziale Netzwerk in der „Open Beta Phase“.

Entworfen und programmiert haben die drei vor allem an den Wochenenden. Knisch und Becker wollen im nächsten Jahr die Reifeprüfung am Gymnasium Großburgwedel ablegen, Beuthien steckt gerade mitten im Abitur an der Sophienschule in Hannover. „Es soll ein privater Raum geschaffen werden, in dem die Nutzer sich wohlfühlen und keine Angst vor Eingriffen in die Privatsphäre haben müssen. Wir analysieren unsere Nutzer nicht, wir setzten keine Cookies, wir schalten keine individualisierte Werbung“, erkärt Lennart Knisch den Grundgedanken, auf dem Sociax fußt.

 Jeder Nutzer soll die völlige Kontrolle über seine Daten behalten. Einfache Privatsphäreeinstellungen, sichere Verschlüsselungen, der Verzicht Datenspeicherung, Cookies und Kundenanalyse – damit wollen die drei punkten. Ende 2013 hat Knisch begonnen, zu Hause an der neuen Social-Media-Plattform zu tüfteln, kurz darauf sind Lukas Becker und Laura Beuthin dazugestoßen, und zu dritt haben die Abiturienten Sociax dann in einer Lagerhalle von Knischs Vater weitergearbeitet. Einer beheizten Lagerhalle, „da Großburgwedel nicht Palo Alto ist“.

Eine technisch clevere Idee, die den Zeitgeist zu treffen scheint, ist die eine Sache. Eine andere das Geld, doch auch das wird bislang offenbar professionell erledigt. Fürs Marketing ist Laura Beuthien zuständig. Zwar gibt es keine personenbezogene Werbung bei Sociax, aber bereits einen Sponsor, einen hannoverschen Herrenausstatter, der auf der Startseite Platz findet.

Und wer über die kostenlose Basisfunktionen hinaus die neue Plattform nutzen will, soll das fortan mit einem kostenpflichtigen Premium-Account erledigen können. Dabei scheint die Gewinnerzielungsabsicht nicht erste Priorität zu haben: „Wir messen unseren Erfolg viel eher an den Nutzerzahlen. Es ist ein großartiges Gefühl, dass wir mit unserer Software, mit unserem Netzwerk, Menschen miteinander verbinden können, und wir sind sehr stolz darauf, ihnen eine private Plattform zur Kommunikation bieten zu können“, erklärt Lukas Becker.

Interview: Großburgwedel ist nicht Palo Alto

Social Media nutzen, ohne die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren: Die angehenden Abiturienten Lennart Knisch (17), Lukas Becker (18) vom Gymnasium Großburgwedel und die Abiturientin Laura Beuthien (18, Sophienschule Hannover) haben Sociax programmiert und zum Laufen gebracht – ein eigenes soziales Netzwerk, das vor allem die Privatsphäre der Nutzer schützen soll. Im Tageblatt-Interview erklären Lennart Knisch und Lukas Becker, wie sie auf diese Idee gekommen sind und welche Absicht sie damit verfolgen.

Warum Sociax.de? Welche Kernidee steckt dahinter?

Lennart : Grundsätzlich verbirgt sich hinter Sociax das englische Wort social. Nun haben wir das l von social durch ein x ersetzt. Das x soll auf der einen Seite die Verbindung von vier Punkten symbolisieren, aber auch für etwas Geheimes, Privates stehen. Die Idee ist, ein soziales Netzwerk zu entwickeln, welches die Privatsphäre seiner Nutzer schützt. Es soll ein privater Raum geschaffen werden, in dem die Nutzer sich wohlfühlen und keine Angst vor Eingriffen in die Privatsphäre haben müssen. Wir analysieren unsere Nutzer nicht, wir setzten keine Cookies, wir schalten keine individualisierte Werbung. Wir sehen unsere Nutzer nicht als Produkt an sondern als Kunden an.

Für welche User ist das Netzwerk konzipiert?

Lukas: Mit Sociax möchten wir sämtliche Altersklassen und Gruppierungen ansprechen. Besonders natürlich jene, die auf Privatsphäre und Sicherheit bedacht sind. Jeder soll sich sein individuelles Netzwerk mit engen Freunden aufbauen können. Der Sinn von Sociax ist, dass man auch private Informationen wieder in einem kleinen Kreis mit Freunden und Verwandten teilen kann und man die volle Kontrolle darüber hat, wer diese Informationen erhält und wer nicht.

Welche anderen Netzwerke nutzt Ihr derzeit selbst noch?

Lukas : Wir sind beide noch bei WhatsApp, Facebook und Twitter angemeldet. Facebook nutzen wir aber keineswegs mehr, um Informationen von uns Preis zu geben und private Veröffentlichungen zu tätigen. Die letzte Veröffentlichung, die wir bei Facebook getätigt haben, war ein Video der neuen Sociax-App. Private Veröffentlichungen liegen bei uns teilweise mehrere Jahre zurück, welches auch deutlich die Verabschiedung der Jugend von Facebook zeigt. WhatsApp nutzen wir auch nur noch sehr beschränkt. Größtenteils kommunizieren wir per iMessage, wobei es hier das Hindernis der Beschränkung auf iOS-Geräte gibt.

Lennart : Twitter nutze ich nur rein „geschäftlich“, da Twitter eine geniale Plattform ist, um schnell und einfach Inhalte mit der breiten Masse zu teilen und Feedback zu bekommen.

Gab es unter den zahlreichen sozialen Netzwerken keine Alternative, die Euren Bedürfnissen gerecht würde?

Lukas : Nein. Das Problem bei den vorhanden Netzwerken ist, dass die Privatsphäre entweder gar nicht oder nicht ausreichend geschützt wird. Wenn man in einem sozialen Netzwerk über 400 Freunde hat, kann man auch keineswegs mehr von Privatsphäre sprechen. Deswegen haben wir ein Netzwerk entwickelt, in welchem sich echte Freunde - im kleinen Kreis - untereinander austauschen können. Wir haben einfache Einstellungen geschaffen, um die Privatsphäre jedes einzelnen Nutzers zu schützen und ihm die volle Datenkontrolle zu geben. Sociax ist eine Plattform für echte Freunde. Daher gibt es auch keine Klarnamensuche, sondern andere Funktionen, um sich mzu befreunden, wie zum Beispiel per E-Mail-Adresse oder per QR-Code.

Kann man damit Geld verdienen? Gibt es für die Nutzung der Idee bereits Interessenten?

Lennart : Ja kann man. Die Frage ist natürlich immer auch, wie viel Geld man damit verdienen kann. Die laufenden Kosten können wir aktuell zum Glück noch relativ gering halten. Es geht uns bei dem Projekt aber auch nicht darum, den Gewinn in möglichst kurzer Zeit zu maximieren. Das gesamte Unternehmen ist ja aus einem Hobby entstanden, und unser gesamter Antrieb für dieses Projekt hat keineswegs einen kapitalistischen Hintergrund. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man weiß, dass es Menschen gibt, die unsere Software benutzen und sie lieben. Unser täglicher Antrieb ist es, Sociax ein bisschen besser zu machen und unseren Nutzern neue, großartige Funktionen bieten zu können. Natürlich müssen wir jetzt auch schauen, wie wir mehr Kapital für das Wachstum von Sociax einsammeln können.

Wie funktioniert die Finanzierung Eurer Idee derzeit?

Lennart : Momentan finanzieren wir das Projekt mit Werbung auf der Login-Seite. Dafür konnten wir auch schon erste Partner gewinnen. Sobald die Beta-Phase abgeschlossen ist und die Entwicklung weit genug voran geschritten ist, werden wir Premium-Accounts einführen, durch welche wir die steigenden Entwicklungs- und Serverkosten decken.

Basteln in der Garage? Wie muss man sich die Entwicklung von Sociax.de vorstellen? Wann, wo und wie habt Ihr das konzipiert und programmiert?

Lennart : Ich habe Ende 2013 angefangen, Sociax von Zuhause aus zu entwickeln. Anfang 2014 konnte ich erst Laura und dann auch Lukas für das Projekt gewinnen. Ein wirkliches Konzept habe ich vorher nicht angefertigt. Bevor die Seiten entwickelt wurden, habe ich mir immer Designs mit Photoshop angefertigt und dann in HTML, CSS und JavaScript umgesetzt. Auch heute ist es immer noch so, dass wenn jemand aus dem Team eine Idee für eine neue Funktion hat, wir zuerst ein Design anfertigen und danach erst die richtige Entwicklung stattfindet. Da Großburgwedel nicht Palo Alto ist, haben wir einen beheizten Lagerraum, den uns mein Vater kostenlos innerhalb seines Betriebs zur Verfügung stellt. In dem Raum, unserem „Büro“, haben wir einen Kühlschrank, zwei selbstgebaute Tische, zwei Sofas und ein paar Stühle. An den Wänden befinden sich Regal mit diversen Kleinigkeiten und Kartons.

Wie viel Zeit hat Euch das bislang gekostet? Hat Euch das mit Blick auf Schule Probleme bereitet?

Lukas : Entwickelt wurde und wird nach der Schule und am Wochenende sowie in der Ferien. Am Wochenende sind Arbeitszeiten von 11 bis 1 Uhr die Regel. Unter der Woche gestaltet sich die Entwicklung natürlich schwieriger, da wir ja auch schulische Verpflichtungen haben. Probleme in der Schule hat uns die Entwicklung aber nicht bereitet. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass wir durch Sociax gesammelte Erfahrungen teilweise direkt im Unterricht einbringen können.

Gab es Rückschläge in der Entwicklung?

Lennart : Die Entwicklung verlief größtenteils flüssig, einzelne Rückschläge gab es in dem Sinne nicht. Jedoch kam es zu Verzögerungen bei der Entwicklung der App. Wir wollten anfangs die App nativ programmieren, dass bedeutet in der jeweiligen Sprache des Betriebssystems, welche auf dem mobilen Endgerät läuft. Dies stellte sich jedoch als zu zeitaufwändig heraus. Daher wichen wir zunächst auf eine alternative Lösung aus. Die Web-App. Der Vorteil besteht hierbei, dass wir mit den uns gut vertrauten Programmiersprachen arbeiten konnten, und dass die Portierung auf andere mobile Geräte, wie zum Beispiel Android um einiges leichter und mit weniger Programmieraufwand verbunden ist.

Wie hoch hängt die Messlatte? Was wäre aus Eurer Sicht ein Erfolg für Euer Projekt?

Lukas : Ich kann sagen, dass das Projekt für uns jetzt schon ein Erfolg ist, da Leute sich anmelden, unsere Software nutzen und das Feedback positiv ist. Klar macht man sich auch Gedanken darüber, ob und wie man damit Geld verdienen kann. Aber daran würde ich nicht den Erfolg des Projektes bemessen. Wir messen unseren Erfolg viel eher an den Nutzerzahlen. Es ist ein großartiges Gefühl, dass wir mit unserer Software, mit unserem Netzwerk, Menschen miteinander verbinden können, und wir sind sehr stolz darauf, ihnen eine private Plattform zur Kommunikation bieten zu können. Wir sind sehr gespannt auf den weiteren Weg, den wir mit Sociax gehen werden und freuen uns unglaublich auf weitere einzigartige Features.

Welche Lehren oder Schlüsse habt Ihr aus Eurem Vorhaben bislang selbst gezogen?

Lennart : Persönlich kann ich aus dem Projekt viel unternehmerische Erfahrungen ziehen. Alleine die Gründung der UG ist etwas, was nicht jeder schon mit 17 gemacht hat.

Lukas : Wir sammeln Erfahrungen, die nicht jeder in seinem Leben macht - und das mit 17 und 18 Jahren. Vor allem der Umgang mit den Medien in unserem Alter stellt sich als sehr interessant heraus.

Gibt es bereits weitere Ideen oder Projekte?

Lukas : Wir planen noch weitere innovative Softwareprojekte auf dem Gebiet der Privatsphäre und Sicherheit. Allerdings ist die Entwicklung noch nicht weit genug fortgeschritten, um diese hier zu nennen. Hauptaugenmerk liegt natürlich momentan auf Sociax und unserm Abitur nächstes Jahr.

Online ist die neue Plattform unter https://sociax.de zu erreichen,

die kostenlose iOS-App ist unter https://appsto.re/de/0Xo52.i herunterzuladen.

Auf Twitter sind die drei Tüftler unter https://twitter.com/sociax_de zu finden.

Von Christoph Oppermann

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