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Göttingen Duale Berufsausbildung im ländlichen Raum
Campus Göttingen Duale Berufsausbildung im ländlichen Raum
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13:54 24.10.2018
Digitale Lernszenarien können den Unterricht vielfältiger machen. Zum Beispiel durch Videokonferenzen oder Online-Lerngruppen. Quelle: r
Göttingen

Zwei Jahre lang haben die Berufsschulen in Duderstadt und Holzminden zusammen mit zwei Hochschulen und der Industrie- und Handelskammer (IHK) die Möglichkeiten digitaler Lernszenarien in der Ausbildung untersucht. Jetzt liegen Ergebnisse vor.

Ziel des Projekts war es, die duale Berufsausbildung vor allem im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Dafür sei es nötig, die Ausbildungen durch die mit Digitalisierung einhergehenden Anforderungen an die Berufe zu modernisieren, vor allem aber die Erreichbarkeit der Berufsschulen für Auszubildende zu verbessern, so Sabine zu Klampen, Pressesprecherin der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK).

Aufbau der IT-Infrastruktur

Zu den wichtigsten Ergebnissen des Forschungsprojekts gehöre die Empfehlung, einen Verbund für digitale Lernszenarien in der beruflichen Bildung zu gründen, der Materialien entwickelt und außerdem den Aufbau einer professionellen IT-Infrastruktur begleitet. Auszubildende, Berufsschulen und Betriebe seien in einem Teufelskreis gefangen, erklärte Marc Diederich von der IHK Hannover: „Schüler, die gerne eine Ausbildung in ihrer Heimatregion beginnen möchten, können ohne Führerschein die Mobilitätshemmnisse ländlicher Räume nicht immer überwinden. Sie entscheiden sich dann häufig für andere Berufe, einen anderen Standort oder eine gänzlich andere berufliche Perspektive.“

Für die berufsbildenden Schulen habe dies zur Folge, dass möglicherweise die erforderlichen Klassengrößen in einigen regional Ausbildungsberufen nicht mehr erreicht werden können und dementsprechend Ausbildungsgänge vor Ort geschlossen werden müssen. Unter Umständen könnten somit ganze Berufsfelder aus einer Region verschwinden, auf welche die heimische Wirtschaft vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung eigentlich dringend angewiesen sei, so Diederich.

Nicht genügend digitale Materialien

Für HAWK-Professorin Alexandra Engel, die das Projekt entwickelt und die begleitende Forschungsevaluation durchgeführt hat, empfiehlt sich die Gründung eines Verbunds für digitale Lernszenarien in der beruflichen Bildung. Denn das Nadelöhr zur Nutzung der Vorteile digitaler Lehre sei, dass derzeit noch nicht genügend Materialien entwickelt und nutzbar seien. Wenn sich das ändere, könnten die Präsenzzeiten für die Schüler reduziert und durch digital organisierte Lehre ergänzt werden.

Auszubildende im Beruf „Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel“ haben das Projekt begleitet und die Möglichkeiten digitaler Lehre getestet. Ihr Fazit falle laut HAWK überwiegend positiv aus. Sie hätten ihre Fähigkeiten in der Kommunikation, Präsentation aber auch im Schreiben verbessert. Außerdem schätzten sie die räumliche Flexibilität. Auch aus Sicht der Schulleiter Sabine Freese (BBS Duderstadt) und Andreas Hölzchen (Holzminden) könnte es direkt mit der Entwicklung digitaler Lernszenarien weitergehen. Sie würden die Initiative ergreifen, und Fortbildungsangebote für Lehrer organisieren.

Mit Landesmitteln gefördert

Projektleiterin Engel bezeichnete es als durchaus positiv, dass die Ergebnisse des mit Landesmitteln geförderten Projekts auch in Hannover wahrgenommen würden. Der Digitalpakt der Landesregierung könnte einen guten Rahmen bilden, die Potenziale digitaler Lernszenarien in der dualen Berufsausbildung vor allem in den ländlichen Räumen dauerhaft nutzbar zu machen.

Auf einer digitalen Lernplattform sind Handlungsempfehlungen und Ergebnisse der Begleitforschung des Projekts publiziert: http://das-zukunftszentrum.de/blendedlearning/

Von Markus Scharf / R

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