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„Ein Privileg“, ein Fellow zu sein

Rechtswissenschaftler Seelmann „Ein Privileg“, ein Fellow zu sein

Das neue Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen hat den ersten Jahrgang von Gastwissenschaftlern, Fellows, verabschiedet. In der historischen Sternwarte waren neun renommierte Wissenschaftler zehn Monate bis Juli zu Gast. Fünf der neun Fellows stellt das Tageblatt in einer Serie vor. Folge 5: Kurt Seelmann, Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Basel.

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„Die Zeit rennt schon“: Kurt Seelmann in der Rotunde der Historischen Sternwarte.

Quelle: Hinzmann

In diesem Monat beginnen für Kurt Seelmann wieder die Lehrveranstaltungen an der Universität Basel. In den vergangenen beiden Semestern konnte der Jurist als Fellow am Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen ausschließlich „forschen, lesen, notieren, schreiben“ über sein Thema „Person und Persönlichkeit als kulturelle Vorgaben für das Recht“.

Als enorm wichtig für das Recht stuft der 1947 geborene Rechtsphilosoph die Frage ein, ob medizinische Forschung erfolgen darf, wenn jemand urteilsunfähig ist. Im Fokus stehe dabei die Gruppe der Demenzkranken, Koma-Patienten oder Embryonen. Auch die Problematik der modernen Hirnforschung habe einen Einfluss auf unser Verständnis von Ethik und Recht. Seelmann sucht Antworten auf die Frage, „was bedeutet es für die einzelnen Rechtsgebiete, wenn es eine Rechtspflicht zum Respekt gegenüber dem konkreten Individuum gibt?“ Dafür sei es auch notwendig, die Überschneidungsbereiche der beteiligten Fächer Philosophie, Jura, Medizin, aber auch Geschichte und Theologie zu berücksichtigen. Und weiter will Seelmann den westeuropäischen Kulturvergleich berücksichtigen, denn „die europäischen Rechtsordnungen sind ziemlich gleich, aber die Konzepte dahinter sind recht unterschiedlich“.

Seine Arbeit bestehe darin, die genannten praktischen Probleme auf die begriffliche Konstruktion zu beziehen. Daraus ergebe sich die Frage, „steuert die begriffliche Ebene die Lösung solcher praktischen Fragen?“.
Für Seelmann hat sich herausgestellt, dass seine Arbeitsschwerpunkte „einfach nach Göttingen passen. Es gibt keinen Ort in Deutschland, wo man besser aufgehoben wäre“, sagt der Ordinarius für Strafrecht und Rechtsphilosophie der Juristischen Fakultät der Universität Basel, der dort seit 1995 lehrt und forscht und zuvor an deutschen Universitäten tätig war. Göttingen habe er bisher kaum gekannt: „Ich war nur dreimal zu Tagungen hier“.

Im Alltagsbetrieb einer Universität brauche es viel länger, Forschungsgebiete zu bearbeiten. Die Göttinger Zeit gebe ihm Gelegenheit, „endlich am Stück arbeiten zu dürfen und hier neue Anregungen zu erhalten.“ Diese erhalte er aus den Gesprächen mit den Kollegen von der Universität Göttingen, den anderen Fellows und den Assoziierten, die eng mit den Fellows zusammenarbeiten und Mitglieder der Universität Göttingen sind. Und Seelmann hat den historischen Bestand der Universitätsbibliothek ausgiebig für seine Forschung genutzt ebenso wie den Service des Kollegs, benötigte Schriften und Bücher aus den Göttinger Bibliotheken den Fellows in der Bücherei der Historischen Sternwarte, wo in einem anderen Trakt auch die Büros der Gastwissenschaftler sind, zur Verfügung zu stellen.

Für Seelmann ist der Aufenthalt in Göttingen „ein Privileg, das wahrscheinlich jeder Wissenschaftler gerne hätte, weil so etwas die moderne Universität nicht mehr auszeichnet.“ Der Jurist sieht dabei die Lehrverpflichtungen nicht als das Problem, sondern die Anzahl der Prüfungen und Konferenzen. Sie kosteten viel Zeit und seien nicht fruchtbar. Ihre Zunahme beruhe auf den Anforderungen der Studienreform im Zuge des Bologna-Prozesses.

Die Monate in Göttingen sind schnell vergangen. „Die Zeit rennt schon“, erkannte Seelmann schon im Februar. Sein Ziel ist es, seine Arbeiten abzuschließen mit einem systematischen, aber auch historischen Verständnis von Personenkonzepten und ein Vorankommen bei der geplanten Publikation zum Thema. Und außerdem wollte er Göttingen, den Harz und Hann. Münden erkunden. Hier nutzte er zusammen mit seiner Ehefrau einen weiteren Service des Lichtenberg-Kollegs, auch Ausflüge anzubieten, erzählt Seelmann. Mit seiner Frau hatte er eine Wohnung in der Stadt bezogen. Dass die Fellows mit ihren Familien in Göttingen leben können, findet Seelmann sehr gut: „Dann können die Fellows sich auf den Ort einlassen“.
Nächste Folge: Die Fellows des zweiten Jahrgangs.

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