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Eine Umdenkerin an jedem Tag

Edit Kirsch-Auwärter: Eine Umdenkerin an jedem Tag

Zwölf Jahre lang hat Edit  Kirsch-Auwärter als Gleichstellungsbeauftragte an der Georg-August-Universität gearbeitet. Am Montag findet eine Feier zur Amtsübergabe statt.

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 „Wenn Sie nur gepanzert mit Kritik durch die Flure der Uni gehen, erreichen Sie auch nichts“: Edit Kirsch-Auwärter.

Quelle: Hinzmann

Dr. Doris Hayn hat am 1. Juli das Amt übernommen. Kirsch-Auwärter, Doktorin der Soziologie,  hätte eigentlich schon vor einem Jahr in den Ruhestand gehen sollen. Aber sie wollte noch ihre dritte Amtszeit beenden und bat um eine Übergangsfrist. Um noch einiges von dem auf den Weg zu bringen, womit sie begonnen hatte. Und auch jetzt hat die 66-Jährige  mit dem Gleichstellungsauftrag noch lange nicht abgeschlossen.

Mit Universitätspräsidentin Beisiegel ist besprochen, dass Kirsch-Auwärter Konfliktmuster, die sie in ihrer Beratungsarbeit kennengelernt hat, zusammenstellt. Dann müssen noch Tagungen fürs kommende Jahr organisiert werden. Um dies und anderes mehr will Kirsch-Auwärter sich in der nächsten Zeit in ihrem neuen-alten Haus in der Nähe von Stuttgart kümmern. Vor Jahren haben sie und ihr Mann dort ein Bauernhaus geerbt. Mit Obstbäumen, an den Weinhängen gelegen. Kirsch-Auwärters Hauptwohnsitz war das Haus nur zwischenzeitlich. Jetzt will sie ganz dort leben. 
Was ihr größter Erfolg während ihrer Amtszeit war, steht für sie fest: das Dorothea-Schlözer-Programm auf den Weg gebracht zu haben. Das Programm umfasst verschiedene Gleichstellungsmaßnahmen, und zu ihm zählt auch die Vergabe von Stipendien. Seit 2009 konnten 50 Forscherinnen bei der Promotion oder Habilitation unterstützt werden. Namensgeberin Dorothea Schlözer erwarb 1787 in Göttingen als erste Frau Deutschlands den Doktortitel der Philosophie.

Schon immer ging es Kirsch-Auwärter darum, dass die Universitätsleitung die Gleichstellung auch als ihren  eigenen  Verantwortungsbereich anerkennt. Ein Meilenstein war in dieser Hinsicht die Zustimmung zu den Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 2009 geht ein entsprechender Bericht an die DFG. Er kann  für das Schicksal von Forschungsanträgen entscheidend sein.

In zwölf Jahren hat Kirsch-Auwärter aber immer wieder auch die Grenzen der eigenen Macht kennengelernt. Am zehrendsten waren wohl die Beratungsgespräche. Viele emotionale Ressourcen hätten sie gekostet. Karriere-Einbrüche, fehlende Drittmittel, Mobbing, Frauen, die nach einer Schwangerschaft „auf dem Abstellgleis“ landen. Um all das sei es in den Gesprächen gegangen. „Nach zweimal zwei Stunden Beratung sind sie ausgepowert“, sagt Kirsch-Auwärter. Diskriminierung von Frauen finde noch immer „in allen Arbeitsbereichen “ statt. Aber sie weiß: „Wenn Sie nur gepanzert mit Kritik durch die Flure der Uni gehen, erreichen Sie auch nichts“.

Die größte Enttäuschung  erlebte sie, als der Antrag auf Verlängerung des Zukunftskonzepts in der Exzellenzinitiative erfolglos blieb. Kirsch-Auwärter: „Wir hatten sehr auf den Ausbau von Diversität gesetzt.“  Große Hoffnung setzt sie nun auf den Ausbau des Instituts für Diversitätsforschung. Kirsch-Auwärter sagt: „Gleichstellungsbeauftragte müssen vor allem eines sein: Umdenkerinnen. Und das unaufhörlich.“

Von Telse Wenzel

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