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1350 Euro pro Jurist, 45800 pro Physiker

Einwerben von Drittmitteln an der Uni Göttingen 1350 Euro pro Jurist, 45800 pro Physiker

Wenn es um die Finanzierung von Forschungsvorhaben geht, sind Universitäten zunehmend auf sogenannte Drittmittel angewiesen. Auch in Göttingen wirbt die Universität knapp ein Viertel ihres Budgets bei externen Geldgebern ein – wobei die Fakultäten unterschiedlich erfolgreich sind.

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Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Die Universitätsmedizin ausgeklammert, liegen der Spitzenreiter und das Schlusslicht bei den Drittmitteleinnahmen weit auseinander: Rund 45 800 Euro pro Eingeschriebenen warb die Fakultät für Physik 2015 ein, die juristische Fakultät hingegen nur rund 1340 Euro. Und auch sonst scheinen die Naturwissenschaften erfolgreicher: Die Fakultät für Chemie warb pro Kopf rund 37 000 Euro ein, die Forstwissenschaften rund 25 000 Euro und die Mathematik rund 20 400. Die Geisteswissenschaften dümpeln hingegen durchgehend im mittleren vierstelligen Bereich vor sich hin.

Warnung vor direktem Vergleich

Vor einem direkten Vergleich der Einnahmen warnt Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel allerdings: Die Projektkosten in experimentellen oder labor­intensiven Fächern dürften grundsätzlich höher als in rein theoretischen Fächern ausfallen, erklärt sie die unterschiedlich hohen Einnahmen. Auch Geistes- und Naturwissenschaften gegeneinander auszuspielen, hält sie für nicht zielführend – auch, weil jüngste Rankings gezeigt hätten, dass die Universität in diesen Fächern auch ohne vergleichsweise hohe Drittmitteleinnahmen sehr erfolgreich seien könnten.

Denn während naturwissenschaftliche Institute beispielsweise dank Drittmitteln Millionenbeträge in Experimente mit Teilchenbeschleunigern investieren, reichen dem Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Vollmer 13 000 Euro, um die Auswirkungen des Einsatzes bestimmter Salze beim Schulessen in Indien zu bestimmen: „Mit dem Budget einer Juniorprofessur wäre das nicht realisierbar gewesen“, sagt er.

„Ich arbeite nur mit Geldgebern zusammen, die keinen Einfluss auf meine Forschungen nehmen wollen“

Der von Kritikern geäußerten Befürchtung, über die Drittmittel könnten die Geldgeber Einfluss auf Forschungsergebnisse nehmen, tritt Vollmer entgegen: „Ich arbeite nur mit Geldgebern zusammen, die keinen Einfluss auf meine Forschungen nehmen wollen“, sagt er. Und auch Ravi Ahuja, Leiter des fast vollständig aus Drittmitteln finanzierten „Center for modern indian Studys“ (CeMIS) sagt: „Eine Einflussnahme der Drittmittelgeber auf Forschungsergebnisse hat es bisher nicht gegeben“.

Trotzdem bleiben Fallstricke: „Drittmittel einzuwerben ist sehr zeitaufwendig“, sagt beispielsweise Beisiegel. Weil die Mittel nur projektbezogen vergeben werden, seien sie außerdem befristet verfügbar – für die Präsidentin ein Grund, für „eine richtige Balance zwischen Drittmitteln und Grundfinanzierung zu“ plädieren.

Das sind Drittmittel

„Drittmittel“ werden Gelder genannt, mit denen Hochschulen abseits des eigenen Budgets Projekte, meist Forschungsvorhaben, finanzieren. Die Mittel kommen teils von Forschungsförderungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), aber auch aus der Politik und von Unternehmen. Gerade bei letzteren befürchten Kritiker eine Einflussnahme auf die Wissenschaft – „Werden Hochschulen zu Sklaven der Wirtschaft?“, titelte beispielsweise „Zeit“ im vergangenen Jahr.

Drittmittel an der Universität Göttingen

Seit 2015 müssen niedersächsische Universitäten ihre eingeworbenen Drittmittel offenlegen. Der Sonderfall Universitätsmedizin ausgeklammert, stammten rund 95,4 Millionen Euro des rund 450 Millionen Euro umfassenden Budgets aus externen Quellen. Mehr als die Hälfte davon kam allein von der DFG.

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