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Empfang für Nobelpreisträger Stefan Hell in Göttingen

Gelungene Überraschung Empfang für Nobelpreisträger Stefan Hell in Göttingen

Applaus, Applaus für Nobelpreisträger Stefan Hell. Am Donnerstag haben den 51-jährigen Physiker mehr als 400 Kollegen und Mitarbeiter im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie begeistert begrüßt. Am Abend wurden seine Erfindung der STED-Mikroskopie, für die er am 10. Dezember in Stockholm den Nobelpreis für Chemie erhalten hat, und die „Genialität unseres Preisträgers“ in der Aula am Wilhelmsplatz in einem Festakt gewürdigt. Dazu hatten Max-Planck-Gesellschaft und Georg-August-Universität 450 Gäste eingeladen

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Überraschung gelungen: Nobelpreisträger Stefan Hell.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Den Chemie-Experimentierkasten hat Stefan Hell nur kurze Zeit in Händen gehalten, dann gab es eine freundliche Übernahme von seinen drei Kindern.

Was soll auch ein Chemie-Nobelpreisträger mit einer Einführung in die Experimente der Chemie? „Damit du deine Wissenslücken füllen kannst“, meinte zu dem Geschenk Prof. Gregor Eichele, Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, wo Hell seit 1996 tätig ist. Physiker Hell ist am 10. Dezember für seine Erfindung der STED-Mikroskopie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Weniger der Preis als vielmehr die Disziplin sei nicht nur für ihn eine Überraschung gewesen, betonte Prof. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Er hatte zusammen mit Herbert Jäckle vom Göttinger MPI am Donnerstag Hell in dessen Abteilung Nano-Biophotonik einen Besuch abgestattet.

Das ist der vierte Nobelpreis für das Institut

Kurz nach 15 Uhr luden sie Hell zum Kaffeetrinken in die Cafeteria ein – und kamen nur ins Foyer: Dort bereiteten mehr als 400 Mitarbeiter des Max-Planck-Campus dem am Mittwoch nach Göttingen zurückgekehrten Nobelpreisträger für Chemie 2014 einen überraschenden Empfang mit Musik und 450 Luftballons in Blau und Gold, den Farben der Stockholmer Nobel-Stiftung, sowie begeistertem Applaus für Hell. Eine gelungene Überraschung.

Der Nobelpreis, so Hell, „wäre nicht möglich gewesen ohne dieses Institut. Es ist eines der besten, um Spitzenforschung zu machen.“ Zuvor hatte MPG-Präsident Stratmann erklärt, dass Hell sich den Nobelpreis persönlich verdient habe, aber die Leistung seines Teams auch dazu beigetragen habe. „Das ist der vierte Nobelpreis für das Institut. Das kann auch kein statistischer Ausreißer mehr sein“, betonte Stratmann.

Zwei dieser Preisträger – Manfred Eigen, Chemie-Nobelpreis 1967, und Erwin Neher, Physiologie/Medizin-Nobelpreis 1991 –  waren unter den Gästen und hörten das sicher gerne. Und Stefan Hell meinte, „ich wünsche mir viele solche Anlässe für das Institut und die MPG. Ich bin mir sehr sicher, dass wir das erleben werden“.

Launige Rede über Stockholm

Am Abend in der Aula der Universität hielt Nobelpreisträger Neher die Laudatio auf den Laureaten. Die „Genialität unseres Preisträgers“ verdeutlichte Neher, indem er beschrieb, wie Hell das aus der Quantenoptik bekannte Phänomen der stimulierten Emission für die Überwindung der Beugungsgrenze des Lichts genutzt habe und er damit den Blick in lebende Zellen ermöglichte.

„Ich bin überzeugt, dass deine Erfindung früher oder später den Nobelpreis für Physik oder für Medizin  gebracht hätte. Die Kollegen in Stockholm hätten es sich leichtmachen können, wenn sie dir kurzerhand alle drei Preise verliehen hätten“, formulierte Neher humorvoll seine Wertschätzung für Hell.

Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel dankte Hell für seine Unterstützung von Universität und Fakultät für Physik sowie für sein Engagement in Lehre und wissenschaftlichen Kooperationen des „Goettingen Research Campus“. MPG-Präsident Stratmann betonte,  dass es Angebote aus den USA, von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology, gab für Hell.

MPG und das Land überzeugten vom Standort Göttingen. Nobelpreisträger Hell dankte am Ende den Verantwortlichen des Instituts, die ihm 1996 viel zutrauten, und mit einer launigen Rede über die Nobelwoche in Stockholm. Für ihn sei es „etwas Besonderes, diesen außergewöhnlichen Preis in Göttingen zu feiern.“

„Darum beneiden mich alle Kollegen“

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) hat am Donnerstagabend darauf hingewiesen, dass das Land sich dafür einsetzte, Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell in Niedersachsen als Forscher zu halten. Im Interview spricht sie über die Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Göttingen und die besonderen Möglichkeiten der Forschungsförderung.

Wie bewerten Sie den Wissenschaftsstandort Göttingen im Land Niedersachsen und national?
Göttingen ist traditionell einer der ganz großen Wissenschaftsstandorte in Deutschland; nicht zuletzt wegen der Anzahl von fünf Max-Planck-Instituten am Ort. Und in Niedersachsen ist Göttingen hinsichtlich der Anzahl der Nobelpreisträger konkurrenzlos.

Die vier am heutigen Abend erwähnten Nobelpreisträger forschten und forschen am Max-Planck-Institut für biopyhsikalische Chemie…   
…ja, alle kommen aus diesem einen Institut. Exzellenz zieht Exzellenz an – oder, gute Nachwuchsforscher wollen wissenschaftlich arbeiten bei Spitzenforschern.

Bringt der Nobelpreis  für Niedersachsen einen Vorteil oder wird der international viel mehr als nationaler Erfolg wahrgenommen?
Niedersachsen profitiert als Land selbstverständlich davon, wenn ein Nobelpreis nach Göttingen geht.

Über die Volkswagen-Stiftung und das Instrument „Niedersächsisches Vorab“ kann das Land viel für die Wissenschaft tun. Werden die Gelder auch für Spitzenforscher eingesetzt?
Über die Forschungsfördermittel des Niedersächsischen Vorab kann das Land Niedersachsen verfügen. In diesem Jahr über die Rekordsumme von 140 Millionen Euro. Darum beneiden mich als Wissenschaftsministerin alle Kollegen in den anderen Bundesländern. Mit den Fördermitteln können wir als Land die Linie „Holen und Halten“ von Spitzenforschern verwirklichen. Sie ermöglicht es auch, Herrn Professor Hell Forschungsbedingungen zu bieten, um ihn in Niedersachsen zu halten.

Am heutigen Donnerstag-abend sind zur Feierstunde in der Aula der Universität Göttingen drei Nobelpreisträger anwesend. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Nein, noch nie bin ich so vielen Nobelpreisträgern an einem Abend begegnet. Und beim Empfang zum 70. Geburtstag von Herrn Neher im Frühjahr waren er und Herr Sakmann, die ersten Nobelpreisträger, denen ich überhaupt begegnet bin.  

Das Interview führte Angela Brünjes

Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes hat in einem Blog täglich aus Stockholm über die Nobel-Woche, die Nobel-Lecture und natürlich die Verleihung des Nobelpreises berichtet. Angereichert mit verschiedenen multimedialen Inhalten, wie Videos oder Bildern, waren Sie als Leser bei dieser Reise hautnah dabei. Hier können Sie die Nobel-Woche noch ein Mal  Revue passieren lassen.

 

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