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Erdöl: Steiler Abfall der Fördermengen

Akademiewoche eröffnet Erdöl: Steiler Abfall der Fördermengen

Der Benzinpreis ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen und er wird so weitergehen. Daran lässt Wolfgang Blendinger, Deutschlands einziger Professor für Erdölgeologie, keinen Zweifel. Die Hälfte der Erdölvorräte sei mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits verbraucht.

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Probebohrung nach Erdöl in Brandenburg: Bis 2800 Meter Tiefe soll in Guhlen gebohrt werden.

Quelle: dpa

Göttingen. Es werden zwar immer neue Ölfelder entdeckt, aber sie seien im Vergleich zu den bekannten Feldern deutlich kleiner. Außerdem lasse sich das Öl dort schwerer und risikoreicher fördern. Gleichzeitig steige der Verbrauch trotz aller Bekenntnisse zum Klimaschutz ungebrochen.
„Derzeit liegt der weltweite Tagesverbauch bei 80 Millionen Barrel“, führt Blendinger aus, der an der Technischen Universität Clausthal lehrt. Das entspreche räumlich gesehen einem Würfel mit Kantenlängen von 250 Metern. Zum Vergleich: der Messeturm in Frankfurt am Main sei 257 Meter hoch. Der Mensch verbrauche seit Beginn des Erdölzeitalters 1860 in wenigen Jahrzehnten Vorkommen, die über Jahrmillionen von Jahren entstanden seien.

Akademiewoche: Akademiepräsident Stefan Tangermann, Referent Blendinger und Organisator Joachim Reitner (v.r.) .

Quelle: Hinzmann

Ausgangsstoff des Erdöls seien die organischen Bestandteile mikroskopisch kleiner Meereslebewesen. Nach ihrem Tod sänken sie auf den Meeresgrund, wo sie sich wegen des geringen Sauerstoffanteils in einer stinkende Substanz namens Kerogen wandelten. Mit dem organischen Material lagerten sich Ton- und Kalkpartikel am Meeresboden ab. Wenn diese Sedimentschichten eine Stärke von zwei Kilometern erreicht hätten, beginne sich das Kerogen in der Tiefe in Erdöl zu verwandeln. Zur Entstehung eines Erdöllagers müsste es in poröses Gestein abfließen können. Dort steige das Öl nach oben. Deshalb sei ab einer bestimmten Höhe wieder dichtes, undurchlässiges Gestein notwendig, damit sich das Öl anreichern können. Solche geologischen Verhältnisse seien selten. Die größte dieser Region erstrecke sich vom Ural bis zur Arabischen Halbinsel.

"Steiler Abfall"

Nach Blendiger ist ein „steiler Abfall“ der Fördermengen in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten. Dann werde der Preis nach oben schießen. Damit könnten sich ärmere Staaten und weniger vermögende Menschen in den Industrieländern kein Erdöl mehr leisten. Konflikte seien programmiert.

„Erdöl hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten Rohstoff überhaupt entwickelt“, sagt Blendinger. Die Weltwirtschaft sei von diesem Energieträger abhängig. Blendinger erwartet daher Kriege um die Kontrolle von Erdöllagerstätten. Der Professor macht auf einen wenig beachteten Aspekt der Energiewende in Deutschland aufmerksam. Er betont: „Zur Erzeugung von Stahlbeton für Windräder und für die Solarmodule der Photovoltaikanlagen ist sehr viel billiger Energie notwendig.“ Sollten in Zukunft die Erdölpreise explodieren, so würde auch die Herstellung der Anlagen sehr teuer werden.

„Bisher liegen die Energiepreise trotz aller Steigerungen noch unglaublich niedrig“, stellt der Wissenschaftler klar. Derzeit koste der Liter Super an der Tankstelle 1,70 Euro. Er liefere zehn Kilowattstunden Energie. Die gleiche Menge Energie mit menschlicher Muskelkraft zu erzeugen, koste bei einem Stundenlohn von fünf Euro 500 Euro.

Lösung

Und welche Lösung sieht der Professor für das Dilemma? Abschied von der Ideologie des steten Wirtschaftswachstums, Rückkehr zu regionalen Wirtschaftskreisläufen und radikales Überdenken der Konsumgewohnheiten. Blendinger sprach im Rahmen der Akademiewoche. Sie steht unter dem Thema: Zukunftsprojekt Erde.

Akademiewoche am Mittwoch, 5. September: Dr. Rüdiger Thomas, Hannover, spricht über „Tiefe Geothermie in Deutschland“ um 18.15 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9.

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