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Göttingen Die Geheimnisse des Erdwerks von Wellie
Campus Göttingen Die Geheimnisse des Erdwerks von Wellie
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09:00 13.03.2019
Das Luftbild zeigt die entstandenen Muster auf dem Feld während des heißen und trockenen Sommers 2018. Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege / Heinz-Dieter Freese
Göttingen / Nienburg

Forscher der Universität Göttingen wollen in den kommenden Wochen eine jungsteinzeitliche Grabenanlage bei Nienburg erkunden, um mehr über ihre Zeit und Kultur zu erfahren. Ein Amateur- und Luftbildarchäologe hatte die Anlage im vergangenen Jahr entdeckt, wie die Universität mitteilt.

Es ist Hochsommer, über den trockenen Feldern flimmert die Hitze. Heinz-Dieter Freese macht Luftaufnahmen von der Landschaft und den weiten Getreidefeldern. Dass er dabei eine möglicherweise 6000 Jahre alte Grabenanlage entdecken wird, ahnt er noch nicht. Die Grabenanlage, das Erdwerk von Wellie bei Nienburg, ist ein zentraler Platz der Jungsteinzeit, den ein Projektteam um den Archäologen Tobias Scholz von der Universität Göttingen jetzt erforschen will. Gemeinsam mit Studierenden der Ur- und Frühgeschichte und der Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft wird Scholz den Bereich mit geophysikalischen und bodenkundlichen Methoden untersuchen, um herauszufinden, wofür die Anlage früher genutzt wurde.

Geomagnetische Untersuchung

Nach ersten Erkenntnissen haben frühe Bauernkulturen an der Anlage mit viel Arbeit Gräben erstellt. Die Forscher wollen die Gräben und vorhandene Spuren von Innenbebauung und Toranlagen analysieren, beispielsweise indem sie die Magnetisierbarkeit des Bodens erforschen. „Zunächst wird das Erdwerk mit einer geomagnetischen Prospektion analysiert“, erklärt Scholz. Objekte oder ehemalige Eingriffe in den Boden werden dabei als Unregelmäßigkeiten im Erdmagnetfeld abgebildet. Dann führen die Wissenschaftler die geomagnetischen und bodenkundlichen Ergebnisse mit den Informationen, die bei Flügen über die Anlage gesammelt wurden, zusammen. Sie planen, gegebenenfalls auch in die Tiefe zu gehen. „Gezielte Bohrungen können zudem Hinweise auf die Tiefe und Verfüllungsprozesse der ehemaligen Gräben liefern und so möglicherweise Erkenntnisse zur Gestalt und Nutzung dieser Anlage erbringen“, sagt Scholz.

Geomagnetische Vermessung der Fläche im März 2017 während einer Vermessungstechnikübung für die Studierenden des Seminars. Quelle: r / Ronald Reimann

Der heiße Sommer im vergangenen Jahr hatte die Entdeckung der Anlage begünstigt: Durch große Trockenheit zeichneten sich an der Fundstelle Muster im Getreide ab, die auf Gräben im Untergrund hindeuteten. Der Amateur- und Luftbildarchäologe Freese hatte die Muster entdeckt. Bei den Untersuchungen in den kommenden Wochen will das Forscher-Team einen maßstabsgetreuen Plan der gesamten Anlage erstellen und sie zeitlich und kulturell einordnen.

Feuersteine, Scherben und Pfeilspitzen

Ein Beauftragter der Kommunalarchäologie hatte bereits 2017 einen kleinen Teil des Erdwerks untersucht. Er suchte nach Siedlungsplätzen, die ungefähr der gleichen Zeit zuzuordnen waren wie das nahegelegene Gräberfeld bei Liebenau und Steyerberg. Dabei entdeckte er zwar nicht die Grabenanlagen, dafür aber mehr als 1000 Funde wie Feuersteinartefakte, Keramikscherben und einzelne gebrannte Knochen.

Oberflächenfund einer Pfeilspitze von der Innenfläche des Erdwerks. Quelle: r / Ronald Reimann

Aus diesen Funden können die Forscher erste Schlüsse zum Alter der Anlage ziehen. „Einige Gerätschaften wie Pfeilspitzen ermöglichen eine genaue kulturelle Zuordnung“, sagt Scholz. Demnach stammt das Erdwerk, angelehnt an die Datierung ähnlicher Anlagen, aus dem vierten Jahrtausend vor Christus und stellte möglicherweise einen überregionalen Versammlungsort dar.

Anlagen mit einem so hohen Alter sind im Landkreis Nienburg an der Weser äußerst selten. Dank des Fundplatzes der Anlage können die Wissenschaftler nun belegen, dass diese Art von Anlagen weiter nach Nordwesten ausgebreitet war als bisher angenommen.

Von Lisa Marie Bohlander

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