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Erkenntnisse über die Toten aus der Lichtensteinhöhle im Harz

Grab für fünf Generationen Erkenntnisse über die Toten aus der Lichtensteinhöhle im Harz

In den vergangenen sechs Jahren seit Eröffnung des Höhlenerlebniszentrums (HEZ) oberhalb der Bergstadt Bad Grund hat sich sehr viel bei der weiteren Erforschung der Toten aus der Lichtensteinhöhle zwischen Dorste und Förste getan. Die aktuellste gemeinsame Publikation ist eine Zusammenarbeit von Dr. Stefan Flindt (Kreisarchäologe) und Dr. Susanne Hummel vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut der Universität Göttingen.

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Im Höhlenerlebniszentrum zu sehen: Nachbildung eines Mitglieds der ältesten genetisch nachgewiesenen Familie der Welt.

Quelle: dpa

Bad Grund. Das Buch „Die Lichtensteinhöhle. Bestattungsplatz einer Großfamilie aus der Bronzezeit“, dessen Herausgeber das HEZ ist, zeigt auf 144 Seiten den momentanen Stand der Untersuchungen, der sowohl für den Fachmann als auch für den Laien ansprechend formuliert und zahlreich bebildert ist.

Besonders erfreulich sei, dass inzwischen neben Bronzefunden noch weitere 22 Skelette mittels genetischem Fingerabdruck innerhalb der Großfamilie zugeordnet werden konnten, sagt Hummel. Damit seien jetzt 62 menschliche Überreste aus dem ersten Jahrtausend vor Christus identifiziert.

Der Entwicklung in der DNA-Forschung sei es zu verdanken, dass man in der Gruppe der Skelette fünf Generationen und somit einen Lebenszeitraum von etwa 150 Jahren aufzeigen könne. Dabei seien fast alle Altersgruppen bis hin zu einem Alter von über 60 Jahren vertreten, was für die damalige Zeit ein herausragendes Alter sei.

Würdige Bestattung

Neue Erkenntnisse belegen, dass die Verstorbenen eine enge kulturelle Beziehung zum Thüringer Becken von der Goldenen Aue bis zum Kyffhäuser gehabt haben müssen, sagt Flindt. Jedoch liegen jetzt neue anthropologische Untersuchungen vor, die die damaligen Theorien einer Menschenopferstätte, wie sie auch am Kyffhäuser üblich waren, widerlegten. Bis auf kleinere, gut verheilte Knochenbrüche, deute nichts auf einen gewaltsamen Tod hin.

„Der Zustand der Knochen gibt uns deutliche Hinweise darauf, dass es sich um robuste und gesunde Menschen gehandelt haben muss, die vielleicht auch zu einer führenden sozialen Schicht gehörten“, so der Kreisarchäologe, der die Vermutung äußerte, dass man vielleicht irgendwann die ursprünglichen Gräber finde, die sich durchaus auf der Pipinsburg bei Osterode befinden könnten.

„Auch wenn die Knochen in der Lichtensteinhöhle scheinbar lieblos durcheinander lagen, kann das in der damaligen Zeit das Verständnis einer würdigen Bestattung gewesen sein“, betonte  Hummel im Zusammenhang mit der Auffindesituation.

„Dieser nachgewiesene Stammbaum ist in der Welt einmalig“

„Dieser nachgewiesene Stammbaum ist in der Welt einmalig“, schwärmt Flindt „so einen großartigen Fund gibt es nur bei uns in der Lichtensteinhöhle“. Bereits seit 2007 gilt auch als sehr wahrscheinlich, dass sogar heute noch Nachfahren des Familienclans aus der Höhle existieren.

Damals waren über 270 Personen aus den umliegenden Orten der Lichtensteinhöhle dem Aufruf zur Abgabe einer Speichelprobe gefolgt. Bei elf Personen konnte dasselbe genetische Muster wie bei einem Großteil der Toten nachgewiesen werden. Zwei Männer aus den Ortschaften Förste und Nienstedt wiesen sogar eine äußerst seltene Erblinie auf, die mit der eines Mannes aus der Höhle identisch sein soll.

Dass die damalige Entdeckung der Höhle ein großes Glück war, sei auch den richtigen Fachleuten vor Ort zu verdanken. Die Forschungen laufen derzeit noch weiter. Und so hofft Forscherin Hummel darauf, dass man irgendwann das vollständige Genom, also die Gesamtheit aller Gene in einem vollständigen Chromosomensatz, von einigen Toten aus der Lichtensteinhöhle entschlüsseln und die Ergebnisse mit anderen Wissenschaftlern teilen kann.

Von Herma Niemann

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