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Erste E-Mail vor 30 Jahren in Göttingen

Digitales Zeitalter Erste E-Mail vor 30 Jahren in Göttingen

Normalerweise werden Geburtstage gebührend gefeiert, zumal wenn es sich um den Jahrestag eines Ereignisses mit nachhaltiger Wirkung handelt. Ein solches Ereignis gab es vor 30 Jahren in Göttingen. Weil die breite Öffentlichkeit damals jedoch kaum Notiz davon nahm, weiß heute kaum jemand von diesem denkwürdigen Jubiläum: Im August 1985 begann in der Universitätsstadt Göttingen das E-Mail-Zeitalter.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Damals schlossen die IT-Experten der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung in Göttingen (GWDG) ihre Rechenanlagen an das europäische Forschungsnetz EARN (European Academic and Research Network) an. Im August 1985 schalteten sie dann den neu eingerichteten Zugang für den allgemeinen Benutzerbetrieb frei. Dadurch waren die Universität Göttingen und die südniedersächsischen Max-Planck-Institute mit zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa verbunden. Die Wissenschaftler konnten außerdem auf das Arpanet zugreifen, das als Vorläufer des Internet gilt. Und noch etwas war neu: Über das Programm Netjob, einem Vorläufer der heutigen ­E-Mail-Programme Outlook und Thunderbird, konnten sie Nachrichten an einzelne Nutzer der an das Netz angeschlossenen Rechner versenden.

 
„E-Mails haben zu der Zeit eigentlich noch keine große Rolle gespielt“, erinnert sich der frühere GWDG-Mitarbeiter Bodo Gelbe, der damals an der Einrichtung der Netzwerkverbindungen mitgewirkt hatte. Für die Forscher hätten sich vor allem neue Möglichkeiten eröffnet, um komplexe Modellrechnungen vornehmen zu können. Dass inzwischen mehrere Milliarden Menschen regelmäßig elektronische Nachrichten versenden und empfangen, habe damals niemand geahnt.

 
Eben weil man sich der Bedeutung des Ereignisses damals gar nicht bewusst war, lässt sich auch nicht mehr feststellen, an welchem Tag genau im August 1985 die erste E-Mail in Göttingen versandt wurde. Wann die erste E-Mail-Nachricht überhaupt in Deutschland eintraf, ist dagegen bekannt:  Am 3. August 1984, also ein Jahr vor dem Beginn der elektronischen Kommunikation in Göttingen, empfing Michael Rotert von der Universität Karlsruhe um 10:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) eine Grußbotschaft von Laura Breeden von der US-amerikanischen Plattform Csnet aus Cambridge (Massachusetts), die 22 Stunden zuvor abgeschickt worden war: „Wilkomen in Csnet! Michael, This is your official welcome to Csnet.“ Ein Jahr später errichtete Rotert an der Universität Karlsruhe den ersten Internetanschluss einer deutschen Hochschule.

Von Heidi Niemann

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