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Ersten Schub einer Psychose unterbrechen

Schizophrenie-Studie Ersten Schub einer Psychose unterbrechen

Schizophrene Psychosen zählen zu den am häufigsten zu relevanten Beeinträchtigungen führenden Krankheiten. Das Früherkennungs- und Behandlungszentrum für beginnende psychotische Störungen (FeTZiG) der Universitätsmedizin Göttingen beteiligt sich an der Studie über Therapien zur Vorbeugung der Schizophrenie. Ihr Titel: „Prevent“.

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Deutlicher Unterschied: Schnittbilder durch das Gehirn eines gesunden Menschen (rechts) sowie einer Person mit einem hohen Erkrankungsrisiko für Schizophrenie (links).

Quelle: FZJ

Ende 2007 entstand an der Psychiatrischen Klinik der Universitätsmedizin Göttingen ein Früherkennungs- und Therapiezentrum, das bereits in einer frühen Phase Patienten mit einem hohen Risiko für schizophrene Erkrankungen entdecken und behandeln kann. Seit kurzem beteiligt es sich an der bundesweiten Studie über Therapien zur Vorbeugung der Schizophrenie - Prevent.

In der Regel gehen dem Auftreten des ersten psychotischen Schubes fünf Jahre Krankheitsdauer mit weniger auffälligen Symptomen voraus. Bereits in dieser Zeit, so erklärt Dr. Thomas Wobrock, leitender Oberarzt des „Fetzig“, kommt es zum Auftreten von sozialen Funktionsdefiziten. „Mittlerweile liegen genug Hinweise dafür vor, dass die Unterbrechung dieser ersten, unbehandelten Krankheitsphase den weiteren Verlauf günstig beeinflussen kann.“ Ziel der Prevent-Studie ist es, verschiedene Behandlungsoptionen in dieser sogenannten Prodromalphase zu überprüfen, um im Ergebnis die Übergangsrate zur voll ausgeprägten Psychose zu senken und den Übergang so lange wie möglich hinauszuzögern.

Vorboten erkennen

Bundesweit sollen an neun Kliniken gut 380 Patienten teilnehmen. „Wir möchten pro Jahr rund zehn Patienten in der Prodromalphase in dieser Studie betreuen“, so Dr. Wobrock. Dafür müssen viele mögliche Betroffene auf das Vorliegen von Vorboten der Psychose (Prodromalsymptome) untersucht werden.

Um die Wirksamkeit von neuen Behandlungsmethoden zu überprüfen, werden die Studienteilnehmer per Zufallsprinzip auf drei Therapiearme verteilt: entweder erhalten die Patienten zusätzlich zu unterstützenden Gesprächen ein Medikament mit neuartigem Wirkmechanismus (Aripiprazol) oder ein Placebopräparat, oder sie werden mit einer kognitiven Verhaltenstherapie rein psychologisch betreut.

Doch welches sind nun die frühen Symptome für eine beginnende Psychose? Hierfür gibt es eine Checkliste mit 15 Fragen, darunter beispielsweise: „Sind Sie schweigsamer oder einzelgängerischer geworden? Haben Sie sich von anderen Personen zurückgezogen?“ oder „Hatten Sie häufiger als früher den Eindruck, dass andere Sie hereinlegen, ausnutzen oder betrügen wollen?“ „Nehmen Sie manchmal Menschen oder Dinge in Ihrer Umwelt verändert wahr? Sahen, hörten, spürten, rochen oder schmeckten Sie manchmal Dinge, die andere nicht wahrnehmen konnten, für die sich aber auch keine natürliche Erklärung finden ließ?“

„Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychotische Krisen leiden unter Symptomen, die denen einer Psychotischen Krise ähneln, jedoch deutlich schwächer ausgeprägt sind.“ So könne es etwa zu dem Eindruck kommen, von fremden Menschen auf der Straße angestarrt zu werden. Oder der Betroffene neigt dazu, das Verhalten seiner Mitmenschen – wie etwa Kichern oder Tuscheln – auf sich zu beziehen. Zusätzlich könne es zu unspezifischen Beschwerden wie Niedergeschlagenheit oder Ängsten kommen.

Die Symptome werden teilweise von der Umgebung, oft auch nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen und verursachen häufig Störungen des Wohlbefindens und des Leistungsniveaus. Bleiben diese Symptome unbehandelt, so besteht das Risiko einer Verschlimmerung der Beschwerden bis hin zur Entwicklung einer voll ausgeprägten Psychotischen Krise. „Daher“, so betont Dr. Wobrock, „sollten auch Betroffene, die nicht an der Studie teilnehmen möchten, sich unbedingt beim Hausarzt oder direkt im FeTZiG vorstellen.“

Interessenten an der Voruntersuchung zur Studie können sich bei Dr. Thomas Wobrock, Tel. 0551/39-6612, E-Mail: twobroc@gwdg.de melden.

Von Heike Jordan

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