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Göttingen Erster Doppelasteroid entdeckt
Campus Göttingen Erster Doppelasteroid entdeckt
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00:19 23.09.2017
Zweiteiliger Asteroid mit Koma und Schweif. Quelle: r
Göttingen

288P gehört zu der Gruppe außergewöhnlicher Asteroiden, die Staub und Gas ins All spucken – und sich damit ausgesprochen untypisch für „Bewohner“ des Asteroidengürtels verhalten. Von ihrer Entdeckung berichtet die Forschergruppe in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature. Darin charakterisieren sie den kosmischen Sonderling und kommen zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich vor nicht mehr als 5000 Jahren unter dem Einfluss der eigenen Rotation in zwei Teile zerbrach.

Kometen verbringen den Großteil ihrer Zeit am äußeren Rande des Sonnensystems. Führt sie ihre stark elliptische Umlaufbahn in den Einflussbereich der Sonne, werden sie aktiv: Gefrorene Gase verdampfen und reißen Staubteilchen mit sich ins All. Asteroiden, wenn auch ähnlich in Größe und Form, sind im Vergleich eher beständige, unveränderliche Himmelskörper: Sie ziehen ihre immer gleichen Bahnen im Asteroidengürtel, der sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter erstreckt.

In den vergangenen Jahren haben Forscher immer mehr Körper entdeckt, die sich nicht in dieses übersichtliche Schema einfügen. Auch 288P gehört dieser Gruppe an. Die so genannten aktiven Asteroiden bewohnen zwar den Asteroidengürtel, zeigen jedoch kometenähnliche Aktivität. Die Ursachen für das Staub- und Gasspucken können sehr unterschiedlich sein: Während einige Körper unter dem Einfluss der eigenen Rotation Material verlieren, wurden andere von kleineren Brocken getroffen. Ein solcher Einschlag kann nicht nur Staub aufwirbeln, sondern auch gefrorene Gase im Innern des Asteroiden freilegen, die dann verdampfen. Etwa 20 dieser exotischen Körper sind bisher bekannt. Doch 288P sticht durch eine weitere Eigenschaft hervor: Er besteht aus zwei getrennten Stücken, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt rotieren.

„Bereits 2011 wurden wir auf 288P aufmerksam“, erinnert sich Jessica Agarwal, Wissenschaftlerin am MPS und Erstautorin der neuen Studie. Der große Abstand, der 288P zu diesem Zeitpunkt von der Erde trennte, erlaubte es jedoch nicht, seine Gestalt näher zu untersuchen. Im September 2016 waren die Bedingungen günstiger. Auf dem Weg zu seinem sonnennächsten Punkt näherte sich der Asteroid der Erde auf nur etwas mehr als zweihundert Millionen Kilometer an.

Umfangreiche Analysen der Messdaten offenbaren jetzt einen einzigartigen Körper. Die Einzelteile, aus denen 288P besteht, messen etwa einen Kilometer im Durchmesser. Simulationen zeigen, dass der Abstand beider Teile ungewöhnlich groß ist: Sie umkreisen einander auf einer stark elliptischen Bahn mit einem Abstand von etwa 100 Kilometern. Dass der Körper immer dann aktiv wird, wenn er sich der Sonne nähert, deutet zudem darauf hin, dass freigelegte, verdampfende Gase seine Aktivität treiben. „288P muss vor kaum mehr als 5000 Jahren auseinandergebrochen sein“, so Agarwal. Sonst hätten sich diese Gase im vergleichsweise sonnennahen Asteroidengürtel längst vollständig verflüchtigt.

„Wir glauben, dass sich 288P in einem ähnlichen Prozess zweiteilte wie viele binäre Asteroiden“, so Agarwal. Durch die schnelle Rotation kann ein Asteroid auseinanderbrechen.

Von R

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