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Göttingen Zum letzten Mal mit Nachkriegscharme zu sehen
Campus Göttingen Zum letzten Mal mit Nachkriegscharme zu sehen
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00:25 25.05.2018
Sammlung des Ethnologischen Instituts in ihrer alten Form: Kustos Michael Kraus freut sich auf die Modernisierung. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Eine der eindrucksvollsten Ausstellungen in Göttingen wird geschlossen – für mindestens zwei Jahre. Am Sonntag, 27. Mai, ist die in die Jahre gekommene Präsentation in der Göttinger Ethnologe am Theaterplatz zu letzten Mal so zu sehen, wie sie seit Jahrzehnten dort steht, nämlich in alten Holz-Vitrinen und nach Ländern sortiert. In die Sanierung des Gebäudes werden 4,2 Millionen Euro investiert. „Dafür haben wir lange gekämpft”, sagt der Kustos der Sammlung, Michael Kraus.

Viele der Schränke, in denen Jahrhunderte alte, kostbare Zeugnisse alter Kulturen aufbewahrt werden, stammen aus den Anfangszeiten des 1935 gebauten „Instituts für Völkerkunde” am Theaterplatz. „Einige der Vitrinen stammen noch aus der Zeit der akademischen Sammlung vor 1840”, so Kraus. Dunkles Holz, ein leichter Geruch von Kampfer in der Luft, mit schwarzen Tüchern abgedeckte Glasschränke: Die Sammlung war bislang nur am Sonntag zu besichtigen, deshalb werden besonders lichtempfindliche Stücke wie der südamerikanischen Federschmuck, wochentags mit Stoff bedeckt. Auch das soll sich nach dem Umbau ändern – ebenso wie die Präsentation der Ausstellungsstücke. Die Sammlung umfasst 18 000 Exponate, etwa 10 bis 20 Prozent davon sind öffentlich ausgestellt. Der große Rest wird im Magazin, unter anderem im Keller des Instituts, gelagert.

Ethnologisches Museum wird umgebaut

Was Kapitän Cook so gesammelt hat

Ab Montag heißt es Kisten packen. „Noch sucht die Universität nach Lagerräumen für die Stücke. Die müssen ja zum einen konservatorisch aber auch sicherheitstechnisch für die Aufbewahrung geeignet sein”, erklärt der Kustos. Denn die Göttinger Ethnologie ist Besitzerin einiger nahezu einzigartiger Stücke von internationaler Bedeutung. Vor allem die Cook-Forster-Sammlung mit Gegenständen, die Kapitän James Cook zwischen 1768 und 1780 auf seinen Weltumsegelungen erwarb, ist einmalig. Rund 500 Teile dieser Reisen sind im Besitz der Universität Göttingen. Das bekannteste Stück, der Federkopf des hawaiianischen Kriegsgottes „Ku’”, ist bereits sicher untergebracht – er ist als Leihgabe in Stuttgart ausgestellt. „Die Göttinger Exponate sind extrem gut erhalten”, sagt Kraus.

Mehr Platz für die Sammlung

Die Sammlung Cooks ist ebenso auf Initiative des Göttinger Naturforschers Johann Friedrich Blumenbach nach Göttingen gekommen, wie die des Barons von Asch aus dem sibirischen Raum. Beides Sammlungen von Weltrang, die noch ein bescheidenes Dasein in der Ethnologie fristen.

Durch den Umbau, so erklärt Kraus, zieht die Ausstellung in den dritten Stock des Gebäudes, es wird mehr Platz geben und vor allem eine moderne Präsentation. Wie genau die künftige Ausstellung aufgebaut wird, soll noch in Kolloquien mit Studieren und Wissenschaftlern diskutiert werden.

Gemälde, Grafiken und Dokumente

Derzeit muss man schon ein wenig suchen, um manche Zusammenhänge zu finden oder menschliche Geschichten zu entdecken. Dabei hat die Sammlung auch jede Menge Dokumente, Gemälde, Grafiken und andere Originale zu bieten, die die Hintergrundgeschichten erzählen.

Führungen am Sonntag

Für die neue Dauerausstellung müssen nun noch Gelder eingeworben werden. „Wir rechnen mit rund 800 000 Euro, die noch benötigt werden”, so Kraus. „Göttingen hat jetzt die Chance, aus dieser exzellenten Sammlung etwas Tolles zu machen”, sagt er. Dann ist Schluss mit dem verstaubten Charme der Nachkriegszeit, den die Präsentation heute noch ausstrahlt. Aber wenn am Sonntag dort zum letzten Mal der Schlüssel umgedreht wird, dann „ist schon etwas Wehmut dabei”, sagt Kraus.

Die Sammlung in ihrer alten Form ist am Sonntag, 27. Mai, zum letzten Mal zu sehen. Die erste Führung (Cook-Forster-Sammlung) beginnt um 10 Uhr, die zweite (Indianer Nordamerikas) um 11 Uhr. Um 12 Uhr geht es um Ahnen, Geister und Masken in Melanesien, um 13 Uhr um japanische Samurai und ihre Kriegskunst, um 14 geht es um die Südsee und die letzte Führung startet um 15 Uhr zum Thema „Leben im hohen Norden”. Zwei Veranstaltung für Kinder finden noch im am 16. Juni und am 14. Juli statt.

Förderverein sammelt Spenden

Die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen wird von einem Förderverein unterstützt. Der Göttinger Gesellschaft für Völkerkunde hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sammlung „sowohl in materieller als auch ideeller Hinsicht zu unterstützen und im Bewusstsein der Bevölkerung stärker zu verankern“. Der Umbau des Gebäudes ist mit 4,2 Millionen Euro Landesmitteln gesichert, für die Ausstellung aber werden noch rund 800.000 Euro benötigt. Wer dazu einen Beitrag leisten möchte, kann einmalig spenden, mehrmals oder auch Mitglied im Förderverein werden. Der jährliche Beitrag liegt bei 30 Euro. Kontakt: Göttinger Gesellschaft für Völkerkunde e.V., Institut für Ethnologie, Theaterstraße 14, 37073 Göttingen, Telefon 05517 39-29300, ggv@gwdg.de

Von Britta Bielefeld

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