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Göttingen Töpfer spricht vor Forstwissenschaftlern
Campus Göttingen Töpfer spricht vor Forstwissenschaftlern
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21:39 05.05.2017
Quelle: Mischke
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Göttingen

est solle der Wille, nicht die eigene Überzeugung sein, empfahl Töpfer den 77 Absolventen des Master-Studiengangs Forstwissenschaft und Waldökologie in der Aula am Wilhelmplatz. Das, was die Wissenschaft heute für richtig halte, so der frühere Minister, könne sich morgen als falsch erweisen. Das, was Wissenschaftler heute empfehlen, könne morgen ungeahnte, zum Teil schlimme Konsequenzen nach sich ziehen.

Einst habe die Politik mit „viel wissenschaftlicher Unterstützung“ die Flurbereinigung vorangetrieben, nannte Töpfer ein Beispiel. Heute werden fehlende Hecken neben dem Pestizideinsatz als Grund für „die dramatischen Verluste“ bei Insekten genannt. Als Lösung für die so verursachten Probleme – etwa die Vermehrung von Schädlingen oder die mangelnde Bestäubung von Pflanzen – sprechen sich Wissenschaftler nun für den Einsatz von Drohnen aus.

Manchmal erwiesen sich wissenschaftliche Fehleinschätzungen als nicht ganz so schlimm, sagte Töpfer. So habe einst ein Göttinger Forstwissenschaftler erklärt, saurer Regen verursache das Waldsterben. Der Bund habe daraufhin die Entschwefelung von Rauchgasen vorangetrieben. Mittlerweile sehe die Wissenschaft einen solchen Zusammenhang nicht mehr. China setze die Entschwefelungstechnik dennoch ein, um das Smog-Problem seiner Metropolen zu lösen.

Manche wendeten sich heute enttäuscht von der Wissenschaft ab, folgten „alternativen Fakten“, bedauerte der Christdemokrat. Töpfer mahnte stattdessen eine selbstkritische Haltung bei Wissenschaftlern ein. Deren Erkenntnisse seien nicht „wahr“, sondern entsprechen dem derzeitigen Stand des Wissens.

Nach dem Vortrag überreichte Studiendekan Prof. Achim Dohrenbusch den Absolventen ihre Abschlussurkunden. Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg dem besten Absolventen den Sayn-Wittgenstein’schen Forstlichen Förderpreis. Charlotte Grossoird vom Los Alamos National Laboratory erhielt den Göttinger Preis für Waldökosystemforschung. Christopher Imre Seif wurde für die beste Masterarbeit ausgezeichnet.

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