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Fachkolloquim zu Karl Schwarzschild

Historischen Sternwarte Fachkolloquim zu Karl Schwarzschild

Es war die glücklichste Zeit seines Lebens, erklärte Karl Schwarzschild über seine Jahre als Direktor der Göttinger Sternwarte. Zum 100. Todestag des Astrophysikers hat an seiner alten Wirkungsstätte in der Geismarlandstraße 11 ein Fachkolloquium stattgefunden.

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Die Sternwarte war der Arbeitsplatz von Karl Schwarzschild.   

Quelle: Heller

Göttingen. „Mit 28 Jahren bekam der gebürtige Frankfurter 1901 in Göttingen seine erste Professur“, berichtete Schwarzschild-Biograf Adriaan Raap aus Stuttgart. Seit Jahren kommt der Wissenschaftler nach Südniedersachsen, um den Nachlass des Sternwarten-Direktors auszuwerten. Die Dokumente hat Schwarzschilds Sohn, der in den USA tätige Astrophysiker Martin Schwarzschild, der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek in Göttingen vermacht.

„Mit Schwarzschild, der zu den Begründern der Astrophysik zählt, fasste die Disziplin auch in Göttingen Fuß“, führte der frühere Göttinger Sternwarten-Mitarbeiter Axel Wittmann aus. Astronomische Beobachtungen wurden in Göttingen nachweislich seit 1748 betrieben. Damals beobachteten Prof. Andreas von Segner und andere eine partielle Sonnenfinsternis. „Am gleichen Tag entschied der Kurfürst von Hannover und englische König Georg II., nachdem die Göttinger Universität benannt ist, bei einem Festessen mit Professoren in der Paulinerkirche, die Astronomie zu einem Gegenstand der Forschung zu machen“, wusste Wittmann.

Produktiver Wissenschaftler

Karl Schwarzschild kam 1873 in Frankfurt zur Welt. Studiert hat er im seinerzeit deutschen Straßburg. Seine Habilitationsschrift verfasste er in München. Nach seinen Göttinger Jahren wurde der ungemein produktive und vielseitige Wissenschaftler Direktor der 1874 eröffneten Sternwarte in Potsdam. Es war die erste Einrichtung ihrer Art, die sich für die damals neue Astrophysik öffnete. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Schwarzschild freiwillig zum Kriegsdienst. Nebenher verfasste er wichtige Arbeiten zur Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein. 1916 kam bei ihm eine Autoimmunerkrankung zum Ausbruch, an der der 42-Jährige im gleichen Jahr starb. Beerdigt ist er in Göttingen, woher seine Frau stammt.

Die klassischen Astronomen berechneten unter anderem Sternenpositionen und Planetenbewegungen. Damit hat sich auch Carl Friedrich Gauß, der erste Direktor der Göttinger Sternwarte, befasst. „Voraussetzung für Astrophysik, die die Physik von Himmelserscheinungen erforscht, sind die Fotografie und Spektroskopie“, führte Wittmann aus. Zu den vielen astrophysikalischen Arbeiten Schwarzschilds gehören Studien über die Sonne. 1905 leitete der Sternwarten-Direktor eine Expedition nach Algier. Von einem Zelt in einem antiken römischen Theater aus beobachtete er eine totale Sonnenfinsternis. Die Ergebnisse veröffentliche er noch im gleichen Jahr.

Schwarzschild verließ Göttingen 1909, um Direktor der Sternwarte in Potsdam zu werden. „Aufgrund von Fehlentscheidungen, was das Personal und die Ausstattung der Sternwarte betraf, verlor Göttingen für viele Jahre seine Bedeutung für die Sonnenforschung“, sagte Wittmann. Später war die Sternwarte aufgrund der wenigen Sonnenscheinstunden und der geringen Luftqualität in Göttingen international nicht mehr konkurrenzfähig, so der Astrophysiker.

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