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Was Grundschüler über die EU wissen sollen

Fachtagung zur Europabildung Was Grundschüler über die EU wissen sollen

Ist europapolitische Bildung schon in der Grundschule nötig? Zu dieser Frage bezogen drei Vertreter aus Wissenschaft und Kultusministerium Stellung. Die Gastgeberin Prof. Monika Oberle diskutierte mit ihnen Chancen und Kritik dieses Leitthemas, das die Fachtagung zur Europabildung in der Primarstufe rahmte.

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Unterricht in einer Grundschulklasse: Im Sachkundeunterricht geht es auch um Europa und die Europäische Union.

Quelle: Kutter

Göttingen. Dass die Europäische Union als Thema schon im Sachkundeunterricht der Grundschule behandelt werden soll, darüber sind sich die drei Diskutanten einig. Robby Geyer (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) will dieses Thema stärker akzentuiert wissen. Man müsse zwischen Europabildung und EU-Bildung unterscheiden. Lernziel in der Grundschule sei es auch, zwischen diesen Begriffen unterscheiden zu können. Der eine behandelt die geografische, der andere die politische Dimension Europas.

Prof. Thomas Goll (TU Dortmund), der sich dem Plenum als „bad guy und critical friend“ vorstellt, hebt dagegen deutlich hervor: „Wenn wir von der EU reden, dann müssen wir den normativen Überschwang durch Realismus ersetzen. Das haben wir gerade in der Brexit-Debatte wieder gesehen.“ In der Grundschule sieht er vor allem die Vermittlung von Faktenwissen und Einstellungen im Vordergrund. Das Verständnis von Subsidiarität sei ein wichtiger Baustein Europas, den Grundschüler schon an ihrer eigenen Lebenswelt nachvollziehen könnten, so Goll.

Geyer hält dagegen, auch Subsidiarität, also das Prinzip einer vertikalen Zuständigkeit, die jeweils der kleinstmöglichen und größtnötigsten Entscheidungsinstanz zufällt, sei keinesfalls unumstritten. Er schlussfolgert: „Es verbietet sich, EU-Begeisterung zu erzeugen, weil man auch viel kritisch sehen kann.“ Oberle, Lehrstuhl Politikwissenschaft / Didaktik der Politik und Leiterin des Jean Monnet Projekts „Planspiele zur handlungsorientierten EU-Vermittlung in der Primarstufe" (PEP),  pflichtet ihm bei: „EU – Euphorisierung kann nicht Ziel politischer Bildung sein. Aber positive Einstellungen und Europa – Offenheit ohne zu überwältigen und ohne sich, in Vielfalt vereint, gegen die Vielfalt der restlichen Welt abzugrenzen.“

Claudia Schanz (Niedersächsisches Kultusministerium) vertritt ebenfalls die Meinung, politische EU – Bildung in der Grundschule sei angebracht, um besonders Vielfalt als EU – relevantes Thema und als Wert zu vermitteln. Sie verteidigt sich gegen die Kritik, die an das niedersächsische Kultusministerium gerichtet war, dass Lehrerfortbildungen nicht ausreichend angeboten würden und EU als Thema nicht in den Kerncurricula verankert seien. In beiden Fällen sieht sie ebenfalls Handlungsbedarf, lobt aber schon angeschobene Initiativen auf Seiten des Ministeriums.

Deutlich traten die Konfliktpunkte zu Tage, die während der Fachtagung auch in anderen Vorträgen immer wieder diskutiert und umstritten waren. Einerseits möchten viele Fachdidaktiker den affektiven von Neugier geprägten Zugang von Kindern zum Thema der EU nutzen, um erste Grundsteine für politisches Interesse, eine positive Einstellung gegenüber dem politischen Projekt der EU und politische Urteilsfähigkeit zu legen. Auf der anderen Seite warnen sie vor einer unreflektierten Herangehensweise, die die EU einseitig darstellt, weil Lehrer in ihrer Ausbildung nicht auf die Herausforderungen vorbereitet werden, die die didaktische Reduktion eines so komplexen Themas mit sich bringt.

Fachtagung: Europabildung in der Primarstufe

Wie kann man erste Eindrücke und Einstellungen zur Europäischen Union in der Grundschule vermitteln? Lehrer des Sachkundeunterrichts müssen den Spagat schaffen, ein komplexes Thema nicht so stark zu vereinfachen, dass es realitätsfremd wird und seine Kontroversität verliert und andererseits Grundschüler mit komplizierten Sachverhalten nicht zu überfordern. Auf der Fachtagung zum Thema „Politische EU-Bildung in der Grundschule?!“ stellten mehrere Fachdidaktiker ihre Forschungsarbeiten zu Planspielen der EU-politischen Bildung vor.

Planspiele sind Simulationen, in denen Schüler versuchsweise in eine Rolle schlüpfen und Prozesse in den EU – Institutionen nachvollziehen können. Die Auswirkungen auf Interesse, Motivation und politische Einstellungen insbesondere von Grundschülern sind noch wenig erforscht. Erste Ansätze stellten Teilnehmer der Fachtagung vor. Veranstalterin Prof. Monika Oberle (Universität Göttingen) fasste zusammen: „Ich denke, dass in vielen Grundschulstudien, die Kinder unterschätzt werden. Man könnte noch viel mehr herausfinden.“ joe

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