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Fakultät eröffnet „Jahr der Chemie“

Mit Experimentalvorlesung Fakultät eröffnet „Jahr der Chemie“

Die Chemie ist noch immer meine heimliche Geliebte“, heißt es in einem Brief von Johann Wolfgang von Goethe an seine enge Freundin Charlotte von Stein. Im Hörsaal der Fakultät für Chemie tritt Prof. Helmut Gebelein zur Auftaktveranstaltung der Reihe „Das Jahr der Chemie in Göttingen. Sie werden Augen machen!“ den Beweis für Goethes Leidenschaft an. Dazu zeigt der Chemiker eindrucksvolle Experimente, die sich zahlreich in Goethes Werken finden.

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Goldstaub aus Blei-Jodid: Gebelein (links) erklärt das von Heiko Barth durchgeführte Experiment.

Quelle: Hinzmann

Obwohl Goethe in seiner Jugend nie Unterricht in den Naturwissenschaften erhalten habe, sei er von diesen sehr angetan gewesen, erklärt der pensionierte Professor, der in Frankfurt, Paris und Tel Aviv studierte und von 1972 bis 2005 am Institut der Didaktik für Chemie an der Justus-Liebig-Universität Gießen lehrte. Die Alchemisten glaubten, dass die gesamte Natur belebt sei, auch Mineralien.

Mit dem Experiment „Der chemische Garten“ führt Heiko Barth, der Gebelein in der Experimentalvorlesung assistiert, dies eindrucksvoll vor. In das alkalische Gel „Wasserglas“ werden Kupfersulfat und Eisenchlorid gegeben, aus den Kristallen wachsen pflanzenartige Gebilde in verschiedenen Farben. Ebenfalls sehr beeindruckend ist der „Goldregen“, bei dem eine Blei-Jodid-Lösung in einem großen Glas erhitzt wird, wodurch das Blei-Jodid als „Goldstaub“ ausfällt. Die Alchemisten waren der Meinung, dass „alle Metalle im Laufe der Zeit zu Gold werden“, erläutert Gebelein.

Goethes Werk „Faust ist ein alchemistisches Drama von Anfang bis Ende“, stellt Gebelein fest. Im ersten Teil werde beispielsweise der Vater von Faust im Osterspaziergang als trügerischer Arzt präsentiert und Faust im Hexenkeller einer Verjüngung unterzogen, eine Idee aus der außereuropäischen Alchemie. Im zweiten Teil finde man unter anderem die Herstellung des Homunculus, ein künstlich erschaffener Mensch in der alchemistischen Theorie.

Später habe sich Goethe auch mit der rationalen Chemie beschäftigt. „Er erlebte die Zeit des Umbruchs von der Alchemie zu Chemie aktiv mit“, erläutert Gebelein. 1772 habe Antoine Laurent de Lavoisier bei der Verbrennung von Diamanten herausgefunden, dass diese aus Kohlenstoff bestehen und das Kohlendioxid entdeckt – der Beginn der modernen Chemie.

Im vierten Kapitel von Goethes „Wahlverwandtschaften“ spielt eine Reaktion eine Rolle, bei der die Stoffe eine chemische Wahlverwandtschaft eingehen: Kalk und Schwefelsäure werden zu Gips und Wasser (und Kohlendioxid). Diese Stoffe symbolisieren die vier Personen des Kapitels, wobei die Zuordnung aber nicht eindeutig sei, so der Chemiker.

Auch Goethes Farbenlehre beziehe sich auf chemische Versuche. Gebelein hat drei Reagenzgläser mit alkoholischem Radieschen-Extrakt gefüllt. Dieser rosa Flüssigkeit wird zum einen Salzsäure und zum anderen Lauge zugegeben, wodurch sie sich rot beziehungsweise grün färbt. Der Versuch spiegelt die Extreme des pH-Wertes wider und sei der Grund gewesen, so Gebelein, weshalb Goethe Rot und Grün in seinem Farbkreis gegenüber angeordnet habe – ein Schauspiel.

2011 ist von den Vereinten Nationen zum Jahr der Chemie erklärt worden. Vor 100 Jahren habe Marie Curie den Nobelpreis für ihre Entdeckung von Uranium und Plutonium erhalten, erklärt die Dekanin der Fakultät Prof. Claudia Steinem einführend. Mit der Veranstaltungsreihe solle gezeigt werden, „was Chemie zum Wohle der Menschen leistet und zukünftig leisten kann“.

Von Noreen Hirschfeld

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