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Falschangaben schockieren die Universität

Kommission untersucht 16 Fälle Falschangaben schockieren die Universität

Wissenschaftliches Fehlverhalten in 16 Fällen untersucht eine Kommission der Georg-August-Universität. In allen Fällen ist der Sonderforschungsbereich 552 betroffen, der seit dem Jahr 2000 besteht und aufgrund der belegten Falschangaben zu Publikationen in diesem Jahr beendet wird. „Die Universität ist schockiert“, sagt der Präsident.

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Teil des Göttinger Forschungsprojekt in Indonesien wird beendet: Kakaopflanzung auf der Insel Sulawesi.

Quelle: Storma/pug

Die externen Gutachter waren mit den wissenschaftlichen Zielen und bisherigen Ergebnissen zur Erforschung der „Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien“ (Storma) zufrieden. Eine Bewilligung zur Fortsetzung des Sonderforschungsbereiches 552 (SFB) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die letzten drei Jahre bis 2012 schien im Februar aussichtsreich. 

Zudem hatten die beteiligten Wissenschaftler auch reichlich Publikationen in einer Kategorie ihres Antrags aufgelistet, die ihre wissenschaftliche Qualität untermauern sollten. Dann stellte sich heraus, dass einige der angegebenen Veröffentlichungen ein falsches oder kein Datum aufwiesen; für andere, die als „bei Fachjournalen eingereicht“ bezeichnet wurden, waren gar keine Manuskripte vorhanden. 

Revision der Ausgaben

Diese Erkenntnisse führten dazu, den Förderantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zurückzuziehen, keine Auslauffinanzierung vorzusehen. Die verantwortlichen Leiter der Forschungsgruppen  haben ihre Ämter sofort zur Verfügung gestellt.

Sofort habe auch die Universität reagiert, erklärt deren Präsident Prof. Kurt von Figura, und ihre eigene Ombudskommission eingeschaltet. Deren Prüfung hat in 16 Fällen wissenschaftliches Fehlverhalten ergeben. Noch während der Prüfung wurde sie beauftragt, das dem SFB nahestehende Graduiertenkolleg 1086 zu überprüfen. Dieses Verfahren läuft noch. 

Die 16 SFB-Fälle liegen nun der nächsten Instanz vor: Dabei handelt es sich um eine Untersuchungskommission mit einer „externen Person, die zum Richteramt befähigt ist“ als Leiter. 

Außerdem hat auch die interne Revision der Universität mit der der DFG die Überprüfung der Mittelbewirtschaftung des SFB begonnen: Weil dieser Abgrenzungsregeln verletzt und DFG-Gelder nicht nach den Vorgaben ausgegeben haben soll. „Umfangreiche Prüfverfahren“, die zwei Förderperioden betreffen, sind nach Angaben von Figura vorgesehen. Dabei wird auch die Verwaltung des SFB in Indonesien durchleuchtet werden müssen. Kommt es zu berechtigten Beanstandungen, kann die DFG Geld zurückfordern.

Zu den beteiligten Personen will das Präsidium der Universität keine Angaben machen: „Für alle gilt die Unschuldsvermutung“ bis zum Ende der Untersuchungen, so Figura. Er stellt aber auch klar: „Die Universität ist schockiert über das wissenschaftliche Fehlverhalten, und das kann ich auch für die DFG sagen.“ Die Quantität der Falschangaben sei „neu für uns und die DFG“, erklärt der Universitätspräsident. 

Ansehen erheblich beschädigt

Weil das Präsidium sich darüber im Klaren ist, dass Fälle wie dieser der Universität Schaden zufügen, soll alles getan werden, Wiederholungen zu vermeiden. Neben der umfassenden Aufklärung werden neue interne Instanzen geschaffen, die bei der Mittelbewirtschaftung von Forschungsverbünden wie es auch Sonderforschungsbereiche sind, das Management übernehmen. Und Anträge der Universität Göttingen dürfen jetzt nur bereits veröffentlichte oder zur Publikation angenommene Veröffentlichungen beinhalten.

Für den Sonderforschungsbereich, dessen Sprecher bisher der Göttinger Agrarökologe Prof. Teja Tscharntke war und derzeit der Ökonom Prof. Stephan Klasen ist, kommen diese Sicherheitsmaßnahmen zu spät. Er wird abgewickelt. „Personen sind betroffen, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen“, betont Figura. Ebenso wie dieser Fall die Universität trifft. Aus Sicht der Präsidiums heißt es dazu: „Unabhängig von den Ergebnissen der Prüfverfahren ist die Reputation der Universität Göttingen erheblich beschädigt worden.“

Von Angela Brünjes

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Typisch für das Untersuchungsgebiet in Indonesien: Kakaobaum mit Früchten.

Im Frühsommer 2009 geriet die Universität Göttingen bundesweit in die Negativschlagzeilen. Damals waren Gutachter darauf gestoßen, dass Wissenschaftler in einem Antrag auf Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Publikationen aufgeführt hatten, die noch gar nicht zur Veröffentlichung eingereicht worden waren. Vier Jahre später ist die Affäre immer noch nicht abgeschlossen.

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