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Finale des Debattenwettkampfs der Wochenzeitung „Die Zeit“

Streitgespräche schulen zu Toleranz Finale des Debattenwettkampfs der Wochenzeitung „Die Zeit“

Die 140 besten Debattenredner unter Deutschlands Studierenden sind am Wochenende in Göttingen gegeneinander angetreten. Das Marburger Team Marc-Andre Schulz (26) und Ruben Brandhofer (24) setzte sich im Finale des Wettkampfs durch, den die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ sponsert.

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Quelle: Heller

Göttingen. Britischer Parlamentsstil nennt sich der Wettbewerbsstil, den laut Veranstalterangaben rund 210 Menschen in der Aula am Wilhelmsplatz mitverfolgten.

Vier Zweier-Teams traten gegeneinander an. Die eröffnende Regierung begann. Ihr Thema in Göttingen, das die Finalisten 15 Minuten vorher erfuhren: „Made in Germany“ soll durch „Made in EU“ ersetzt werden. Die eröffnende Opposition erwiderte. Dann vertiefen die beiden zweiten Debattanden in einer weiteren Runde Pro und Contra. Es folgt die schließende Regierung, dann die schließende Opposition.

Jeder Redner hatte sieben Minuten Zeit. Die Positionen, die sie vertraten, entsprachen nicht der eigenen Meinung. Sie wurden ausgelost. Das zwang die Debattanden, sich in andere Positionen hineinzudenken, Argumente zu entwickeln und überzeugend vorzutragen.

Im Streitgespräch mussten sie auf die Ausführungen der anderen eingehen. Sie sollten sie abwägen, widerlegen, zerpflücken. So wurden im Laufe der Debatte die Zettelsammlungen, mit denen die Redner zum Pult gingen, immer umfangreicher.

Vorne stehend, überlegten sie eine Weile, bevor sie ihr rhetorisches Feuerwerk abbrannten. Viele Finalisten in Göttingen sprachen rasend schnell. Eine Ausnahme war Brandhofer. Er überzeugte die Ehrenjury, die ihn zum besten Redner kürte, mit seiner ruhigen, überlegten Art. So begründete es die Göttinger Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel.

„Bei meinem ersten Streitgespräch ist mir mein großer Nachholbedarf bewusst geworden“, erklärt der Psychologie-Student während des anschließenden Empfangs von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), auch er Ehrenjurymitglied. Er habe unbedingt so gut reden wollen wie seine Gegner, so Brandhofer.

Immer wieder habe er sich dem Wettbewerb gestellt und den anderen ihre Kniffe abgeschaut. Das Debattieren habe ihn verändert. „Ich habe gelernt, dass es immer zwei Seiten gibt und jede gute Argumente hat“, erläuterte er.

„Ich bin toleranter geworden“, bestätigte auch Finalist Julian Vaterrodt (25), der in Iserlohn Betriebswirtschaftslehre studiert. Er werde später im Beruf weniger Probleme mit überzeugenden Präsentationen haben, glaubt er. „Ich komme schneller auf den Punkt und bleibe in Debatten beim Thema“, berichtete Finalistin Barbara Schurnicht (26). Sie schreibt in Hamburg ihre Doktorarbeit in Rechtswissenschaften. „Mich reizt der intellektuelle Wettbewerb“, erklärte Rauad Abagela (27). Er promoviert in Kiel in Volkswirtschaftslehre.

Zur Ehrenjury gehörten neben Beisiegel und Köhler unter anderem noch Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) und William Gatward von der Britischen Botschaft in Berlin.

Von Michael Caspar

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