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Verhältnis von Religion und Recht

Universität Göttingen Verhältnis von Religion und Recht

Die Universität Göttingen ist an zwei neuen europaweiten Verbundprojekten in den Geisteswissenschaften beteiligt. Die Forscher beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Religion und Recht, die Europäische Union fördert die Projekte über das Netzwerk „Humanities in the European Research Area“ (HERA).

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Im Koran wurde die Scharia offenbart.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Göttinger Islamwissenschaftlerin Prof. Irene Schneider ist an einem Projekt beteiligt, das erforscht, wie die Scharia der früheren Zeit in islamischen Ländern für heutige Rechtsdiskurse benutzt wird. Der Göttinger Kirchenrechtler Prof. Dr. Hans Michael Heinig arbeitet an einem Projekt, das sich mit dem weltlichen Charakter des Nordischen Rechts auseinandersetzt und der Frage nachgeht, inwiefern das Erbe der Reformation das Verständnis von Recht und Gesetzgebung in den nordischen Ländern beeinflusst hat.

Im Projekt „Understanding Shari’a: Perfect Past/Imperfect Present“ (US-PPIP) steht der Umgang heutiger muslimischer Staaten mit der „vollkommenen Vergangenheit“ der Scharia im Fokus. Damit ist die Zeit zwischen den Jahren 622 und 632 gemeint, in der Prophet Muhammad in Medina als Gesetzgeber agierte und die Scharia, das göttliche Recht, das im Koran offenbart wurde, anwandte. Das Projekt erforscht unter anderem, wie diese Vergangenheit in gegenwärtigen juristischen Diskussionen genutzt wird, um Gesetzgebung, aber auch Rechtsprechung und Rechtspraxis zu rechtfertigen. Schneider konzentriert sich auf die Geschlechterstellung: In vielen modernen muslimischen Staaten stehen feministische Koranexegetinnen und -exegeten gegen die etablierte Macht des meist männlich dominierten Establishments der Gelehrten, und Parlamentarier ringen um Neudeutungen beispielsweise im Ehe- und Scheidungsrecht. Das Projekt US-PPIP wird zwei Jahre lang mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gefördert, der Göttinger Anteil beträgt 250 000 Euro.

Im Projekt „Protestant Legacies in Nordic Law: Uses of the Past in the Construction of the Secularity of Law“ (ProNoLa) geht es um die Frage, ob die konfessionelle Homogenität in den nordischen Ländern und der daraus resultierende Einfluss lutherischer Theologie zu einem eigenen Verständnis von der Säkularität staatlichen Rechts geführt hat. Die Forscher untersuchen vier Epochen seit dem 16. Jahrhundert aus theologischer, religionssoziologischer, historischer und juristischer Perspektive um herauszufinden, welche Konzepte für das Verhältnis von Religion, Recht und Staat in dieser Zeit entwickelt wurden. Die Fördersumme für ProNoLa beträgt über drei Jahre insgesamt rund 1,1 Millionen Euro, von denen rund 120 000 Euro nach Göttingen fließen.

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