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Forscher entdecken drei neue Affenarten

Primatenforschung Forscher entdecken drei neue Affenarten

Drei neue Arten von Mausmakis haben Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums Göttingen auf Madagaskar entdeckt. Damit steigt die Anzahl der bekannten Mausmaki-Arten auf 24. Noch vor 20 Jahren waren nur zwei Arten dieser kleinen, nachtaktiven Primaten bekannt.

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Microcebus ganzhorni ist zu Ehren des Hamburger Ökologen Jörg Ganzhorn benannt, der seit mehr als 30 Jahren Ökologie und Naturschutz in Madagaskar betreibt.

Quelle: Donati

Göttingen. Neue genetische Methoden sowie Expeditionen in entlegene Gebiete haben die Neubeschreibungen ermöglicht, an denen neben den Wissenschaftlern vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) auch Forscher der University of Kentucky, des amerikanischen Duke Lemur Centers und der Université d'Antananarivo auf Madagaskar beteiligt waren. Mausmakis sind kleine, nachtaktive Affen. Sie kommen wie alle Lemuren nur auf Madagaskar vor – und sie sehen sich alle sehr ähnlich mit ihrem braunen Fell und den riesigen Augen. Einzelne Arten lassen sich nur mit Hilfe genetischer Methoden unterscheiden.

Wie groß jedoch der Unterschied zwischen zwei Tieren sein muss, damit es sich um eine neue Art handelt, wird immer wieder in Fachkreisen diskutiert „Durch den Einsatz neuer, objektiver Methoden zur Bewertung von genetischen Unterschieden zwischen verschiedenen Individuen konnten wir mehrere unabhängige Belege dafür finden, dass diese drei Mausmakis neue Arten darstellen“, sagt Peter Kappeler, Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am Deutschen Primatenzentrum. Außerdem bestätigte die Analyse den Status der zuvor beschrieben 21 Arten. „Die von uns verwendeten genetischen Methoden könnten auch bei anderen Tiergruppen die Artbestimmung erleichtern und so zu weiteren Neubeschreibungen beitragen“, sagt Peter Kappeler.

Erst vor drei Jahren hatten dieselben Forschergruppen zwei neue Mausmaki-Arten beschrieben. Zu den Mausmakis gehört auch der kleinste Primat der Welt, der nur 30 Gramm schwere Madame Berthe’s Mausmaki. Ihn haben Wissenschaftler des DPZ im Jahr 1993 entdeckt. Neben besseren analytischen Methoden tragen Expeditionen in abgelegene und schwer zugängliche Waldgebiete dazu bei, dass die Vielfalt dieser entfernten Verwandten des Menschen immer besser bekannt wird. „Das exakte Verbreitungsgebiet einzelner Arten zu kennen ist notwendig, um funktionierende Schutzgebiete auszuweisen“, sagt Peter Kappeler, der seit über 20 Jahren an der Freilandstation des DPZ auf Madagaskar forscht. „Außerdem ist es ein wichtiger Baustein um zu verstehen, wie die Artenvielfalt auf Madagaskar entstanden ist.“

Ganzhorn’s Mausmaki ( Microcebus ganzhorni) wurde nach dem Hamburger Ökologen Jörg Ganzhorn benannt, der sich seit Jahrzehnten für die Erforschung und den Schutz von Lemuren einsetzt. Ganzhorn initiierte in den 1990er Jahren auch die Feldforschung des DPZ in Madagaskar. Ebenfalls im Südosten der „großen Insel“ lebt Microcebus manitatra, dessen Name im madagassischen die Ausweitung des Verbreitungsgebiets einer Untergruppe aus dem westlichen Madagaskar versinnbildlicht. Der dritte im Bunde, Microcebus boraha, ist nach seinem Fundort auf der Insel Sainte Marie (auf madagassisch Nosy Boraha) benannt.

Die mehr als 100 bekannten Lemurenarten sind laut der „Roten Liste“ der IUCN mehrheitlich in ihrem Bestand bedroht und stellen die weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohte Gruppe von Säugetieren dar. Brandrodung und Bejagung sind die Hauptursachen für die Bedrohung der Lemuren in einem der ärmsten Länder der Welt.

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