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Göttingen Fotografien zeigen Umgang mit familiärem Brustkrebs
Campus Göttingen Fotografien zeigen Umgang mit familiärem Brustkrebs
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00:34 19.05.2018
Ausstellungseröffnung der Wanderaustellung „Ansichtssache“ in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der UMG Göttingen. Die außergewöhnlichen Fotos der Fotografin Tamara Pribaten (Foto) sind rund um die Entscheidung und das Wissen bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs gemacht. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Da sind Frauen mit Brüsten zu sehen, die aussehen, als wäre nie etwas an ihnen gemacht worden. Frauen, die ihre operierten Brüste ohne Brustwarzen stolz in die Kamera halten. Eine schwangere Frau. All diese Schwarz-Weiß-Fotos vereint, dass sie Frauen, gesund oder krank, und ihrem Umgang mit dem Wissen über familiären Brust- und Eierstockkrebs zeigen. Ausgestellt werden die Fotografien im Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter dem Titel „Ansichtssache“.

Auslöser für die Idee der Ausstellung sei eigentlich der Fall von Schauspielerin Angelina Jolie gewesen, die sich ihre Brüste wegen eines genetisch bedingten erhöhten Krebsrisikos operieren lassen hatte, erzählt Andrea Hahne vom BRCA-Netzwerk. BRCA steht für „BReast CAncer“, das englische Wort für Brustkrebs. „Wir waren erschrocken, wie eng das Thema in den Medien behandelt wurde, da wurde eine Operation oft als einzige Möglichkeit thematisiert“, erzählt sie. Dass sie das nicht ist, will das Netzwerk gemeinsam mit Fotografin Tamara Pribaten zeigen.

Ausstellungseröffnung der Wanderaustellung "Ansichtssache" in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der UMG Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann

Die ist durch ganz Deutschland gereist, hat viel Zeit mit Frauen verbracht, die eine vererbbare, genetische Veränderung in den sogenannten BRCA-Genen und damit ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, und diese fotografiert. Dabei sind ganz unterschiedliche Aufnahmen entstanden. Auf einem ist eine Schwangere zu sehen. Es könnte eine ganz normale, ästhetische Aktfotografie sein. Nur bei genauerem Hinsehen sieht man eine unauffällige Narbe an der einen Brust. „Es erschien mir so ungerecht: Statt eines Babys bekam ich Krebs“, steht darunter. Das ist berührend und traurig. Hahne erklärt, dass die Frau während ihrer Schwangerschaft die Diagnose Brustkrebs bekam und während der Therapie abtreiben musste. „Nach der Chemo-Therapie ist sie dann wieder schwanger geworden und hat ein gesundes Kind bekommen“, sagt sie. Zum Glück, denken sicher viele der Betrachtenden.

Quelle: Christina Hinzmann

Auch ein anderes Bild lebt von der Text-Bild-Schere: Darauf ist eine Frau, das Gesicht angeschnitten wie bei fast allen Bildern, zu sehen, auf deren einer Brust zwei aufgezeichnete Kreuze zu sehen sind – Einzeichnungen für die Bestrahlungen. Diese Frau hat sich gegen eine Brust-Operation entschieden. „Eine neue Perspektive finden, wenn Du im Fadenkreuz des Lebens stehst“, steht darunter.

An den Fotografien lassen sich auch die Entwicklungen der Operationsmöglichkeiten erkennen: Während manchen Frauen die Brustwarzen fehlen – so war es früher üblich, erklärt Hahne -, sind auch Frauen zu sehen, bei denen man ohne den Kontext kaum auf die Idee kommen würde, das sie operiert wurden. „Es ist viel auf dem Gebiet passiert, vor 20 Jahren war man da noch relativ hilflos“, sagt Prof. Günter Emons, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der UMG, dazu. „Wir können Frauen mittlerweile wirklich Möglichkeiten anbieten“, sagt er. Es gebe mittlerweile sogar ein Medikament, das Frauen mit Mutationen vor allem bei Eierstockkrebs helfen könne.

Quelle: Christina Hinzmann

Sich die Brüste komplett abnehmen lassen hat eine – wie es die Beschreibung verrät – 79-jährige Frau bereits vor 30 Jahren. Sie ist die einzige, die auf dem Foto mit oberfreiem Oberkörper und komplettem Gesicht gezeigt wird. „Sie wollte das so“, sagt Fotografin Pribaten. Und das ist gut so: Denn aus dem Blick der Frau spricht Stolz und Ruhe. Die Fotografie gibt dieser starken Ausstellung noch mehr Wert.

Die Ausstellung „Ansichtssache“ ist noch bis zum 7. Juni im Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der UMG, Robert-Koch-Straße 40, zu sehen.

Von Hannah Scheiwe

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