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Frahm in der Hall of Fame

Göttinger Physiker geehrt Frahm in der Hall of Fame

Der Physiker Jens Frahm ist in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen worden. Mit der Aufnahme am Mittwochabend in Wiesbaden würdigte das Manager Magazin den Göttinger Forscher für seine bahnbrechenden Weiterentwicklungen der Magnetresonanz-Tomografie (MRT).

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Der Physiker Jens Frahm ist in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen worden.

Quelle: r

Wiesbaden/Göttingen. Die MRT wird als bildgebendes Verfahren weltweit in der klinischen Diagnostik eingesetzt. Dem 65-jährigen Frahm, Leiter der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (MPI), gelang mit seinem Team eine Erweiterung, die Echtzeit-Filme aus dem Inneren des Körpers liefert. Sie wird gegenwärtig für die Nutzung in der Klinik an der Universitätsmedizin Göttingen erprobt.

Nach Manfred Eigen und Stefan Hell ist Frahm der dritte Wissenschaftler des MPI für biophysikalische Chemie, der in die im Jahr 1992 begründete Hall of Fame einzieht und die nun 20 Mitglieder zählt. „Der Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis zur Innovation, vom Geistesblitz zur nützlichen Anwendung ist lang und erfordert viele unterschiedliche Kompetenzen. Ich bedanke mich daher für diese außergewöhnliche Auszeichnung auch im Namen der vielen Mitarbeiter und Kooperationspartner, mit denen ich das Glück hatte zusammenzuarbeiten“, sagte Frahm bei dem Festakt im Kurhaus in Wiesbaden mit zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Als Laudator kam ein weiterer Göttinger auf die Bühne: Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann beschrieb Frahm als „neugierig, experimentierfreudig, ausdauernd und zielgerichtet.“ Außerdem habe das weltweite FLASH-Patent der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 150 Millionen Euro Lizenzeinnahmen eingebracht. Es sei das lukrativste Patent der MPG und „es revolutionierte auch die ärztlichen Untersuchungsmöglichkeiten durch die Kernspintomographie, in dem erstmals dreidimensionale Bilder von Gewebe und Organen generiert werden konnten. Dadurch können Entzündungsherde und Tumore früher und genauer erkannt werden.“

Oppermann erwähnte auch, dass Frahm, der seit dem Studium in Göttingen lebt, sich engagiere für soziale und kulturelle Initiativen, Stiftungen und im Sport. Dieser sei dem aktiven Basketballer sehr wichtig. Frahm versäume nur sehr selten das Training seiner Mannschaft.

Laudatio für Jens Frahm zur Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Forschung (Manager Magazin/ Merck) am 16. November in Wiesbaden von Thomas Oppermann, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Göttingen :

Sehr geehrte Damen und Herren,

Jens Frahm ist ein wahrer Champion.

Er hat alle Eigenschaften, die ein Wissenschaftler braucht: Er ist neugierig, experimentierfreudig, ausdauernd und zielgerichtet.

Er ist ein Grundlagenforscher, dem es nicht primär um sofort verwertbare Ergebnisse geht, sondern der unser Wissen vermehren will, der erkennen will, was die Welt im Innersten zusammenhält. Wir haben inzwischen gelernt, dass gerade diese Grundlagenforschung häufig zu Innovationen führt.

Jens Frahm ist nicht nur ein exzellenter Forscher, sondern er hat, was in Deutschland eher selten ist, auch den Blick dafür, wie aus wissenschaftlicher Erkenntnis eine medizinische und wirtschaftliche Erfolgsgeschichte werden kann.

Seine Erfindung der FLASH-Technik ( Fast Low-Angle Shot) machte das MRT zum wichtigsten bildgebenden Verfahren in der medizinischen Diagnostik. Weltweit sind derzeit rund 30.00 MRT-Geräte im Einsatz.

Die MPG sicherte das FLASH-Patent weltweit ab.
Mit 150 Millionen Euro Lizenzeinnahmen ist es nicht nur das lukrativste Patent der Max-Planck-Gesellschaft, es revolutionierte auch die ärztlichen Untersuchungsmöglichkeiten durch die Kernspintomographie, in dem erstmals dreidimensionale Bilder von Gewebe und Organen generiert werden konnten.

Dadurch können Entzündungsherde und Tumore früher und genauer erkannt werden.

[Und: durch die Verknüpfung mit dem Elektrokardiogramm können nun auch dynamische Untersuchungen der Herzfunktion oder des Blutflusses durchgeführt werden.]

Aber vor allem ermöglicht die FLASH-Technik, dass eine bis dahin 10-20 Stunden lange Untersuchungsprozedur auf wenige Minuten verkürzt werden konnte.

Erst diese Beschleunigung hat dem MRT den Weg zur massenhaften Anwendung (100 Mio. Unt. p.a.) geöffnet.

[Aber auch qualitativ hat es die Untersuchungsmöglichkeiten verbessert, weil es ohne die gesundheitsschädliche Röntgenstrahlung auskommt und damit auch für Schwangere, Säuglinge und Kinder geeignet ist.]

Diese Erfindung fiel keinesfalls vom Himmel.

Als Jens Frahm zum Physikstudium nach Göttingen kam, ließ er sich vom Forschergeist dieser Stadt, in der Carl Friedrich Gaus, Otto Hahn und Max Planck geforscht und gelebt hatten, inspirieren.

Am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie promovierte er bei Abteilungsdirektor Hans Strehlow und entwickelte mit großer Leidenschaft sein Interesse für die NMR-Spektroskopie, die Grundlagentechnik für die spätere MRT. 

Er musste aber auch wie viele große Forscherinnen und Forscher auf seinem Weg Hindernisse überwinden.

Kolleginnen und Kollegen äußerten fachliche Bedenken gegen Jens Frahms Forschungskonzept.

Auch bei der Finanzierung seines Vorhabens erlitt er zunächst einen Rückschlag. Die DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) lehnte seinen Antrag ab, denn sie fand, dass Jens Frahms Forschungsthema doch besser von den fachlich zuständigen Radiologen bearbeitet werden sollte. Ein Beispiel dafür, wie damals in Deutschland Chancen verschenkt wurden, weil zu wenig interdisziplinär geforscht und gedacht wurde. Denn am Ende lag der Erfolg Frahms genau darin, dass er mit einer physikalischen Methode eine biologische Fragestellung bearbeitet hat.

Zum Glück hatte ein Mitarbeiter im Bundesministerium für Forschung und Technologie das richtige Gespür und bewilligte die notwendigen Drittmittel für den Start einer Arbeitsgruppe am Göttinger MPI.

Unbeirrt ging Frahm voran und begann zu experimentieren. Und das mit Erfolg: Ende 1984 im Alter von 33 Jahren gelang ihm mit seiner Forschergruppe der Durchbruch, die Erfindung des FLASH-Verfahrens, das ganz aktuell auch die Grundlage für die erneute Revolution ist, die Weiterentwicklung zur ganz schnellen MRT: die Echtzeit-MRT, die nun erstmals Filme aus dem Körperinneren liefert, mit 30 bis 50 Bildern pro Sekunde.

Jens Frahm ist aber nicht nur eine bemerkenswerte Forscherpersönlichkeit. Ich habe ihn auch als aktives Mitglied der Göttinger Stadtgesellschaft kennengelernt: Als jemand, der sich für soziale und kulturelle Initiativen, Stiftungen und im Sport engagiert.

Gemeinsam mit anderen organisiert er jedes Jahr ein Stiftungsdinner, das rund 100.000 Euro für die Universität Göttingen einbringt.

Er hat die Göttinger Bürgerstiftung mitbegründet, ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Universitätsbundes Göttingen und Mitglied im Vorstand der Stiftung bürgerlichen Rechts zugunsten der Universität Göttingen.

Außerdem zeigt er eine große Leidenschaft für den Basketball. Er ist nicht nur Fan des Bundesligisten BG Göttingen, sondern wirft auch selbst Körbe. Die Trainingszeit seiner Mannschaft am Freitag Abend ist ihm heilig. Und aus sicherer Quelle weiß ich, dass alle Dienstreisen ob nach China, USA oder sonst wohin so eingetaktet werden, dass er pünktlich zum Training wieder in Göttingen eingeflogen kommt. 

Dass Du, lieber Jens, nicht nur der Wissenschaft verfallen bist, sondern ein so vielseitig interessierter und engagierter Mensch bist, schätze ich sehr an Dir.

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass Jens Frahms Durchbrüche in der Biophysik heute mit seiner Aufnahme in die Hall of Fame der Deutschen Forschung (Manager Magazin und Merck Konzern) gewürdigt werden und gratuliere Dir, lieber Jens, dazu sehr herzlich!

Übrigens: Als Jens Frahm die beantragten Fördermittel ganz pflichtbewusst zurückzahlen wollte, war das Ministerium völlig irritiert und hatte seine liebe Not, die Rückzahlung der Max-Planck-Gesellschaft zu verbuchen.

Wenn mehr Wissenschaftler in Deutschland das Bundesforschungsministerium vor solche Probleme stellen würden, dann hätte gewiss niemand etwas dagegen.

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