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Frauenbilder: Vorträge in der Kunstsammlung der Universität Göttingen

Schönheit und Macht Frauenbilder: Vorträge in der Kunstsammlung der Universität Göttingen

Was macht eine Heldin aus? In drei Kurzvorträgen im Rahmen der Ausstellung „Schönheit. Macht. Mutterschaft. Frauenbilder von Botticelli bis Niki de Saint Phalle“ der Kunstsammlung der Universität wurde das Thema weibliche Stärke untersucht.

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Sitzende junge Frau: Holzskulptur der Makonde aus Tansania.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Schönheitsbegriff, das Verhältnis zum eigenen Körper und die Frage nach dem Mutterglück wurden in den kurzen Beiträgen diskutiert.

Frauen müssen so sein. Anmutig und sanft, treusorgend und selbst aufopfernd – Frauen sind ganz anders als Männer. Schon immer war das klassische Bild einer Frau eng verknüpft mit ihrer Fähigkeit zur Mutterschaft. Liebreizend sollten sie sein, schön und sich um den Nachwuchs sorgend. So sah das Idealbild in früheren Zeiten aus. Und heute? Sieht es genauso aus.

In ihrem gemeinsamen Vortrag „Heldinnen des Alltags!? Frauenbilder im Spannungsfeld von Schönheit, Macht und Mutterschaft“ beschäftigen sich Dr. Anita Schmidt-Jochheim von der Sammlung Heinz Kirchhoff, Verena Suchy, Mitarbeiterin der Kunstsammlung der Universität und Ida Becker, wissenschaftliche Volontärin der Zentralen Kustodie mit unterschiedlichen Facetten des westlichen Frauenbildes.

Alle drei Vorträge nehmen sehr unterschiedliche Blickrichtungen ein. So beschäftigt sich Schmidt-Jochheim sehr weitläufig mit dem Schönheitsbegriff an sich, während Suchy ein einzelnes Element der Modegeschichte kulturgeschichtlich und im Hinblick auf das Schlagwort Macht untersucht. Das Korsett ist ihr Thema, und wie es zu unterschiedlichen Zeiten getragen, aber auch kritisiert wurde.

„Die Mode kann man nicht nur als abstrakte Unterdrückungspraktik verstehen“, lautet ihr Fazit, denn das Tragen eines Korsetts sei vielfach weniger unter Zwang geschehen. Vielmehr habe oft eine selbst gewählte Form des modischen Ausdrucks dahintergesteckt. „Frauen formen ihren Körper selbst“, erklärt Suchy. Eine Machtposition, die den eigenen Körper betrifft, und die sich Frauen, trotz aller männlicher Kritik, nicht nehmen ließen.

Aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet Becker das Thema Mutterschaft. Ihr Vortrag bezieht sich auf die Gegenwart und das moderne Ideal des Mutterbildes. Die Gesellschaft nehme an, dass jede Mutter auch Mutter sein will, sagt Becker. Sie zitiert dabei eine Studie der israelische Soziologin Orna Donath. Diese hatte mit Frauen gesprochen, die ihre Mutterschaft bereuen. Nach der Veröffentlichung im vergangenen Dezember war im Internet eine Diskussion ausgebrochen, in der es auch darum ging, ob so etwas überhaupt gesagt werden darf.

Die Vorträge zeigen, dass das Frauenbild innerhalb einer Gesellschaft ein festgeschriebenes Konstrukt ist, dass es über die Zeiten aber auch wandelbar ist. Die Beiträge können somit auch als Einladung verstanden werden, das heutige Frauenbild zu hinterfragen.

Die Ausstellung „Schönheit. Macht. Mutterschaft. Frauenbilder von Botticelli bis Niki de Saint Phalle“ in der Kunstsammlung der Universität Göttingen, Weender Landstraße 2, ist sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die Finissage findet am Sonnabend, 31. Oktober, statt.

Von Daniela Lottman

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