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Freiheit der Wissenschaft, Aufgabe der Journalisten

Wochenend-Kolumne Freiheit der Wissenschaft, Aufgabe der Journalisten

Was für ein Wissenschaftstanz in den Mai! Wochenlang war es der Universität gelungen, einen Skandal in einem ihrer Sonderforschungsbereiche geheim zu halten. Nur keine Öffentlichkeit, hieß mal wieder die Maxime. Obwohl bereits das interne Ombudsgremium eingeschaltet worden war – und längst klar war, dass hier in einem bisher unbekannten Ausmaß wissenschaftliche Arbeiten vorgetäuscht worden waren, die man nicht erbracht hatte. So etwas nennt man dann intern schlicht „wissenschaftliches Fehlverhalten“ – mit zum Teil allerdings drastischen Konsequenzen für das weitere Berufsleben der Beteiligten. Dennoch: Nach außen wollte man mal wieder die Reihen streng geschlossen halten – um den guten Ruf der so hoch gelobten Exzellenzuniversität nicht zu beschädigen.

Man hätte es besser wissen sollen: Irgendwann kommt doch alles ans Licht. Die Verhüllung der Tatsache immerhin, dass hier versucht wurde, auf Kosten der Steuerzahler  Forschungsgelder zu kassieren – ohne entsprechende Vorleistung. 

Es ist nun fast zehn Jahre her, dass die Universität einen vergleichbaren Skandal erlebt hat. Dabei ging es um das so genannte „Göttinger Gebräu“ – auch damals war es das Göttinger Tageblatt in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Zeitung das Medium, das dies publik machte. Ein Göttinger Mediziner-Gruppe hatte an einem Impfstoff, besagtem „Gebräu“, gegen Nierenzellkarzinome gearbeitet und eine Studie veröffentlicht, die erhebliche Mängel aufwies und im September 2003 dann auch von den Autoren zurückgezogen werden mußte. Der damalige Uni-Präsident Prof. Horst Kern installierte daraufhin ein Ombudsgremium für die Universität (zuvor hatte es dies lediglich fürs Klinikum gegeben), das diesen Fall aufklären sollte. Bevor es dann allerdings zu einer „Rüge“ an den Leiter dieser klinischen Studie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kam, sollten Jahre ins Land gehen. Erst im Juli 2005 wurde diese (wegen „schwerwiegendem wissenschaftlichem Fehlverhalten“) offiziell ausgesprochen. Die Folge: Der Forscher durfte acht Jahre keine Anträge mehr bei der DFG stellen, wurde als Gutachter ausgeschlossen, ihm für diese Zeit auch das Wahlrecht für alle Organe und Gremien der DFG aberkannt.

Einzelfälle dieser Art und entsprechende Anschuldigungen hat es seitdem bundesweit immer wieder gegeben. Was den jüngsten Göttinger Fall aber bundesweit so einzigartig macht, ist die Anzahl der Verfehlungen. Was ihn aber mit dem Fall des Göttinger Gebräus verbindet: Auch damals war die Öffentlichkeitsarbeit – wie man also ein solches Fehlverhalten entsprechend ehrlich kommuniziert – eher unterentwickelt. In zehn Jahren nichts gelernt! Immer noch gilt: Erst dann reden, wenn klar ist: Da ist nichts mehr zu deckeln. Das macht mehr als deutlich, wie wichtig die Rolle von Journalisten in unserer Gesellschaft immer noch ist. Denn ohne sie könnten Verhüllungsversuche wie dieser – ob nun in Verwaltungen, Parteien oder eben (leider auch) im Wissenschaftsbereich – immer wieder gelingen. Wir sind gespannt, ob es erneut fünf Jahre dauert, bis dieser Skandal eine endgültige Bewertung erfährt. Wir werden es Ihnen mitteilen.

Nun gab es diese Woche aber auch so einiges Positive zu berichten. Da wäre zunächst mal die Tatsache dass Südniedersachsen nach langem Hin und Her nun wohl doch noch eine weitere IGS (Integrierte Gesamtschule) erhalten wird – und zwar in Bovenden. Ein Blick zurück: Zunächst hatte eine Umfrage des Landkreises keinen Bedarf für Bovenden ergeben, ebensowenig wie für Groß Schneen oder Gieboldehausen. Somit hätte die Region gar keine neue IGS erhalten. Da aber eben nur der Landkreis gefragt war, entschied sich die Stadt ebenfalls für eine eigene Erhebung: Eltern sollten erklären, ob sie ihr Kind auch nach Bovenden schicken würden, falls  die Plätze in den Göttinger Gesamtschulen nicht ausreichten. Doch diese Befragung wurde vom zuständigen Ministerium in Hannover nicht anerkannt. CDU-Schulfachmann Lothar Koch trommelte daraufhin seine Landtagskollegen aller Parteien zusammen und marschierte zu Ministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU). Daraufhin wurde eine weitere Elternbefragung genehmigt (noch dazu über die Osterferienzeit). Die ergab nun eindeutigen Bedarf: Die vom Ministerium vorgeschriebenen Mindestschülerzahlen pro Jahrgang von 130 wurden übertroffen. Wegen des „deutlichen Elternwillens“ geht Landrat Reinhard Schermann (CDU) nun davon aus, dass die Einrichtung einer IGS in Bovenden zum 1. August 2009 genehmigt werden wird. Mal sehen, ob die Landesschulbehörde dies nun auch offiziell tut.

Von Ilse Stein

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