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Fremd- und Selbstwahrnehmung der Kopten

Christen in Ägypten Fremd- und Selbstwahrnehmung der Kopten

Es ist ein kaum bearbeitetes Forschungsgebiet. Um die Fremd- und Selbstwahrnehmung der christlichen Kopten in der ägyptischen Literatur geht es in einer Vorlesungsreihe des Theologen Prof. Martin Tamcke und der Ägyptologin und Koptologin Prof. Heike Behlmer in Göttingen.

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Besuch in Höxter im Jahr 2013: Papst Tawadros, Oberhaupt der Kopten (ägyptische Christen) besucht das koptische Kloster 

Quelle: Küstner

Koptische Autoren wie Waguih Ghali oder Marie Ilyas Ziyada, so Tancke, würden in ihren Büchern für religiöse Vielfalt in dem arabischen Land werben. Der ins Exil getriebene Kommunist Ghali habe sich mit religiöser Koexistenz auseinandergesetzt. Die Feministin Ziyada habe versucht zu beschreiben, dass sich scheinbar unvereinbare, „hässliche“ Unterschiede zwischen Christen und Muslimen auf einer anderen Ebene ergänzten.

Ausgrenzung der Christen

Auf Seiten der Sunniten gebe es, so Tamcke, Autoren, die sich ebenfalls zur Vielfalt bekennen würden. Der Rundfunkjournalist Bahaa Taher sei so ein Beispiel. Unter dem arabischen Sozialisten Gamal Abdel Nasser, der in den 50er-Jahren Christen enteignet und ins Exil getrieben hätte, habe er seine Stelle verloren. Später habe er im Ausland gelebt. Nach seiner Rückkehr sei er am Sturz von Hosni Mubaraks beteiligt gewesen. Anders als solche Liberalen würden insbesondere die Islamisten die Ausgrenzung der Christen fordern.

Ein Grund für die Abneigung vieler Sunniten gegen die Christen sei die Wahrnehmung als „fünfte Kolonne des Westens“, führte Tamcke aus. Mit dem wachsenden Einfluss der Briten in Ägypten im 19. Jahrhundert sei den Menschen am Nil westliche Bildung zugänglich geworden. Vor allem die Kopten hätten die Chance genutzt und so für sich den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft. Ein Autor wie John Knittel, der von der kulturellen Überlegenheit des Westens überzeugt gewesen sei, habe das in seinem Roman „El-Hakim“ gefeiert.

5000-jährige Geschichte Ägypterns

Behlmer beleuchtete die multiple Identität der Kopten, die seit dem 19. Jahrhundert unterschiedliche Ausprägungen angenommen habe. In der Frühphase habe es die eher säkular und nationalistisch gesinnten Pharaonisten gegeben, die die gemeinsame 5000-jährige Geschichte von Ägyptern christlichen und sunnitischen Glaubens betont hätten. Um den Menschen das bewusst zu machen, habe etwa Markus Simaika Pascha 1908 das Koptische Museum in Kairo gegründet.

Befeuert durch die Ausgrenzung hätten andere Kopten dagegen die Theorie aufgestellt, dass nur sie die reinblütigen Nachfahren der pharaonischen Ägypter seien, erläuterte Behlmer. Die Sunniten seien dagegen Konvertiten, die sich mit Arabern vermischt hätten. Diese Positition werde heute vor allem unter der eine Million Diaspora-Kopten vertreten.

Schwierige Unterscheidung

„Andere Kopten im Ausland betonen ihre christliche Identität“, sagte die Wissenschaftlerin. Der breiten Masse der Amerikaner, Australier und Europäer falle es nämlich schwer, die Kopten von anderen Orientalen zu unterscheiden.

Mit dem Vortrag "Zwischen den Welten - George Henein (1914-1973) und der ägyptische Surrealismus" von Ute Pietruschka, Halle, wird die Vortragsreihe am Donnerstag, 28. April, um 18.15 Uhr im Theologicum, Platz der Göttinger Sieben 2, Raum T01, fortgesetzt.

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