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Göttingen Strategiewechsel scheitert im Raum Göttingen
Campus Göttingen Strategiewechsel scheitert im Raum Göttingen
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17:01 10.05.2018
Im Mai 2016, ein halbes Jahr nach ersten „Mahnwachen“ in Duderstadt, schwindet bereits die Demo-Bereitschaft bei den Rechten – im Gegensatz zur bürgerlichen Protestbewegung. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen/Duderstadt

Als der bis dato unbekannte „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ (FKTN) Ende 2015 in Duderstadt erste „Mahnwachen“ gegen die damals noch stark ausgeprägte Willkommenskultur für Flüchtlinge organisierte, waren viele zunächst überrascht. Wie aus dem Nichts war diese Gruppe in der Region Niedersachsen-Thüringen aufgetaucht. Dabei ist heute für Politikwissenschaftler N. K. (Name der Redaktion bekannt) längst klar, dass die Gruppe um bekannte Rädelsführer wie Lars Steinke, Thorsten Heise, Jens Wilke und Jan Philipp Jaennecke einer erklärten neuen Strategie folgen wollte: Mit einer in anderen Teilen Deutschlands bereits bewährten „Demonstrationspolitik“ wollten sie ihre Anhänger mobilisieren, zusammenführen und sich nach außen Gehör verschaffen.

Es folgten unzählige große und kleine Kundgebungen und Aufmärsche in Göttingen und der Region, bisweilen provozierende Begegnungen mit Gegendemonstranten, und FKTN-Mitglieder wie Wilke traten bei Kommunalwahlen als Kandidaten an.

„Marginalisierte Kleinstgruppe“

Ganz zu Beginn scheint die neue Strategie aufzugehen. Aber: „Von der anfangs geschaffenen überregionalen Plattform für verschiedene Rechte Milieus bleibt nach etwa zwei Jahren nur eine politisch marginalisierte neonazistische Kleinstgruppe“, stellt N.K. fest. Eine Gruppe, „die es immer weniger schafft, Ziele ihrer Demonstrationspolitik nach innen oder außen durchzusetzen“.

Für seine Bachelor-Arbeit hat N.K. den FKTN von seiner Gründungsphase im Herbst 2015 bis Ende 2017 beobachtet und die „Demonstrationspolitik der neuen extremen Rechten“ analysiert. Von 63 angemeldeten Versammlungen in Duderstadt, Northeim, Dransfeld, Göttingen, Bad Lauterberg und Heiligenstadt hat er 14 begleitet und protokolliert. Seine Ergebnisse hat N.K. jetzt auf Einladung der Göttinger Jungsozialisten (Jusos) zusammengefasst.

„Soldatische Männlichkeit“

Basis für die Arbeit waren Thesen von Fabian Virchow (2006) über die „Dimensionen der Demonstrationspolitik der extremen Rechten“ in Deutschland.

Danach versuchen sie mit einer neuen Strategie „nach innen“ ihre Mitstreiter besser zu vernetzen und motivieren, sich zu verstetigen, einen neuen Kader auszubilden und „soldatische Männlichkeit“ zu üben. Nach außen wollen sie sich vor allem zeigen, ihre Standpunkte vermitteln, Macht und eine „Aura der Gewalt“ demonstrieren und ihre Handlungsfähigkeit beweisen.

In seiner Arbeit hat N.K. die Entwicklungsphasen des FKTN von der Gründung über ihren Veranstaltungsmarathon in der Region, Wahlkämpfe und eine aggressiver werdende Schlussphase nach Misserfolgen systematisch auf diese Thesen hin geprüft.

„Symbolträchtige Orte“

Tatsächlich gelingt es dem FKTN zu Beginn neue Strukturen aufzubauen und bis zu 100 Mitstreiter zu Veranstaltungen zu locken. Er bietet eine Plattform für verschiedene rechte Milieus von national-konservativen Bürgern über AfD-Mitglieder bis zu Hooligans und Rockern – und kooperiert mit der NPD. Und der FKTN fällt auf mit größer werdenden Aufmärschen an symbolträchtigen Orten, beweist Handlungsfähigkeit und „glorifiziert deutsches Soldatentum“ mit Fahnen, Deutschlandlied, und Standhaftigkeit gegen Polizei und Bürgerproteste.

Ihre Standpunkte vermitteln können die neuen extremen Rechten allerdings nie (allenfalls über ihren Facebook- Account): Sie werden von der Polizei abgeschirmt und von Gegendemonstranten überschrien. Und spätestens nach der ersten deutlichen Wahlniederlage im Herbst 2016 kommt immer mehr Frust auf, stellt N.K. fest. Folge: Die Innenwirkung lässt ebenso nach wie die Außenwirkung - nur noch eine Handvoll Mitstreiter taucht bei Aktionen auf. Gefloppte Veranstaltungen im Folgejahr, ein immer aggressiver werdendes Auftreten und die Umbenennung in die „Volksbewegung Niedersachsen“ führen die extreme Rechte schließlich „in die Bedeutungslosigkeit“, so N.K. Auch in Folge einer starken, kreativen Gegenbewegung.

Von Ulrich Schubert

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